Ich habe meinen Mann gefragt, was er am Porsche 911 (964 C2) so liebt – Teil 2
Veröffentlicht: 2018.12.14
Fahrgefühl mit dem luftgekühlten Porsche – Teil 2
Vor Kurzem haben wir euch den Artikel Ich habe meinen Mann gefragt, was er am Porsche 911 (964 C2) so liebt – Teil 1 vorgestellt. Daran anschließend folgt nun der zweite Teil.
Nachdem ich den zweiten Teil fertig geschrieben hatte, meinte mein Mann allerdings: „Neulich habe ich das noch so gesagt, aber je länger ich den Wagen fahre, desto mehr verändert sich mein Eindruck.“ (lacht) Nun hatte ich den Text aber schon geschrieben – deshalb veröffentliche ich erst einmal, was er zum jetzigen Zeitpunkt darüber denkt.
Der luftgekühlte Motor
Der Motor des 911 (964 C2)
Oft hört man Sätze wie „Ein luftgekühlter Motor ist etwas ganz anderes als ein wassergekühlter“ oder „Luftgekühlte Motoren sind einfach großartig!“ Doch wie erlebt mein Mann das?
Der Motor erwacht, sobald man den Schlüssel dreht – schneller, als ich erwartet hätte. Nach einem kurzen, etwas unruhigen Leerlauf stabilisiert sich die Drehzahl sofort. So groß ist der Unterschied zu modernen Autos meiner Meinung nach gar nicht.
Das sagt mein Mann. Wie es der deutschen Konstruktionsphilosophie entspricht, lässt er den Motor nicht im Stand warmlaufen. Stattdessen fährt er gleich los und erwärmt Motor, Getriebe und bewegliche Teile behutsam während der Fahrt. „Drehmoment und Leistung reichen locker aus, um die laut Fahrzeugschein 1.410 kg schwere Karosserie in Bewegung zu setzen.“
Wie andere Porsche auch reagiert der 964 sehr präzise auf kleinste Veränderungen der Gaspedalstellung. Man gibt Gas, und der Wagen setzt genau entsprechend in Bewegung – das erinnert mich wieder daran, was einen Porsche ausmacht.
So beschreibt er es.

Allerdings sagt er auch: „Man hört oft, luftgekühlte Motoren würden wunderbar hochdrehen. Mein ehrlicher Eindruck ist aber, dass das im Vergleich zu modernen Boxstern und 911ern nicht unbedingt der Fall ist.“ Natürlich hängt viel vom Zustand des jeweiligen Fahrzeugs und seiner Nutzung in der Vergangenheit ab. Gemessen an den Autos, die mein Mann kennt, haben die modernen Porsche-Motoren aber die Nase vorn. (Das bezieht sich auf das Fahrgefühl während der Fahrt. Beim Hochdrehen im Stand spielen Faktoren wie das Schwungradgewicht eine große Rolle.)
Damit das nicht falsch rüberkommt: Es ist keineswegs ein Motor, der nicht hochdreht – das tut er durchaus gut. Aber die Sechszylinder der aktuellen Porsche drehen noch freier, liefern mehr Drehmoment und laufen geschmeidiger. Vom Eindruck her fühlt sich ein wassergekühlter Motor weniger reibungsintensiv an als ein luftgekühlter – als hätte er weniger innere Reibung und eine höhere Verdichtung. (Das ist nur mein persönlicher Eindruck, keine Aussage über konkrete Messwerte.)
Trotzdem findet mein Mann luftgekühlte Motoren großartig. Das wurde ihm in den ersten Tagen noch nicht klar, doch inzwischen sagt er: „Das Zusammenspiel aus Drehfreude und Drehmoment macht regelrecht süchtig.“ (Ich kann dieses Gefühl noch nicht ganz nachvollziehen.)

