Porsche Cayman

【Porsche-Besitzerporträt #17】Cayman GT4: Kauf, Ausstattung und Fahrbericht

4) So erlebe ich die Porsche-Performance im Alltag

① Motor und Motorsound

Der GT4 ist schlicht und einfach laut. Das Geräusch des frei saugenden Sechszylinder-Boxermotors, der Auspuffklang, die mechanischen Geräusche des Antriebsstrangs und sogar das Quietschen der Bremsen im Stand sind für die Menschen ringsum vermutlich einfach nur Lärm. Für den Fahrer sind sie jedoch Musik in den Ohren und lassen den Puls steigen.

Mit aktiviertem Sportmodus und eingeschalteter Sportabgasanlage bekommt man außerdem Lust, völlig grundlos herunterzuschalten.

Der Motor liefert über den gesamten Drehzahlbereich kräftiges Drehmoment und dreht gleichmäßig hoch. Bis etwa 7.000 U/min zieht er ordentlich durch, darüber hinaus gibt es aber keinen ausgeprägten Drehmomentschub, der den Motor förmlich explodieren lässt.

Wahrscheinlich wartet dieses besondere Erlebnis erst im GT3. „Den speziellen Motor des GT3 einmal bei hohen Drehzahlen erleben“ – das würde mich schon reizen.

Trotzdem bietet der Cayman GT4 mehr als genug lang anhaltenden Durchzug. Mit seinem vergleichsweise großen Hubraum von 3,8 Litern hat der GT4 schon bei niedrigen Drehzahlen reichlich Drehmoment – bei 30 km/h kann man bereits im sechsten Gang fahren. Da der Motor nicht spitz ausgelegt ist, lässt sich im Stadtverkehr auch ganz entspannt mal vom ersten direkt in den dritten und dann in den fünften Gang schalten.

Als ich den Motor höher drehen wollte, warnte mich der Händler: „Beim PDK ist das kein Problem, aber mit dem Schaltgetriebe sollten Sie 7.000 U/min nicht überschreiten.“ Seitdem nehme ich bewusst den Fuß vom Gas. Angeblich wird ein Überschreiten des Drehzahlbegrenzers in fünf Stufen im Fahrzeug protokolliert und kann dazu führen, dass die Händlergarantie erlischt.

Vergleicht man den Cayman GT4 mit einem handgeschalteten Boxster 981 in der Basisausstattung, hat der Boxster wegen seines kleineren Hubraums zwar weniger Leistung. Trotzdem ist auch er schnell genug, um als echter Sportwagen durchzugehen. Sein leichtfüßiges Wesen gefällt mir sogar besonders gut.

Dass jede Variante ihren eigenen Charakter hat, ist eine von vielen Qualitäten, die Porsche ausmachen.

Als Ersatzwagen fuhr ich außerdem einen 718 und verglich ihn mit dem 981. Bei gleicher Basisausstattung fühlte sich der 718 deutlich schneller und noch leichtfüßiger an. Der Motorsound erinnerte mich allerdings stark an die Subaru-Vierzylinder-Boxermotoren aus der Zeit, als die Zylinderpaare unterschiedlich zündeten – und nicht an einen Porsche, sondern an einen Subaru.

Wer die damaligen Subaru-Motoren nicht kennt, dürfte den Klang als charakteristischen Boxersound aber durchaus mögen.

② Fahrkomfort und Fahrgefühl

Das Fahrwerk ist eher straff, aber erstaunlich komfortabel und geschmeidig für einen Sportwagen dieser Generation. Vielleicht bin ich nicht feinfühlig genug, aber zwischen PASM ein und aus spüre ich keinen Unterschied.

Der GT4 liegt tief und hat vorne einen eigens entwickelten Frontspoiler. Ein Liftsystem gibt es nicht – entsprechend setzt die Front häufig auf.

Auf normalen Straßen und an Bahnübergängen passiert das auch ohne besondere Aufmerksamkeit nicht. Selbst bei steilen Einfahrten, etwa zu einem Supermarkt oder einer Tankstelle, lässt sich ein Aufsetzen meist vermeiden, wenn man schräg hineinfährt.

In engen Parkhäusern mit Rampen ist das Risiko allerdings groß, besonders wenn sich die Einfahrt nicht schräg anfahren lässt.

Selbst wenn der Spoiler aufsetzt, bleibt die Stelle an seiner Unterseite meist unsichtbar; ein schwerer Schaden entsteht dadurch nicht. Und wie bei solchen Autos üblich: Niemals bis an den Radanschlagstein heranfahren.

Was die Übersicht angeht, war ich beim ersten Einstieg in einen 911 (997) beeindruckt, wie gut man trotz Sportwagenformat in alle Richtungen sieht – nach vorne, schräg nach hinten und direkt nach hinten. Damit könnte sich auch eine Fahrerin problemlos ans Steuer setzen.

Beim Cayman ist die Sicht schräg nach hinten dagegen etwas eingeschränkt, wenn auch nicht dramatisch. Persönlich mag ich die tiefere Sitzposition im Cayman, die einen angenehm ins Cockpit einschließt.

③ Bremsen

Im Stadtverkehr fällt es nicht besonders auf. Auf der Autobahn verzögert der Wagen bei einer kräftigen Bremsung jedoch so stark, dass man fast meint, der Hintermann könnte auffahren. Dabei gilt: Je stärker man aufs Pedal tritt, desto kräftiger packen die Bremsen zu.

