Tests & Fahrberichte

BMW Z4 M40i im Test: Wie fährt er sich aus Sicht eines Boxster-Fahrers?

BMW Z4 M40i und Porsche Boxster im Vergleich

Ich schalte in den manuellen Modus und probiere die Schaltwippen aus. Die Automatikgetriebe in den aktuellen BMW-Modellen gefallen mir sehr gut. Sie sind inzwischen so gelungen, dass man sich fragt, ob eine Doppelkupplung überhaupt noch nötig ist.

Das Automatikgetriebe im Z4 M40i heißt offenbar „Steptronic Sport Getriebe“. Kaum zu glauben, dass es sich um eine Wandlerautomatik handelt: Die Gangwechsel erfolgen ausgesprochen knackig. Die Schaltvorgänge sind sehr schnell, besonders beim Hochschalten.

Vom Gefühl her ist das Getriebe mit dem PDK der Porsche-Modelle 991.1 und 981 durchaus vergleichbar.

Auch beim Hochschalten klingt die Abgasanlage kraftvoll. Besonders angenehm finde ich die künstlich erzeugten Fehlzündungsgeräusche beim Lupfen des Gaspedals. Bei niedrigen und mittleren Drehzahlen klingt der Motor eher sonor. Nimmt man bei hohen Drehzahlen den Fuß vom Gas, knallt es dafür ziemlich laut und spektakulär: „Brabbel, brabbel, brabbel!“ Das ist Geschmackssache – mir gefällt es.

Der Reihensechszylinder läuft, wie man es von BMW erwartet, seidenweich. Da ich noch die früheren Saugmotoren kenne, nehme ich durch die Turboaufladung ein ganz leichtes, etwas raueres Vibrieren wahr. Trotzdem gilt: Der Motor macht dem Ruf von BMW als „Motorenbauer aus Bayern“ alle Ehre. Er lässt sich auch bei niedrigen Drehzahlen angenehm fahren und beschleunigt mit kräftigem Drehmoment, sobald man aufs Gas tritt.

Für diese Probefahrt wollte ich möglichst unvoreingenommen bleiben. Deshalb habe ich mich vorher nicht näher mit den technischen Daten des Motors beschäftigt. Während der Fahrt hätte ich seine Leistung spontan auf etwa 350 bis 380 PS geschätzt.

Später habe ich nachgesehen: Der Motor leistet 340 PS (250 kW) bei 5.000 U/min und entwickelt 500 Nm Drehmoment (51,0 kgm) zwischen 1.600 und 4.500 U/min. Meine Schätzung lag also nicht weit daneben. Allerdings fühlte sich der Motor stärker an, als die Zahlen vermuten lassen. Das liegt vermutlich vor allem daran, dass bereits bei niedrigen Drehzahlen satte 500 Nm anliegen.

Im japanischen Straßenverkehr fehlt es dem Z4 natürlich nicht an Leistung. Brutal schnell wirkt er aber auch nicht. Seine Leistung lässt sich auf den kurvigen Landstraßen Japans gerade noch gut nutzen, ohne dass man ständig das Gefühl hat, zu viel davon zu haben.

Als ich mich an den Wagen gewöhnt habe, erhöhe ich das Tempo ein wenig. Dabei zeigt sich: Bei Lenkpräzision und Fahrbahnkontakt kommt der Z4 ehrlich gesagt nicht ganz an den Boxster heran. Die anderen Autoenthusiasten, die an diesem Tag dabei waren, teilten meinen Eindruck. Ganz falsch dürfte er also nicht sein.

Ein gutes Beispiel ist die lang gezogene S-Kurve von der Arima-Kurve bis zum Tunnel am Arima-Pass mit der Jūhachichō-Kurve auf dem Royu Driveway. Der mittelschnelle Abschnitt macht besonders viel Spaß. Da es bergauf geht, durchfährt man ihn im zweiten oder dritten Gang mit leichtem Gas. Wenn man die S-Kurve sauber und beinahe geradlinig durchfährt, fühlt sich das großartig an. Hier werden Lenkpräzision und einfache Kontrollierbarkeit besonders deutlich.

Im Boxster macht es großen Spaß, diesen Abschnitt zu fahren. Er folgt der gewünschten Linie nahezu ohne Abweichung. Im Z4 habe ich dagegen beim Wechsel von rechts nach links das Gefühl, dass die tatsächliche Linie leicht von der abweicht, die ich im Kopf habe. Woran genau das liegt, ist schwer zu sagen. Im direkten Vergleich könnte es an der etwas stärkeren Seitenneigung des Z4 und daran liegen, dass sich das Ausfedern der Federung weniger straff beruhigt.

 

Bei Komfort und entspanntem Fahren hat dagegen der Z4 die Nase vorn. Wenn ich den Wagen nach dieser Probefahrt mit einem Wort beschreiben müsste, würde ich ihn „Z5“ nennen. So hochwertig und komfortabel fährt er sich – die Eigenschaften eines Gran Turismo sind deutlich ausgeprägt.

In vielen Testberichten zum Z4 wird der Porsche Boxster als Konkurrent genannt. Nach meinem Eindruck unterscheiden sich die beiden Autos jedoch deutlich.

Früher bin ich selbst einen Mercedes SLK 350 gefahren. Wenn man den Z4 unbedingt mit einem anderen Modell vergleichen möchte, würde ich ihn eher dem SLK beziehungsweise SLC gegenüberstellen.

Anfangs dachte auch ich, der Z4 und der Boxster seien direkte Konkurrenten. Doch wenn man beide am selben Tag auf derselben Strecke fährt, merkt man, wie unterschiedlich ihre Ausrichtung ist. Dabei geht es nicht darum, welches Auto besser oder schlechter ist: Sie verfolgen offenbar unterschiedliche Ziele, und je nach Vorlieben des Fahrers kann das Urteil entsprechend völlig anders ausfallen.

Der Z4 ist ein offener Sportwagen mit starkem GT-Charakter. Wer am Wochenende morgens schnell und offen zum Golfplatz fahren möchte, ist mit dem Z4 eindeutig besser bedient. Wer dagegen vor allem kurvige Landstraßen und Touren genießen will, dürfte eher zum Boxster tendieren.

Auch für Einkäufe oder den Arbeitsweg in der Stadt, wo man häufig im Stau steht und immer wieder anfahren muss, scheint mir der Z4 besser geeignet. Wer dagegen am Wochenende auf der Rennstrecke bei einem Trackday fahren möchte, ist meiner Meinung nach mit dem Boxster besser aufgehoben.

Weil sich die beiden Autos auf den ersten Blick derselben Klasse zuordnen lassen, liegt es nahe, ihre Stärken und Schwächen direkt miteinander zu vergleichen. Doch das ist nicht unbedingt der richtige Weg. Wer zwischen diesen beiden Modellen wählt, sollte vor allem berücksichtigen, in welchen Situationen und auf welche Weise er sein Auto nutzen möchte.

Genau das ist mir bei dieser Probefahrt klar geworden: Der Z4 und der Boxster sind zwei Sportwagen mit sehr unterschiedlichem Charakter.

 

 

Page: 1 2

Share
Published by
Tags: BMW