Den Porsche 911 GT3 nach langer Zeit wieder gefahren!
Veröffentlicht: 2020.10.17
Nach langer Zeit wieder im GT3
Neulich bin ich nach drei Monaten zum ersten Mal wieder den 911 GT3 mit Schaltgetriebe gefahren. Ich musste ihn nur kurz umparken, damit ein anderes Auto aus der Garage fahren konnte. Es waren vielleicht 20 Minuten – aber ich habe mich gefreut, endlich wieder ein wenig GT3-Feeling zu erleben.

Unser GT3 ist ein 911 GT3 Touring der letzten 991-Generation. Die Kupplung ist erstaunlich leichtgängig, vor allem im Vergleich zu der im 981 Boxster. Unter den GT3-Modellen mit Handschaltung dürfte er sich deshalb relativ unkompliziert fahren lassen.
Da der GT3 bei niedrigen Drehzahlen nicht besonders viel Drehmoment hat, ist mir anfangs beim Anfahren – vor allem am Berg – öfter der Motor ausgegangen. Ich war dabei viel zu verkrampft. Mein Mann sagte dann immer wieder:
Denk nicht so viel nach, sondern fahr mehr nach Gefühl. Hör auf das Auto: „Das ist ganz schön anstrengend für den Wagen“ oder „Ich sollte die Kupplung noch etwas geduldiger kommen lassen.“ Wenn du mehr auf die Geräusche und die „Stimme“ des Autos achtest, wird das Fahren viel geschmeidiger.
So ungefähr.
Am Anfang wusste ich zwar, was er meinte, starrte aber doch immer wieder auf den Drehzahlmesser. Was es heißen sollte, auf die Stimme des Autos zu hören, war mir nicht wirklich klar. Inzwischen verstehe ich langsam, was er damit meinte.
Das hat gedauert – fünf Jahre nach dem Aufheben meiner Automatikbeschränkung im Führerschein klappt es endlich! (lacht)

Auch wenn sich unser GT3 vergleichsweise leicht fahren lässt: Wenn ich beim Anfahren so aufs Gas trete wie im 981 Boxster, dreht der Motor mit einem ohrenbetäubenden „Wroooom“ hoch, ohne dass das Auto wirklich in Bewegung kommt. Auch an diesem Tag drehten sich erschrockene Passanten nach dem lauten Motorgeräusch um. Entschuldigung …
Apropos: Masataka Matsutoya, der einmal in der japanischen Autosendung „Ogi-Yahagi no Aisha ReKishi“ zu Gast war, sagte: „Ein echter Porsche-Fahrer gibt beim Anfahren kein Gas“. Man lässt zunächst die Kupplung kommen und gibt erst dann Gas, wenn sich das Auto ganz leicht in Bewegung setzt. Wer gleich zu Beginn den Motor aufheulen lasse, kenne sich mit Porsche nicht wirklich aus, meinte er.
… Das bin dann wohl genau ich. (lacht)
Als mir das wieder einfiel, ließ ich die Kupplung langsam kommen und gab nur ganz leicht Gas. Und siehe da: Ich konnte problemlos anfahren.
Dieses Gefühl macht das Anfahren richtig angenehm. Prompt wurde ich übermütig und dachte laut vor mich hin: „Wenn das so gut klappt, könnte ich doch bestimmt auch einen frühen Porsche 911 fahren!“ Als ich mich dabei ertappte, wie ich mit einem breiten Grinsen am Steuer saß, musste ich selbst lachen.
Der normale 911 und der GT3 im Vergleich
Als ich an diesem Tag nach längerer Pause wieder im GT3 saß, nahm ich ihn ganz anders wahr als früher. Früher dachte ich, dass der GT3 in der Stadt hart und unkomfortabel sei und einen ordentlich durchschüttle. Diesmal empfand ich den Federungskomfort dagegen auch im Stadtverkehr als völlig in Ordnung und durchaus alltagstauglich.
Das liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass ich inzwischen den 992 kenne.
Neulich kam bei uns ein 911 Carrera Cabriolet der aktuellen 992-Generation an. Sein Fahrwerk ist ziemlich straff. Selbst mein Mann, der ein eher straffes Fahrgefühl mag, sagte nach seiner ersten Fahrt: „Das Fahrwerk hat mich bei der Übergabe erst einmal überrascht. Es ist ziemlich straff und nimmt Fahrbahnunebenheiten und Wellen deutlich wahr – mein erster Eindruck war deshalb nicht besonders gut.“ So straff ist es also. Bei Modellen wie dem Carrera 4S soll das offenbar anders sein – besonders straff ist wohl das Fahrwerk des Basismodells.
Nach etwa 300 Kilometern wurde der 992 jedoch spürbar geschmeidiger. Aus dem straffen Fahrwerk wurde ein komfortables, zugleich sattes Fahrgefühl – genau die Mischung, die mein Mann liebt. In letzter Zeit gerät er bei jeder Fahrt mit dem 992 ins Schwärmen.
Auch ich habe mich inzwischen an den Fahrkomfort des 992 gewöhnt. Als ich danach wieder im 991 GT3 saß, dachte ich: „Moment mal – so viel härter als der 992 ist er doch gar nicht.“ Im Stadtverkehr empfand ich den GT3 deshalb nicht mehr als besonders unkomfortabel. Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass ich nicht mehr hochschwanger bin.

Trotzdem fühlt es sich ein wenig übertrieben an, den GT3 für eine kurze Fahrt durch die Stadt aus der Garage zu holen. Wahrscheinlich werde ich ihn weiterhin vor allem für Touren oder besondere Gelegenheiten nutzen. Nach meiner kurzen Fahrt neulich hat sich mein Eindruck aber deutlich gefestigt: Der GT3 eignet sich durchaus auch für den Alltag.
Mein Mann sieht das ähnlich:
Das dachte ich auch und bin den GT3 deshalb einmal ganz bewusst und aufmerksam gefahren. Auf gut asphaltierten Straßen fährt sich der GT3 tatsächlich ziemlich komfortabel – da unterscheidet er sich kaum vom 992. Aber über Stellen, an denen der Asphalt ausgebessert wurde, größere Wellen, unebene Fahrbahnen oder Kanaldeckel fährt sich der GT3 doch unruhiger und wird stärker in alle Richtungen durchgeschüttelt.
Trotzdem: Wenn man nach dem 992 in den GT3 steigt, denkt man schon, dass der sich auch ziemlich gut fährt. Es ist erstaunlich, wie sehr sich die eigene Wahrnehmung verändert.
Dass sich dasselbe Auto so anders anfühlen kann, je nachdem, was man sonst fährt, finde ich wirklich erstaunlich.
Natürlich zeigt der GT3 sein ganzes Können erst auf der Rennstrecke oder auf einer Straße, auf der man ihn mit Freude zügig bewegen kann. Ach, ich würde so gern bald einmal mit dem GT3 auf eine solche Strecke!
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