Mitfahrt im Porsche 911 Speedster (991): weltweit auf 1.948 Exemplare limitiert
Veröffentlicht: 2020.06.01
Was für eine Überraschung: Vor Kurzem durfte mein Mann im 911 Speedster eines Bekannten mitfahren und hat seine Eindrücke für diesen Artikel festgehalten. Ach, ich bin wirklich neidisch! Viel Spaß beim Lesen.
Auf 1.948 Exemplare limitiert: der Porsche 911 Speedster
Vor einiger Zeit hatte mir ein Bekannter erzählt: „Mein 911 Speedster ist ausgeliefert worden.“ Doch es verging noch eine Weile, bis sich endlich die Gelegenheit bot, das Auto selbst zu sehen.
Der Speedster ist ein Sondermodell, das weltweit auf 1.948 Exemplare limitiert ist. Seine Ahnenreihe führt zurück zum Porsche 356 Speedster. Später gab es Speedster-Versionen der Baureihen 930, 964 und 997. Sie erschienen jeweils gegen Ende des Modellzyklus als besondere Krönung der jeweiligen 911-Generation.

Rund zehn Jahre nach dem Debüt des 997 Speedster kam dieses Modell als Schlusspunkt der Baureihe 991 auf den Markt.
Zu den Besonderheiten zählen eine flacher stehende Frontscheibe als beim normalen 911 und ein gewichtsoptimiertes, manuell zu bedienendes Verdeck. Markant ist auch die „Double Bubble“-Abdeckung aus Carbon: Von hinten fallen die zwei Höcker ins Auge.

Die technische Basis stammt im Wesentlichen vom GT3. Der 4,0-Liter-Saugmotor mit sechs Zylindern in Boxeranordnung leistet 510 PS bei 8.400 U/min und entwickelt ein maximales Drehmoment von 470 Nm bei 6.250 U/min. Damit stehen rund 10 PS mehr als im GT3 zur Verfügung – geschaltet wird von Hand.
Kotflügel vorn, Fronthaube und Heckabdeckung bestehen aus leichtem Carbon-Verbundwerkstoff. Auch die Abgasanlage ist aus Titan gefertigt. Damit ist der Speedster noch exklusiver ausgestattet als der GT3.
Diesmal hatte ich die besondere Gelegenheit, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen. Ich möchte von der Fahrt berichten und dabei auch die Eindrücke des Besitzers sowie die Unterschiede zum GT3 einfließen lassen.


Mitfahrt im Porsche 911 Speedster
Beim Starten des Motors erklingt ein angenehm klarer und kultivierter Auspuffsound. „Wumm, wumm!“ – die Lautstärke scheint etwas zurückhaltender als beim GT3. Dafür klingt der Motor wunderbar sauber und unverfälscht.
Nicht nur das Material des Schalldämpfers ist anders: Bei genauerem Hinsehen fällt auch die abweichende Form auf. Die Abgasanlage wirkt wie eine völlig eigenständige Konstruktion im Vergleich zum GT3.

Dass der Motor im Stand unglaublich bereitwillig hochdreht, versteht sich fast von selbst. Beim Losfahren wird der Klang sogar noch mitreißender. Auffällig ist dabei, dass Getriebe- und mechanische Fahrgeräusche, die man im GT3 deutlich wahrnimmt, viel weniger in den Vordergrund treten. Stattdessen dominiert der Auspuffsound.
Vermutlich unterscheiden sich Menge und Anordnung der Dämmmaterialien rund um Motor und Getriebe. Der Klang ist jedenfalls klar auf den Auspuff abgestimmt. Das macht das Zuhören zum Vergnügen: Selbst bei sehr niedrigen bis mittleren Drehzahlen liefert der Speedster einen Sound, der sich hören lassen kann. Auch im Stadtverkehr dürfte das Auto deshalb viel Freude machen.
Auch beim Fahrkomfort unterscheidet sich der Speedster deutlich vom GT3: Selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten fährt er angenehm komfortabel. Das Fahrgefühl liegt eher auf dem Niveau eines normalen 911 als bei den GT-Modellen – eine Abstimmung, die klar auf den Straßeneinsatz ausgelegt ist.

