Tests & Fahrberichte

Der MINI Cooper D (3-Türer) meiner Schwester ist da: Was sagt der Porsche-Fahrer nach der Probefahrt?

BMW MINI Cooper D auf kurvigen Straßen: Der Fahrbericht

Als Nächstes nehme ich den MINI mit auf eine kurvige Strecke. Der rote Bereich beginnt bei etwa 5.200 bis 5.400/min – ein Motor, den man also nicht ständig hochdrehen möchte. Trotzdem schiebe ich den Wählhebel nach links, aktiviere den Sportmodus und trete aufs Gas. Der MINI zieht wie zuvor spontan an und baut zügig Geschwindigkeit auf.

Überlässt man die Gangwahl der Automatik, scheint sie in den meisten Situationen im vierten Gang bleiben zu wollen. Für die üblichen Geschwindigkeiten reicht die Beschleunigung aber vollkommen aus.

Das kräftige Drehmoment macht es leicht, den Motor etwas zu beherzt hochzudrehen. Dann wandert die Nadel des Drehzahlmessers rasch in Richtung roter Bereich – schade. Ich fahre auf solchen Bergstraßen gern mit höherer Drehzahl, und ganz ehrlich: Mit Dieselmotoren werde ich deshalb nicht richtig warm.

Das ist letztlich Geschmackssache.

Auch die Bremsen packen kräftig zu und lassen sich gut dosieren. Wenn ich eine besondere Stärke der Bremsanlage hervorheben müsste, wäre es die hervorragende Dosierbarkeit. Solche Bremsen begegnen einem bei japanischen Autos ehrlich gesagt nicht oft.

Selbst bei manchem renommierten Sportwagen ist die Bremsleistung zwar tadellos, doch beim natürlichen, feinfühligen Bremsgefühl kann er mit dem MINI nicht mithalten. Vor der Kurve lässt sich das Tempo mit minimalen Änderungen des Pedaldrucks präzise regulieren. Das macht das Fahren nicht nur angenehm, sondern auch richtig spaßig.

Das größte Alleinstellungsmerkmal des MINI ist jedoch sein Handling. „Go-Kart-Feeling“ lautet der bekannte MINI-Slogan – und auf kurvigen Straßen versteht man sofort, was damit gemeint ist.

Kurz gesagt: Der MINI lenkt neutral. Bei dem Tempo, mit dem man kurvige Landstraßen genussvoll fährt, genügt es, das Lenkrad vor der Kurve einzuschlagen und die gewählte Stellung beizubehalten. Nachlenken oder Gegenlenken ist nicht nötig. Der Lenkwinkel sitzt auf Anhieb – präzise und angenehm direkt.

Das bei sehr niedriger Geschwindigkeit noch recht straff wirkende Fahrwerk spielt hier seine Stärken aus. Die Karosserie neigt sich mit leichter Rollbewegung ausgewogen nach außen, bleibt dann aber stabil. Der MINI zieht angenehm durch die Kurve – gefühlt dreht er sich dabei um einen Punkt etwa vor der Armlehne im Innenraum. Unsicherheit kommt in Kurven überhaupt nicht auf. Für ein Auto mit Reifen im 65er-Querschnitt ist das eine beeindruckende Stabilität. Großartig.

Auf der Royu Driveway gibt es zwischen der Arima- und der Jūhatchō-Kurve eine lang gezogene S-Kurve. Autos mit unausgewogenem Fahrverhalten lassen sich dort nicht ohne Weiteres sauber auf Linie halten. Der MINI hingegen nimmt die S-Kurve souverän, als würde er eine einzige, fließende Linie zeichnen.

Montiert waren Hankook KINERGY ECO2, serienmäßige Eco-Reifen. Bis zu einem gewissen Punkt bieten sie erfreulich viel Grip, darüber hinaus vermitteln sie jedoch ein leicht unsicheres Gefühl.

Das Fahrwerk kann offenbar mehr, als die Reifen hergeben. Mit einem Wechsel auf etwas sportlichere Reifen dürfte sich ein noch stimmigeres Gesamtpaket ergeben.

Zum Vergleich mit einem anderen Modell aus der BMW Group: Ich habe bereits einen BMW 320d (F30) getestet. Klanglich wirkt der Diesel im MINI weniger dieseltypisch als der im 320d.

Bei der Leistung hat der 320d erwartungsgemäß die Nase vorn. Die Fahrwerksabstimmung unterscheidet sich zwischen BMW und MINI jedoch deutlich.

Ein BMW vermittelt üblicherweise eher das Gefühl, über die Vorderachse stärker nach außen zu drücken und so durch die Kurve zu fahren. Beim MINI fühlt es sich dagegen an, als würde sich das gesamte Fahrzeug nach außen abstützen und so die Kurve nehmen. Selbst innerhalb derselben Unternehmensgruppe erhalten die Marken also offenbar eine klar eigene Abstimmung.

Fazit: Für wen eignet sich der MINI Cooper D?

Die Probefahrt hat mir wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, sich zu überlegen, was man von einem Auto erwartet. Wer vor allem Wert auf einen faszinierenden Motor, ein begeisterndes Drehzahlverhalten und einen mitreißenden Klang legt, dem würde ich diesen MINI eher nicht empfehlen.

Wer hingegen ein alltagstaugliches, angenehm zu fahrendes Auto mit gutem Ansprechverhalten, kräftiger Beschleunigung und niedrigem Geräuschniveau im Stadtverkehr sucht, liegt mit dem MINI richtig. Ob Einkäufe, lange Touren, der tägliche Arbeitsweg oder die Fahrt zur Schule – er ist vielseitig einsetzbar. Und auch auf kurvigen Straßen überzeugt sein Handling.

Gerade beim MINI kommt es neben den Fahrleistungen darauf an, ob seine eigene Welt und sein Design zur persönlichen Vorstellungswelt passen. Wer Autos nicht nur anhand von Leistungsdaten beurteilt, sondern den eigenständigen Charakter schätzt und den MINI vor allem als Teil des eigenen Lebensstils und der eigenen Garderobe sieht, findet in ihm genau das richtige Auto.

Ein Auto, das nicht bloß ein Industrieprodukt oder ein Fortbewegungsmittel ist, sondern den Alltag bereichert – genau das ist für mich der MINI.

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Tags: BMW MINI