④ Schaltgetriebe

Die Kupplung ist relativ schwer, aber nicht so sehr, dass sie lästig würde. Beim Anfahren gefällt mir das eigenständige, fast zähflüssige Gefühl, mit dem die Kupplung greift. Wie schon in einem früheren Artikel erwähnt, achten Porsche-Fahrer darauf, beim Anfahren kein Gas zu geben. Das macht mich nervös, weil ich dabei das Gefühl habe, der Motor könnte gleich ausgehen. Ganz automatisch beherrsche ich es noch nicht.

Der Schalthebel hakt nicht, das Schaltschema ist eindeutig und die Gangwechsel bereiten keine Schwierigkeiten. Trotzdem würde ich das Schaltgefühl nicht als außergewöhnlich bezeichnen.

Anders als die übrigen Varianten hat der GT4 eine kürzere Schaltübersetzung. Die Gänge lassen sich aber nicht allein mit einer kleinen Bewegung des Handgelenks wechseln. Und wegen des Mittelmotorlayouts fehlt ihm die Direktheit eines Fahrzeugs mit Frontmotor und Hinterradantrieb. Ich erinnere mich, dass sich der Suzuki Cappuccino noch knackiger schalten ließ.(Es ist natürlich etwas gewagt, die beiden miteinander zu vergleichen.)

⑤ Fahrdynamik

Auf kurvigen Bergstraßen ist es ein tolles Gefühl, durch die Kurven zu fahren, als säße man direkt auf der Achse eines Kreisels. In anderen Autos bremse ich vor einer Kurve ab – mit dem GT4 komme ich oft mühelos ohne Bremsen hindurch. Seine Grenzen liegen sehr hoch.

Wenn ich mit eingeschlagenen Rädern abrupt Gas gebe und das Heck kurz wegrutscht, fängt das Auto seine Bewegung vermutlich durch den Eingriff des PSM sofort wieder ab.

Die Regelung ist nicht übertrieben und greift so ein, dass sie den Absichten des Fahrers Rechnung trägt. Sie fühlt sich weder künstlich noch beunruhigend an. Ich habe weder das Können noch die Erfahrung, den GT4 voll auszureizen. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass seine Konstruktion auf einem ausgesprochen hohen Niveau durchdacht ist.

⑥ Verbrauch

Autobahn: etwa 10 km/l; Landstraßen mit flüssigem Verkehr: 11 km/l; Stadtverkehr: 7–8 km/l.

⑦ Wartung

Bald bin ich seit zwei Jahren Besitzer des GT4. In dieser Zeit standen eine Inspektion und ein Ölwechsel an – beides war inklusive und kostenlos.
Die erste Hauptuntersuchung steht bald an; was sie kosten wird, weiß ich noch nicht. Probleme gab es bislang keine, und der Wagen macht einen sehr robusten Eindruck. Auch auf lange Sicht dürfte er sich so zuverlässig fahren lassen wie ein japanisches Auto.

Allerdings habe ich online gelesen, dass es für den handgeschalteten GT4 eine Serviceaktion beziehungsweise einen Rückruf geben soll. Eine Benachrichtigung habe ich bisher nicht erhalten, aber ein wenig beschäftigt mich das schon.

5) Was mir aufgefallen ist

Mit der Feststellbremse komme ich nicht richtig zurecht und vergesse manchmal, sie anzuziehen. Eine Handbremse, eine Fußfeststellbremse oder zumindest ein Schalter in der Nähe der Mittelkonsole wäre mir lieber.

6) Diese Optionen würde ich beim nächsten Porsche wählen

Keine Option im eigentlichen Sinn, aber für mich wären es ein Schaltgetriebe und Rechtslenkung. Automatikgetriebe sind heute deutlich schneller, und auch die nahtlosen Gangwechsel des PDK sind reizvoll. Trotzdem möchte ich bei einem Sportwagen selbst schalten und die Kontrolle spüren – ohne Handschaltung macht mir das Fahren einfach weniger Spaß. Vielleicht bin ich da nur altmodisch (lacht).

In Japan mit Linksverkehr ist ein Rechtslenker vertrauter. An den Linkslenker gewöhnt man sich zwar, aber er bleibt im Alltag unpraktisch. Bei der Pedalerie des 981 sehe ich keine Probleme. Viele zusätzliche Optionen erhöhen den Komfort und die Zufriedenheit, doch auch ohne sie spürt man ganz klar, dass man einen Porsche fährt.

7) Was bedeutet Porsche für Sie?

Für mich ist es ein Auto, mit dem ich wie auf einer Auslandsreise dem Alltag entfliehe, neue Eindrücke sammle und den Kopf frei bekomme.

〘Eindruck der Blogbetreiberin〙
Ich durfte diesen GT4 selbst am Aussichtspunkt am Royu Driveway sehen – er war wunderschön und sah einfach fantastisch aus. Der 718 hat sich gegenüber dem 981 in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt. Gleichzeitig wurde mir dabei bewusst, wie viele besondere Qualitäten gerade der 981 hat. Den würde ich auch gern einmal fahren! Akki, herzlichen Dank für diesen Einblick!

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