Porsches operativer Gewinn bricht um 99 % ein: Ein Taycan-Besitzer sucht nach den wahren Ursachen
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Porsche: Die Realität hinter dem Gewinneinbruch um 99 %
Bei diesen Zahlen musste ich zweimal hinschauen.
Laut dem Konzernabschluss der Porsche AG für die ersten neun Monate 2025 sank der operative Gewinn von 4,035 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf gerade einmal 40 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von sage und schreibe 99 %. Allein im dritten Quartal rutschte Porsche mit rund 967 Millionen Euro ins Minus – umgerechnet etwa 170 Milliarden Yen. Zu den Ursachen zählen mehrere Faktoren: Wertberichtigungen auf EV-Bestände und Kosten für strategische Neuausrichtungen in Höhe von rund 2,7 Milliarden Euro, schwache Verkäufe in China sowie höhere Zölle in den USA. CFO Breckner erklärte, 2025 sei der Tiefpunkt und ab 2026 sei eine spürbare Verbesserung zu erwarten. Dennoch lässt sich kaum vermeiden, gespannt auf die Zahlen für das Gesamtjahr zu blicken, die am 11. März veröffentlicht werden sollen.
Elektroautos sind großartig – der Fehler lag im Vertrieb
Ab hier geht es um meine persönliche Einschätzung.
Zunächst möchte ich eines klarstellen: Porsches Elektroautos sind wirklich großartige Fahrzeuge. Bei uns stehen ein Taycan Turbo GT und der Taycan 4S Cross Turismo meiner Frau in der Garage. Beide fahren sich fantastisch: mit geschmeidiger, kraftvoller Beschleunigung, einer Lenkung, die unmittelbar auf jede Eingabe reagiert, und einem Fahrwerk, wie man es von Porsche erwartet. Die Gesamtqualität als Auto ist außergewöhnlich hoch. Der Taycan meiner Frau hat inzwischen mehr als 35.000 Kilometer auf dem Tacho – und begeistert mich noch immer bei jeder Fahrt.

Das Problem lag meiner Ansicht nach nicht im Auto selbst, sondern in der Art, wie es verkauft wurde. Wer einen GT3 wollte, musste erst einmal ein Elektroauto kaufen – eine Verkaufsstrategie, die stark nach Koppelgeschäft klang. Die Folge: Auf dem Markt landeten zahlreiche Elektroautos, die ihre Käufer eigentlich gar nicht haben wollten.
Das Angebot überstieg die Nachfrage bei Weitem. Entsprechend brachen die Wiederverkaufswerte ein, und immer weniger Menschen wollten einen Neuwagen kaufen. So nahm der Teufelskreis seinen Lauf.
Warum Porsche auf dem chinesischen Markt nicht mithalten kann
Ein weiterer wichtiger Grund für die Schwierigkeiten dürfte der schwache Auftritt auf dem chinesischen Markt sein.
Anders als bei Verbrennungsmotoren lassen sich Leistungsunterschiede bei Batterien und Elektromotoren vergleichsweise leicht aufholen. Mit einer größeren Batterie und stärkeren Motoren kann ein Hersteller ein schnelleres Elektroauto als Porsche bauen – und das womöglich zu einem Bruchteil des Preises. Natürlich erschöpft sich der Reiz eines Porsche nicht in der Beschleunigung von 0 auf 100 km/h. Es geht auch um die Rückmeldung der Straße im Lenkrad und um den Dialog zwischen Fahrer und Fahrzeug, den man über die Hände spürt. Porsches besondere Qualitäten zeigen sich gerade in diesen Aspekten, die sich nicht in Zahlen fassen lassen und erst beim Fahren erfahrbar werden. Für viele Käufer sind jedoch leicht verständliche Vorteile wie hohe Geschwindigkeit und praktische Funktionen deutlich überzeugender.
Noch schwerer wiegt der Unterschied beim Infotainment. Moderne chinesische Autos bieten Benutzeroberflächen auf Tesla-Niveau und beherrschen sowohl automatisches Einparken als auch autonomes Fahren. Auch der Sitzkomfort und die Vielzahl an cleveren Funktionen beeindrucken. Und wie sieht es bei den deutschen Herstellern aus? Schon das Einschalten der Klimaanlage per Fernzugriff kann fehlschlagen, oder Fahrdaten werden nicht in der Smartphone-App angezeigt. Selbst bei grundlegenden Funktionen hapert es an der Umsetzung. Auch mit der Taycan-App habe ich schon ähnliche Erfahrungen gemacht. Beim Fahren spielt der Wagen in der Weltspitze, doch bei der Benutzerfreundlichkeit der Software liegt er eindeutig zurück. Ist es da nicht fast folgerichtig, dass chinesische Kunden die heimischen Marken bevorzugen?
Strengere EU-Vorschriften: ein Schuss ins eigene Knie
Doch was hat diese Lage überhaupt verursacht?
Meiner Meinung nach sind die EU-Abgasvorschriften zu weit gegangen. Europa hat die Regeln immer weiter verschärft – darunter Euro 7, das in der zweiten Jahreshälfte in Kraft treten soll. Der Schutz der Umwelt ist natürlich wichtig. Doch es wirkt, als würde Deutschland seine weltweit geschätzte Motorenkultur mit eigenen Händen zunichtemachen. Porsches Sechszylinder-Boxer, der V8 von AMG, BMWs Reihensechszylinder: Autofans auf der ganzen Welt lieben den Fahrspaß, den solche Motoren bieten.

Bei den neuesten Motoren, die den Vorschriften entsprechen, geht ein Teil des früheren Reizes bereits verloren. Getriebe mit immer mehr Gängen sollen den Verbrauch senken, die Abgasregeln sorgen für ein sanfteres Ansprechverhalten, und der Auspuffklang wird gedämpft. Ehrlich gesagt frage ich mich dann manchmal: Wenn es so weit kommt, warum nicht gleich einen Elektromotor? Diesen Gedanken habe ich in letzter Zeit bei jeder Probefahrt mit einem neuen Modell. Doch sobald man sich auf die Welt der Elektroautos begibt, warten Tesla und chinesische Hersteller mit einem enormen Vorsprung. Die deutschen Autobauer müssen nun auf einem Terrain kämpfen, das nicht ihr angestammtes ist.
Porsches Gewinneinbruch um 99 % wirkt auf mich weniger wie ein einzelnes Unternehmensproblem als vielmehr wie ein Sinnbild für strukturelle Probleme, die durch die EU-Politik mitverursacht wurden. Umweltschutz ist wichtig. Doch sind die Autokulturen, die Sechszylinder-Boxer, V8- und V12-Motoren über Generationen geprägt haben, nicht längst eine Art Kulturerbe? Die Abgase von einigen Zehntausend Sportwagen pro Jahr fallen im Gesamtbild kaum ins Gewicht. Wenn man die möglichen Einsparungen gegen das abwägt, was dabei verloren geht, muss man sich doch fragen: Ist das wirklich der richtige Weg? Was denken Sie?
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