Als ich ihn fragte, woran das liegt, meinte er:
Ich kann es nicht wirklich gut in Worte fassen, aber vielleicht ist es gerade dieser Gegensatz, der einen in den Bann zieht: Trotz der deutlich hörbaren mechanischen Geräusche läuft der Motor erstaunlich geschmeidig. Ein luftgekühlter Motor ist alles andere als leise. Die Vibrationen und Geräusche der Zylinder sind ungefiltert von außen zu hören. Bei diesem Rasseln würde man zunächst nicht erwarten, dass der Motor so frei hochdreht. Doch er zieht sauber durch, hat ordentlich Drehmoment und klingt bei steigender Drehzahl plötzlich ganz anders – mit einem gleichmäßigen, angenehm vollen Klang. Vielleicht ist genau das sein Reiz.
Der Motorsound des 911 (964 C2)
Und wie steht es mit dem Klang des luftgekühlten Motors?
Dass luftgekühlte Motoren gut klingen, steht für mich außer Frage. Schon im Leerlauf ist ihr Klang deutlich präsent. Der größte Teil davon sind mechanische Geräusche, während der Auspuffklang eine eher untergeordnete Rolle spielt. Auch bei mittleren und hohen Drehzahlen bleibt das so: Verbrennungsgeräusche, Geräusche der beweglichen Teile, Ansauggeräusche und Ventiltrieb vermischen sich zu einem ganz eigenen Klang.
Dieser analoge Sound ist charaktervoll und heute in modernen Autos kaum noch zu hören. Wer den Klang luftgekühlter Motoren liebt, fühlt sich vermutlich genau davon angezogen.
So sagt er. Vergleicht man den Klang wasser- und luftgekühlter Motoren, lässt sich nicht pauschal sagen, welcher besser ist. Moderne wassergekühlte Porsche und luftgekühlte Porsche gehören klanglich einfach unterschiedlichen Kategorien an.
Bei modernen wassergekühlten Porsche spielt der Auspuffklang meiner Meinung nach eine größere Rolle als bei luftgekühlten. Auch beim Boxster hört man natürlich den Motor, doch mindestens ebenso präsent – wenn nicht noch stärker – ist der Auspuffsound. Manche empfinden diesen vielleicht als „gemacht“ oder „künstlich“, aber auch das ist ein richtig schöner Klang.
Wenn ich es unbedingt mit Instrumenten vergleichen müsste: Der Klang eines luftgekühlten Motors erinnert mich eher an Schlagwerk, der eines modernen wassergekühlten Motors an Blasinstrumente. Das vermittelt vielleicht eine ungefähre Vorstellung.
Deshalb ist die Frage, welcher Motorklang besser gefällt, letztlich reine Geschmackssache. Man sollte die beiden nicht gegeneinander aufwiegen und in „besser“ oder „schlechter“ einteilen.
Fahrspaß, Wohlgefühl und das gute Gefühl von Sicherheit
Mein Mann sieht den 964 Carrera 2 derzeit vor allem als „Tourenwagen“. Wenn es auf kurvigen Straßen wie der Royu richtig zur Sache geht, macht mir persönlich der Boxster GTS mehr Spaß, sagt er. Das liege am stabilen Einlenkverhalten des Mittelmotors und daran, wie der markante Auspuffklang und die kräftige Leistung den Motor schnell hochdrehen lassen.

Für den Einsatz als Tourenwagen scheint der 964 dagegen weniger anstrengend zu sein als der Boxster. (Allerdings ist mein Mann mit dem 911 noch keine wirklich langen Strecken gefahren – sein Eindruck könnte sich also später noch ändern.) Geräusche und Vibrationen sind beim 964 zwar eindeutig stärker, doch vielleicht vermitteln der gute Fahrbahnkontakt und die solide Karosserie dieses Gefühl. Auch das Gefühl, sich auf den Wagen verlassen zu können, ist im 911 ausgeprägter.
Und auf welcher Straße möchte man mit dem 911 (964 C2) am liebsten unterwegs sein? Auf einer Landstraße, sagt mein Mann.
In Japan wären die Tsumagoi Panorama Line, die Mimasaka Yamanami Road in der Präfektur Okayama oder die vielen überregionalen Landwirtschaftsstraßen ideal. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre die Romantische Straße in Deutschland natürlich perfekt. Mit der Tiptronic in der zweiten oder dritten Fahrstufe lässt sich bei moderatem Tempo wunderbar dahinrollen und dem Klang des luftgekühlten Motors lauschen.
Es geht nicht darum, um jeden Preis schnell zu fahren. Vielmehr passt es perfekt, mit dem mechanischen Klang des Motors als Hintergrundmusik etwas zügiger durch sanfte Kurven zu gleiten. Vor engeren Kehren nimmt man den Lastwechsel bewusst wahr, lenkt ein und beschleunigt dann mit sauberem Traktionsaufbau an der Hinterachse wieder heraus.
Genau dieser Fahrspaß gehört für mich zum luftgekühlten 911.
Mein Mann ist also schon völlig dem luftgekühlten Porsche verfallen (lacht). Wenn ich zum Einkaufen oder zu anderen Erledigungen aufbreche, sagt er ständig: „Nimm doch den Luftgekühlten!“ Aber ich mag den Panamera einfach lieber. Und wenn ich länger als 20 Minuten mit dem Luftgekühlten fahre, werden unsere Töchter auf der Rückbank unruhig. So weit, dass ich die Freude an luftgekühlten Porsche mit meinem Mann teile, bin ich also noch nicht. Trotzdem würde ich bei Gelegenheit gern wieder eine Runde damit drehen.
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