Porsche 911 GT3 (997, Vor-Facelift) im Test: Faszination GT3 und eine beeindruckende Entwicklung

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Tests & Fahrberichte

Der erste Eindruck vom Porsche 997 GT3 vor dem Facelift

Ich hatte die Gelegenheit, den Porsche 911 GT3 der Baureihe 997 vor dem Facelift zu fahren. Dieses Modell ist innerhalb der GT3-Familie etwas Besonderes.
Kurz gesagt: Er ist zwar nicht ganz so anspruchsvoll zu fahren wie der spätere 997 GT3, wirkt aber gegenüber dem späten 996 GT3 verwindungssteifer und insgesamt deutlich leistungsorientierter.

Beim Einsteigen und Anlassen fällt sofort auf, dass der Auspuffsound sorgfältiger abgestimmt wurde als beim 996. Der Motor springt mit einem markanten, kraftvollen „Wummm“ an. Im Vergleich zu den Baureihen 991 und 992 klingt er zwar zurückhaltend, doch schon bei diesem Modell zeigt sich, wie viel Wert Porsche auf den Klang beim Starten legte.

Instrumente des Porsche 997 GT3

Cockpit des Porsche 997 GT3

Die Kupplung ist schwer und gehört eindeutig zu den straffer abgestimmten. So viel Kraft wie beim 997 GT3 nach dem Facelift ist allerdings nicht nötig. Auch die Schaltung geht eher schwer: Laut dem Besitzer fühlt sie sich besonders so lange hakelig an, bis das Getriebeöl warm ist. Beim Schalten braucht es einen bewussten Kraftaufwand – die Gänge flutschen nicht so mühelos hinein wie etwa beim aktuellen 992.

Porsche 997 GT3

Wie alltagstauglich ist der 997 GT3 bei niedrigen Geschwindigkeiten?

Beim Anfahren ist keine besondere Technik gefragt: Die Kupplung leicht kommen lassen, und schon setzt sich der Wagen geschmeidig in Bewegung.

Auch bei niedrigen Geschwindigkeiten lässt sich der GT3 ohne besondere Mühe fahren. Das Fahrwerk ist straff, reagiert aber ganz so, wie man es von einem GT3 erwartet, auf Unebenheiten. Der Testwagen war mit älteren Reifen unterwegs, weshalb die Abrollstöße deutlich zu spüren waren. Mit einem neuen Satz aktueller Reifen dürfte der Wagen spürbar geschmeidiger abrollen.

Rad des Porsche 997 GT3

Bei langsamer Fahrt lässt sich das Lenkrad leicht nach links und rechts bewegen. Eine außergewöhnlich direkte Reaktion zeigt sich dabei nicht; vielmehr lässt sich der Wagen ganz natürlich durch einen Slalom lenken. Fährt man den Motor mit etwa 2.000 bis 3.000 U/min, macht sich das besondere GT3-Fahrerlebnis zunächst kaum bemerkbar. Der Motor klingt zudem nicht so klar wie im 911 Carrera und ist von mehr mechanischen Geräuschen begleitet.

In diesem Drehzahlbereich könnte man sich durchaus fragen: „Ist das schon alles, was ein GT3 kann?“ Wer es nicht gewohnt ist, den Motor auf Drehzahl zu halten, nimmt ihn möglicherweise einfach als laut und den Porsche als schwer zugänglich wahr.

Schalthebel des Porsche 997 GT3

Motorcharakter und Fahrdynamik: Darin liegt die wahre Stärke

Doch sobald man das Gaspedal weiter durchtritt und die Drehzahl auf etwa 3.500 bis 4.000 U/min steigt, zeigt der Wagen sein wahres Können. Der zuvor noch raue Klang verändert sich schlagartig und wird zu einem beeindruckenden Ton, als würden sich die einzelnen Schläge des Motors zu einem gleichmäßigen Rhythmus fügen.

In diesem Moment verändert sich der Charakter des Autos völlig.

Mit dem Klang wandelt sich auch das Laufgefühl: Der Motor dreht nun mitreißend hoch. Der Auspuffton klingt gleichmäßig und voll, während die Drehzahl in kürzester Zeit von 5.000 über 6.000 und 7.000 bis auf 8.000 U/min klettert. Dabei vermittelt der Motor den Eindruck, nahezu reibungsfrei und vollkommen mühelos hochzudrehen.

