Sind die Porsche-Werksangaben wirklich genau? Ein Test des Panamera im Magazin „auto motor und sport“
Veröffentlicht: 2018.04.09
Porsche testet unter extremen Bedingungen im Death Valley
Neulich bin ich auf einen Artikel mit der Überschrift „Warum der Porsche 911 GT3 keinen Turbo und keinen Hybridantrieb bekommt: Die Kunden wollen es nicht“ gestoßen. Darin stand unter anderem:
Der GT3 ist das einzige Modell der aktuellen Porsche-Palette ohne Turbolader. Sein 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit Saugmotor leistet beeindruckende 520 PS (laut Preuninger ein Messwert aus dem heißen Sommer im Death Valley; bei gemäßigten Temperaturen sei sogar noch etwas mehr Leistung drin).
Porsche testet also bei sommerlicher Gluthitze im Death Valley? Interessant.
Als ich meinen Mann danach fragte, meinte er:
„Genau. Porsche gibt im Katalog eher konservative Werte an, die auf Tests im Death Valley beruhen. Deshalb übertrifft man die Werksangaben beim Fahren oft, wenn man den Wagen tatsächlich kauft. Bei anderen Herstellern sind die Katalogwerte dagegen häufig besser als das, was man in der Praxis erreicht.“
Der Beweis? Mein Mann holt ein Magazin hervor
Zum Beweis zog mein Mann eine Ausgabe der Zeitschrift „auto motor und sport“ aus dem Regal. Er hatte sie sich damals besorgt, als er den Panamera Turbo kaufte.

(Die Limousine im Umbruch: Der neue Porsche Panamera im ausführlichen Test – Vergleichstest Panamera und Konkurrenz / Limousinen nach Design: unter anderem Volvo S90, Ausgabe Juni 2017)
„Wenn du mir nicht glaubst, lies das hier! Da steht alles drin!“, sagte er und drückte mir das Heft in die Hand. Dabei zweifle ich doch gar nicht an ihm … Na gut, wenn er schon so darauf besteht, lese ich es eben (-_-).
Für den Fahrtest kam ein Panamera Turbo mit Sport-Chrono-Paket zum Einsatz. Beim Umblättern sprang mir zuerst diese Überschrift ins Auge:
„Was für Zeiten!“
Dass ein Redakteur von „auto motor und sport“ schreibt: „Was für Zeiten!“ – das will schon etwas heißen. Der Panamera muss wirklich beeindrucken. Meine Neugier war geweckt. Beim Weiterlesen stieß ich auf folgende Schilderung:
Am Vorabend zog der Himmel eine Viertelstunde vor dem geplanten Start plötzlich zu, und dicke Regentropfen prasselten herab. Die Messungen wurden abgebrochen. (…)
Am nächsten Morgen warteten wir auf der noch feuchten Hochgeschwindigkeits-Teststrecke des JARI (Japan Automobile Research Institute), blickten in der Dämmerung nach Osten und begrüßten den Sonnenaufgang. (…)
Erst 30 Minuten vor dem geplanten Ende war die Strecke so weit abgetrocknet, dass wir mit den Messungen beginnen konnten.
Die Bedingungen waren also alles andere als ideal – eigentlich sogar ziemlich miserabel. Bis zuletzt war unklar, ob der Test überhaupt stattfinden könnte.
Zurück im Aufenthaltsraum prüften wir die Daten: Die drei Messungen der Beschleunigung über 400 Meter lagen alle im mittleren 11-Sekunden-Bereich. Der beste Wert betrug 11,42 Sekunden (0–100 km/h: 3,36 Sekunden; 0–1000 Meter: 20,95 Sekunden). Porsche gibt für den Panamera Turbo mit Sport-Chrono-Paket 3,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h an. Diesen Wert zu unterbieten, war durchaus eine Erleichterung.(Anmerkung: In den Presseunterlagen standen 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h beziehungsweise 3,6 Sekunden für Fahrzeuge mit Sport-Chrono-Paket. Auf der aktuellen Panamera-Turbo-Website wird die Angabe für das Sport-Chrono-Paket jedoch nicht aufgeführt.)
Eine Erleichterung, haha.
Klar – es wäre ziemlich peinlich, wenn ein Test im milden Klima Japans schlechtere Werte ergäbe als einer im Death Valley. Trotzdem fragte ich mich beim Lesen: „Braucht man dafür nicht besondere Fahrkünste? Ist diesmal nicht wieder ein Rennfahrer gefahren?“ Doch dann stand da:
Wer die Launch-Control nutzt und das Gaspedal voll durchtritt, kann diese Beschleunigung auch ohne besondere Fahrkünste erleben.
Ich bin eher ängstlich und ziemlich schreckhaft. Aber wenn ich all meinen Mut zusammennehme und das Gaspedal voll durchtrete, kann also auch ich diesen Wert erreichen? Der Artikel ging weiter:
Ein Porsche 911 Turbo S der Baureihe 991.1 beschleunigte mit seinem 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit Biturboaufladung und 560 PS in 10,90 Sekunden über 400 Meter. Der Panamera Turbo hat zwar einen 4,0-Liter-V8-Biturbo mit 550 PS, wiegt aber mehr als 400 Kilogramm zusätzlich, bringt über zwei Tonnen auf die Waage und ist über fünf Meter lang. Dass er trotzdem 11,42 Sekunden schafft, dürfte nicht nur mich sprachlos machen.
Stimmt schon! ( ゚∀゚)・∵. Während ich las, saß ich jedenfalls mit offenem Mund da.
Wie hoch war der Verbrauch bei Vollgas?
Und wie sah es beim Kraftstoffverbrauch aus?
【Verbrauch im Test】
■ Gesamtdurchschnitt: „auto motor und sport“: 7,5 km/l Werksangabe: 9,4–9,3 l/100 km (10,6 km/l)
■ Stadtverkehr: „auto motor und sport“: 9,2 km/l Werksangabe: 12,9–12,8 l/100 km (7,7 km/l)
■ Bergstrecke: „auto motor und sport“: 5,3 km/l Werksangabe: keine
■ Messstrecke (JARI): „auto motor und sport“: 4,7 km/l Werksangabe: keine
■ Konstantfahrt mit 100 km/h: 13,1 km/l Werksangabe: 7,3–7,2 l/100 km (13,6 km/l)
*Teststrecke von „auto motor und sport“: 1.371 km
Beim Gesamtdurchschnitt könnte man zunächst denken: „Na bitte, der Werksverbrauch ist ja höher!“ Doch angesichts der anspruchsvollen Bedingungen – Vollgas auf der JARI-Teststrecke und Fahrten auf Bergstraßen, die im Alltag kaum vorkommen – ist das Ergebnis durchaus ordentlich. Im Stadtverkehr lag der gemessene Verbrauch zudem deutlich unter der Werksangabe.
Porsche beeindruckt einfach!
Wahnsinn – die Werksangaben sind tatsächlich eher konservativ. Porsche trägt eben nicht einen Bestwert in den Katalog ein, der nur unter Idealbedingungen und mit viel Glück zu erreichen ist. Stattdessen nennt der Hersteller Werte, die man „selbst bei jeder Art von Fahrweise mindestens erreichen kann“ – darin zeigt sich für mich die Porsche-Philosophie. Meine Begeisterung für Porsche ist noch größer geworden, und jetzt würde ich am liebsten selbst in einen Panamera steigen.
Vielleicht mache ich morgen eine kleine Ausfahrt mit dem Panamera.
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