Wenn ich Blogleserinnen und -leser persönlich treffe, höre ich manchmal: „Deine Blogtexte sind so verständlich und angenehm zu lesen. Wie schreibst du eigentlich?“ oder: „Hast du früher beruflich geschrieben?“
Dabei denke ich beim Schreiben gar nicht besonders viel darüber nach. Deshalb habe ich immer etwas ausweichend geantwortet: „Na ja, ich habe schon immer beruflich geschrieben und gesprochen … Und Schreiben macht mir einfach Spaß.“ Eine Antwort, die eigentlich keine ist.
Neulich entdeckte ich dann, dass eine Leserin oder ein Leser meinen Blog im eigenen Blog, Exponential Life, vorgestellt hatte. Dazu stand dort: „Die Sprache ist leicht und mühelos, steckt aber voller Informationen – fast wie ein Porsche unter den Blogs.“
Das ist wirklich mehr Lob, als ich verdiene … Vielen Dank!
Bei dieser Gelegenheit wollte ich einmal festhalten, wie ich meine Artikel schreibe.
Zunächst einmal: Lesen fällt mir schwer (… bitte was?). Romane und Comics kann ich lesen, aber bei Zeitungen und Sachbüchern bleibt kaum etwas hängen. Weil mir selbst das Lesen längerer Texte schwerfällt, überlege ich beim Schreiben immer wieder: „Wie kann ich einen Text so gestalten, dass er leicht verständlich ist und Spaß macht?“
Heute möchte ich mir die Punkte ansehen, die mir beim Schreiben meiner häufigsten Artikelform wichtig sind – und zwar in zwei Bereichen: Aufbau und Überarbeitung.
Was den Aufbau betrifft (auch wenn das ziemlich hochtrabend klingt), orientiere ich mich gern am Rakugo, einer traditionellen japanischen Erzählkunst.
An meinem früheren Arbeitsplatz gab es einen Kollegen, der ausgesprochen gut präsentieren konnte. Eines Tages fragte ich ihn, warum er so gut erzählen könne. Seine Antwort: „Ich orientiere mich am Rakugo.“
Rakugo ist für mich die perfekte Präsentation. Allein durch die Erzählung eines Rakugo-Künstlers haben die Zuhörer das Gefühl, das Geschehen direkt mitzuerleben. Ohne Bilder oder Bildschirm entstehen vor ihrem inneren Auge Szenen; sie lachen, sind gefesselt und fühlen sich, als sähen sie einen Film oder eine Fernsehserie. Als mir eines Tages klar wurde, wie beeindruckend diese Kunst ist, beschloss ich, beim Erzählen stets an Rakugo zu denken.
So sagte er.
„Das leuchtet ein! Ich möchte auch so erzählen und schreiben können, dass beim Lesen Bilder im Kopf entstehen.“ Von da an hörte ich eine Zeit lang viel Rakugo. Die Kunst ist allerdings enorm vielschichtig, und ich habe ihre Essenz längst nicht verstanden. Trotzdem hoffe ich, mit meinem Schreibstil dem Rakugo wenigstens ein kleines Stück näherzukommen.
Wenn ich über eigene Erlebnisse schreibe (zum Beispiel Veranstaltungen oder Touren), erzähle ich häufig eine Geschichte – von der Abfahrt bis zur Rückkehr nach Hause. Ein Beispiel ist mein Artikel über die Auslieferung des GT3 Touring.
An jenem Morgen holte mich der Ansprechpartner des Porsche Zentrums mit einem Cayenne zu Hause ab. Ich beschrieb, wie wir dort ankamen, mein Mann und ich den GT3 zum ersten Mal mit eigenen Augen sahen und anschließend zur ersten Fahrt aufbrachen.
Ich hoffe, dass sich die Leserinnen und Leser beim Lesen fühlen, als wären sie selbst dabei gewesen. Weil ich den gesamten Ablauf erzähle, wird der Text allerdings zwangsläufig ziemlich lang (lach).
Jeder hat seine eigene Methode. Ich persönlich kümmere mich zunächst nicht um die Form, sondern schreibe einfach den ganzen Text in einem Rutsch herunter. Die Reihenfolge kann noch durcheinander sein, die Formulierungen müssen noch nicht sitzen – erst einmal schreibe ich den groben Entwurf, ohne mir darüber Gedanken zu machen.
Wenn ich dagegen gleich von Anfang an einen perfekten Text schreiben will, fällt mir plötzlich gar nichts mehr ein.
Allein mit Worten eine Szene vor Augen entstehen zu lassen, ist ziemlich schwierig. Zum Glück ist ein Blog anders als Rakugo: Ich muss nicht alles ausschließlich mit Worten vermitteln. Deshalb versuche ich, möglichst Fotos einzubauen, die zum jeweiligen Text passen.
Als ich im Mai bei der Auslieferung des GT3 dabei war, machte ich übrigens eine ganze Menge Fotos: den Porsche im Ausstellungsraum, meinen Mann beim Unterschreiben der Unterlagen, den Ansprechpartner beim Anziehen der Handschuhe, die Fahrt im Aufzug, den servierten Kaffee und so weiter.
Selbst wenn ich denke: „So ein Foto werde ich ganz sicher nie verwenden. Haha.“, mache ich lieber erst einmal ein Bild. Denn manchmal ist ausgerechnet darunter ein überraschend brauchbares Foto. Trotzdem landen am Ende wohl neun von zehn Aufnahmen im Papierkorb (lacht).
Im Rakugo kommen häufig Dialoge zwischen den Figuren vor. Ich finde, durch solche Gespräche wird eine Erzählung lebendiger und unterhaltsamer. Deshalb baue ich auch in meinem Blog oft Dialoge ein – etwa Gespräche mit meinem Mann oder dem Ansprechpartner im Porsche Zentrum.
Zum Beispiel könnte ich schreiben:
„Mein Mann sagte, ich solle sanfter beschleunigen.“
Stattdessen schreibe ich:
Mein Mann sagte zu mir: „Achte mal mehr darauf, wie du Gas gibst. Nicht einfach voll drauf und wieder runter – gib sanft Gas und nimm den Fuß ebenso sanft wieder weg. Dann ruckt es beim Schalten weniger und du fährst geschmeidiger.“
Ich lasse seine Worte bewusst in seinem Kansai-Dialekt stehen, weil ich so den Dialog zwischen uns möglichst authentisch wiedergeben möchte.
Ein humorvoller Moment sorgt für Abwechslung und macht den Text unterhaltsamer. Deshalb versuche ich beim Schreiben, mich an die Devise „Ein Artikel, ein Lacher“ zu halten.
Natürlich kann ich nicht wie ein Rakugo-Künstler das Publikum reihenweise zum Lachen bringen. Außerdem ist Humor Geschmackssache. Was ich selbst lustig finde, muss für andere noch lange nicht komisch sein – das ist mir durchaus bewusst.
Und trotzdem gibt es ziemlich viele Artikel, die ich so ernst geschrieben habe, dass nicht ein einziger Lacher darin vorkommt (lach).
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