Tests & Fahrberichte

Mercedes-Benz GLS 400 d im Test: Unser Fahreindruck

Was ich vom GLS erwartet habe

Vor der Probefahrt sah ich mir – was für mich eher ungewöhnlich ist – einige Videos mit Testfahrten auf YouTube an. Mit diesen Eindrücken im Hinterkopf ging ich zum Termin. Besonders gespannt war ich auf drei Punkte:

✓ Wie geschmeidig ist der Fahrkomfort tatsächlich?
In den Videos waren sich alle einig: Der GLS sei „luxuriös“ und biete einen „geschmeidigen Fahrkomfort“. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen.
✓ Wie komfortabel ist die zweite Sitzreihe?
Als wir früher einmal mit der Familie in den USA waren, mieteten wir für etwa eine Woche den GLS der vorherigen Generation. Auf teils schlecht ausgebauten Straßen wurde die Rückbank jedes Mal so stark durchgeschüttelt, dass mir übel wurde. Ich schlief daher fast die ganze Zeit. Ich wollte wissen, wie viel komfortabler die zweite Sitzreihe im neuen Modell im Vergleich zum Vorgänger geworden ist.
✓ Wie hochwertig und luxuriös fühlt sich das Fahren an?
Die Autojournalisten in den Videos waren voll des Lobes. Daher stellte ich mir vor, dass sich der GLS wie unser früherer S 63 Coupé fahren würde – nur eben als SUV: hochwertig, ruhig und souverän. Genau dieses Gefühl wollte ich selbst erleben.

Rückblickend war die Vorbereitung allerdings ein Fehler. Ich hatte meine Erwartungen an den GLS viel zu hoch geschraubt und mir einen samtig-sanften Fahrkomfort wie im Bentley Bentayga ausgemalt. Im Nachhinein wäre es wohl besser gewesen, ganz ohne Vorwissen zur Probefahrt zu gehen.

Als Erstes probierte ich die zweite Sitzreihe aus.

Der GLS macht seinem Ruf alle Ehre: Die Sitze fühlen sich hochwertig an, sind üppig gepolstert und sehr bequem. Auch das Platzangebot ist großzügig. Selbst wenn die Sitze ganz nach vorn geschoben sind, bleibt noch reichlich Beinfreiheit.

Lehnte ich mich richtig in den Sitz zurück, reichten meine Füße nicht einmal bis zum Boden. Auch groß gewachsene Männer dürften hier bequem sitzen. (Oder meine Beine sind einfach sehr kurz.)

Die Rückenlehnen lassen sich ebenfalls neigen – damit dürfte man auch auf langen Strecken ausgesprochen bequem reisen. Und dass sogar die Sitze der zweiten Reihe elektrisch verstellbar sind, ist wirklich beeindruckend.

Für die zweite Sitzreihe gibt es eigene Lüftungsdüsen. Temperatur und Gebläsestärke lassen sich per Knopfdruck unabhängig einstellen. Sitzheizung ist ebenfalls an Bord. Mehr Komfort geht kaum.

Die dritte Sitzreihe ist erwartungsgemäß eng, für Kinder aber meiner Meinung nach völlig ausreichend. Sogar dort gibt es Sitzheizung sowie eine separate Regelung von Temperatur und Gebläsestärke. Außerdem soll im Kofferraum noch Platz für Gepäck bleiben, wenn alle sieben Sitze besetzt sind.

Das ist wirklich beeindruckend.

Auch die Mittelarmlehne der zweiten Sitzreihe bietet jede Menge Stauraum und verfügt über solide Getränkehalter.

Anschließend fuhr mein Mann den GLS über öffentliche Straßen.

Im Vergleich zum GLS der vorherigen Generation, den ich schon einmal gefahren war, schaukelte das neue Modell deutlich weniger. Allerdings führte die Testroute durch Osaka, wo die Straßen im Vergleich zu manchen Straßen in den USA besser ausgebaut sind. Auch das könnte einen großen Unterschied machen.

Der Fahrkomfort war geschmeidig und entspannt. Trotzdem hatte ich nicht den Eindruck, dass der GLS Unebenheiten im Asphalt vollkommen souverän wegfiltert. Stattdessen fühlte er sich stellenweise ein wenig weich und schaukelig an. Als wir zum Test die Fahrzeughöhe verstellen ließen, (die Fahrwerksabstimmung selbst lässt sich dabei nicht ändern) wirkte der Fahrkomfort bei höher eingestellter Karosserie deutlich straffer.

Normalerweise würde man wohl annehmen, dass ein tiefergelegtes Auto härter fährt. Beim GLS als SUV wird die Federung laut Erklärung jedoch stärker gespannt, wenn die Karosserie angehoben wird – dadurch fühlt sich das Fahrwerk fester an.

Auf der Rückbank waren die Stöße dann aber deutlich spürbar. Die normale Fahrzeughöhe bot für mich den entspannteren Fahrkomfort und war daher die bessere Wahl.

Ehrlich gesagt fand ich allerdings, dass die Rückbank im aktuellen Cayenne ruhiger und stabiler wirkt und Unebenheiten geschmeidiger wegsteckt. Bei der Probefahrt saßen jedoch nur drei Personen im GLS, obwohl er ein Siebensitzer ist. Mit mehr Passagieren wäre er vielleicht noch satter auf der Straße gelegen. Mein Mann meinte außerdem:

„Das neue E-ACTIVE BODY CONTROL soll richtig beeindruckend sein. Soweit ich weiß, ist es im GLS 580 verbaut. Damit dürfte sich der Fahrkomfort noch einmal ganz anders anfühlen. Den würde ich auch gern ausprobieren.“

Wie schon gesagt: Es war keine gute Idee, mich vor der Probefahrt mit den YouTube-Videos so auf den Fahrkomfort einzustimmen. Der GLS ist ohne Frage ein hervorragendes Auto. Hätte ich ihn ohne diese hohen Erwartungen ausprobiert, wäre ich vermutlich noch stärker beeindruckt gewesen.

Außerdem wurde mir klar, dass die Stärke des GLS nicht allein im Fahrkomfort liegt: Dank der durchdachten Ausstattung, die an alles denkt, genießen alle an Bord das luxuriöse Ambiente und den hohen Komfort – Fahrer und Mitfahrer gleichermaßen.

Weiter zur nächsten Seite → Wie fährt sich der GLS am Steuer? Meine Eindrücke …

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