Dabei geht es nicht einfach nur um eine weichere Abstimmung. Vielmehr wirkt das Fahrwerk außergewöhnlich geschmeidig. Wenn sich der Komfort schon auf dem Beifahrersitz so deutlich bemerkbar macht, dürfte er am Steuer erst recht überzeugen.
Anders als beim GT3, dessen Klang sich ab etwa 4.000 U/min deutlich verändert, bleibt der Sound beim Speedster über den gesamten Drehzahlbereich hinweg recht gleichmäßig und wird mit steigender Drehzahl einfach intensiver. Er klingt kultiviert und zugleich sportlich – mir persönlich gefällt das sehr gut. Auch der Besitzer meinte: „Er ist etwas leiser als der GT3, aber der Klang macht richtig Spaß.“ Dem kann ich nur zustimmen.

Da der Speedster offen ist und seine Frontscheibe flacher steht als bei den normalen Modellen, hatte ich mit kräftigen Luftverwirbelungen gerechnet. Überraschenderweise halten sie sich aber in Grenzen. An den Komfort eines 911 Cabriolet mit hochgestelltem Windschott kommt der Speedster zwar nicht ganz heran, doch der Fahrtwind ist deutlich weniger spürbar als im 981 oder 718 Boxster. (Wobei der Fahrtwind im Boxster meiner Meinung nach ohnehin ziemlich stark ist.)

Auch bei höherem Tempo bleibt der Komfort durchaus ordentlich. Selbst längere Autobahnfahrten dürften sich in diesem Auto gut bewältigen lassen.
Zur Leistung meinte der Besitzer, im unteren Drehzahlbereich fühle sich das Drehmoment etwas geringer an als beim GT3. Bei einem Zwischenspurt im dritten Gang aus niedriger Geschwindigkeit wirkte der Motor tatsächlich etwas drehmomentschwach für seine 510 PS. Möglicherweise spielt dabei aber auch die Getriebeübersetzung eine Rolle.
Zum Handling kann ich nach einer Mitfahrt natürlich kein abschließendes Urteil abgeben. Mein Eindruck war jedoch, dass der Speedster etwas gutmütiger abgestimmt ist als der GT3. Zugleich ist festzuhalten: In Kurven liegt er stabiler und vermittelt mehr Fahrbahnkontakt als ein normaler 911 – selbst auf dem Beifahrersitz fühlte ich mich jederzeit sicher.

Nach der Mitfahrt nahm ich mir Zeit, das Auto in Ruhe anzuschauen – und es ist wirklich wunderschön. Besonders die flach stehende Frontscheibe verleiht der Seitenansicht eine außergewöhnliche Eleganz. Vielleicht ist es aktuell der schönste Porsche überhaupt.



Im Innenraum fällt der Bereich auf, in dem sich normalerweise die Rücksitze befinden: Er ist höhlenartig geformt. Laut Besitzer eignet er sich praktisch als Ablage für Gepäck.


Dahinter liegt das Verdeck. Zum Entriegeln wird ein Schalter in der Mittelkonsole betätigt, geöffnet und geschlossen wird es anschließend von Hand. Der Besitzer führte es vor: Das funktioniert fast genauso einfach wie beim Boxster Spyder und dauert vermutlich keine Minute.

Der Porsche 911 Speedster im Rückblick
Der Speedster ist stärker auf den Straßeneinsatz ausgelegt, als ich erwartet hatte. Vielleicht eignet er sich sogar besser für längere Touren als ein GT3 Touring. Man könnte sagen: Er verbindet den GT3 mit einer komfortablen, tourentauglichen GT-Note. In der Porsche-Modellwelt wäre er gewissermaßen ein „GT3 Cabriolet mit Touring-Paket“.
So jedenfalls hat sich das Auto für mich angefühlt.

Bei einer weltweiten Auflage von nur 1.948 Exemplaren wird man diesem außergewöhnlichen Porsche kaum begegnen – vielleicht bekommt man sogar nie wieder die Gelegenheit dazu. Vielen Dank an den Besitzer, dass er uns dieses besondere Auto erleben ließ. Es ist ein großartiger Klassiker, das muss ich wohl kaum noch betonen.
Vielleicht ist der Speedster zu kostbar, um viele Kilometer zu sammeln. Trotzdem hoffe ich, dass er bei Gelegenheit so oft wie möglich bewegt wird.
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