Motor des Porsche 997 GT3

Metzger-Motor mit GT1-Kurbelwelle

Endrohr des Porsche 997 GT3

Verglichen mit den M-Motoren von BMW wirkt der BMW-Motor zwar leichtfüßiger. Der GT3-Motor verbindet seine Leichtigkeit jedoch mit einem kraftvollen Anstieg der Drehzahl. Schon mit wenig Gas und bei mittleren Drehzahlen oder darüber verändert sich der Charakter des Autos vollständig.

Das fühlt sich an, als würde man bei einem modernen Auto in den Sportmodus wechseln. Auch der 997 GT3 hat einen Sportmodus, doch selbst ohne ihn lässt sich der Wagen allein mit dem Gaspedal zum Leben erwecken. Nicht die Elektronik, sondern der eigene Fahrstil bestimmt, wie das Auto reagiert. Genau das macht den Reiz eines analogen Sportwagens aus.

Bei höherem Tempo zeigt sich die wahre Stärke des GT3

Besonders interessant ist, wie sich das Lenkverhalten verändert, sobald man ein gewisses Tempo erreicht.
Bei niedriger Geschwindigkeit reagiert die Lenkung noch nicht besonders lebhaft. Mit zunehmendem Tempo wird sie jedoch immer direkter. Das zeigt, wie sorgfältig Porsche Fahrwerk und Abstimmung entwickelt hat.

In schnell gefahrenen Kurven lässt sich die Gewichtsverlagerung präzise über das Gaspedal steuern. Schon wenn man etwas mehr Gas gibt oder den Fuß leicht lupft, kann man die Richtung der Vorderachse beeinflussen. Genau das ist gemeint, wenn man sagt: „Mit dem Gas lenkt man den Porsche um die Kurve.“

Porsche 997 GT3

Bei den modernen GT3-Modellen der Baureihen 991 und 992 muss man dafür schon sehr schnell unterwegs sein. Im 997 GT3 lässt sich dieses Gefühl dagegen bereits bei vergleichsweise niedrigem Tempo erleben. Das ist eine anspruchsvolle Charaktereigenschaft – ein Auto für Fahranfänger ist der GT3 ganz sicher nicht.

Der 3,6-Liter-Motor leistet rund 415 PS. Nach heutigen Maßstäben ist das keine überwältigende Leistung, doch sie trifft genau den Punkt, an dem sich der Wagen auch auf öffentlichen Straßen noch genießen lässt. Mit noch mehr Leistung wäre der Fahrspaß auf Landstraßen wohl deutlich eingeschränkter.

Porsche 997 GT3

Porsche 997 GT3

Clubsport-Paket

Ich persönlich bin alle GT3-Generationen gefahren. Am besten gefällt mir der späte 996 GT3: kompromisslos, aber nicht übermäßig hart, mit genau der richtigen Leistung. Sein ausgewogener Charakter macht ihn auch für eine kleine Ausfahrt attraktiv. Direkt danach kommt für mich der hier vorgestellte 997 GT3 vor dem Facelift.

Der 997 GT3 vor dem Facelift vereint ein analoges Fahrgefühl mit hoher Leistung und ist damit ein echter Sportwagen für Fahrer. Er eignet sich ideal für die Rennstrecke ebenso wie für eine Fahrt über kurvige Bergstraßen am frühen Wochenende.

Für alle, die das Fahren eines Porsche lieben, wird der GT3 aus dieser Ära zweifellos auch in Zukunft etwas ganz Besonderes bleiben.

Hiro

Ich bin Minas Ehemann. Ich fahre Autos nicht als Mode oder Statussymbol. Mir gefallen Wagen, die Spaß machen, als Industrieprodukt überzeugen und in denen man die Absicht der Macher spürt. Lange Touren sind meine Leidenschaft, und ein Auto zählt erst, wenn man es fährt. An freien Tagen reise ich mit unseren Wagen durch Japan. Im Blog schreibe ich vor allem Fahrberichte und Tourenberichte und kümmere mich um die Technik der Seite und ums Tuning.

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