So viel Aufwand! Ein Blick hinter die Kulissen der Entwicklung des neuen Porsche 911 (992)

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Porsche 911

Ein Video zur Entwicklung des neuen 911

Neulich erzählte mir mein Mann: „Es gibt ein Video, das zeigt, wie der neue 911 (992) entwickelt wurde.“ Kurz darauf schickte er mir den Link. Das Video trägt den Titel „Porsche 911 (992) – HOW IT’S DESIGNED“ und dauert rund 30 Minuten. „30 Minuten sind ganz schön lang … (-_-)“, dachte ich zunächst. Doch als ich es mir ansah, wurde schnell klar: Porsche nimmt es mit der Entwicklung wirklich ernst. Der Blick hinter die Kulissen ist so beeindruckend, dass ich nur staunen konnte.

Als ich früher einen Artikel über die Dauertests des Panamera gelesen hatte, war ich ebenfalls überrascht und dachte: „So weit gehen die wirklich!“ Auch dieses Video zeigt eindrucksvoll, dass Porsche von der Fahrzeugentwicklung bis zu den Dauertests bis ins kleinste Detail nichts dem Zufall überlässt.

Ein Blick hinter die Kulissen der 992-Entwicklung

Wie die Form eines Autos aus Ton – einem speziellen Modelliermaterial, auch Clay genannt – herausgearbeitet wird, hatte ich schon einige Male gesehen. Doch auch in diesem Video wurde mit Clay gearbeitet und sogar die Nahtdetails der Sitze sorgfältig nachgebildet.

Eine Mitarbeiterin mit ziemlich ausgefallenem Look arbeitet hier ganz präzise am Modell.

Bei japanischen Autoherstellern dürfte man wohl kaum jemanden sehen, der so extravagant gekleidet zur Arbeit kommt. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass eine solche Freiheit bei der Kleidung auch Raum für neue Ideen schafft.

Als Nächstes sieht man eine riesige Sammlung von Skizzen auf Papier. Immer wieder werden die Entwürfe am Computer in CAD dreidimensional umgesetzt und überprüft.

Selbst kleinste Details des Armaturenbretts werden mit dem 3D-Drucker nachgebildet.

Setzt man die Teile anschließend zusammen, passt natürlich alles exakt. Offenbar wird jedes einzelne Bauteil mit derselben Akribie umgesetzt – ohne Kompromisse.

Dann geht es um die Instrumente. Anhand einer vergrößerten Darstellung …

… werden auf einem Tablet das Design und die Anordnung der Anzeigen geprüft.

Anschließend werden die Details am Computer abgeglichen und feinjustiert.

Auch die Lüftungsdüsen der Klimaanlage werden auf einem großen Bildschirm begutachtet – offenbar bei einer Besprechung, in der es richtig zur Sache geht.

Worüber sie wohl so ernsthaft diskutieren? (-_-) Als Nächstes taucht ein Miniaturmodell des 911 auf, das anhand der zahlreichen Skizzen entstanden ist. Wahnsinn … so eins hätte ich auch gern!笑

Danach zeigt das Video wieder, wie Clay bearbeitet wird. Das Modell ist maßstabsgetreu und sieht tatsächlich aus wie ein echter 911. In unserer digitalen Zeit könnte man sich fragen, warum Porsche neben CAD und 3D-Druck überhaupt noch mit Clay arbeitet. Ich habe einmal gelesen, dass sich Formen daran besonders gut beurteilen lassen und das Material dazu anregt, Ideen weiterzuentwickeln.

Auf der sorgfältig geprüften Clay-Karosserie werden nach und nach die einzelnen Bauteile montiert.

Selbst Reifen und Räder werden sorgfältig eingesetzt.

Auch über die Komponenten des Innenraums wird offenbar immer wieder ausführlich diskutiert.

Anschließend geht es in einen Simulatorraum, der „Virtual Driver’s Seat“ genannt wird.

Die Testpersonen setzen ein Headset auf. (Wer dabei schnell reisekrank wird, kann das wohl vergessen. Mir wird schon beim Aufsetzen eines Headsets schlecht – für mich wäre das nichts.)

Während der virtuellen Fahrt wird überprüft, wie sich Spiegel und Touchscreen bedienen lassen. Was für eine beeindruckende Anlage!

Die Simulation wird am Computer ausgewertet und fließt in die anschließenden Verbesserungen ein.

Als Nächstes wird das Fahrzeug leicht angehoben, damit es nicht losfährt. So können die Verantwortlichen die Geschwindigkeit erhöhen und die dabei erfassten Daten am Computer überprüfen.

Auch der Luftwiderstand der Karosserie …

… und der Luftwiderstand bei ausgefahrenem Heckspoiler werden untersucht.

Zahlreiche weitere Details, die für Laien kaum zu erkennen sind, werden genau unter die Lupe genommen. Danach wird das Fahrzeug von beiden Seiten mit großen Messvorrichtungen umgeben, um weitere Daten zu erfassen.

Ich musste daran denken, wie anstrengend es wohl sein muss, jeden Tag vor dem Bildschirm zu sitzen und Daten auszuwerten.

Als Nächstes wird der Sound geprüft.

Die Geräusche beim Fahren auf der Straße und der Motorensound bei steigender Drehzahl werden aufgezeichnet. Anschließend beurteilen die Entwickler beides sowohl nach ihrem persönlichen Höreindruck als auch anhand der Messdaten.

Dann folgen die Fahrtests.

Dafür gibt es Strecken mit Bodenwellen und Abschnitten, die über Rollbalken führen – kurz: zahlreiche unterschiedliche Fahrbahnbeläge. Doch der 911 fährt vor allem über Buckelpisten, bei denen man sich denkt: „Also diese Strecke würde ich ganz bestimmt nicht freiwillig fahren! (*_*)“

Dann geht es auch noch durch eine riesige Wasserlache … was für ein Spektakel!

Dazu kommen Fahrtests auf Eis …

… und Tests im Wet Mode.

Natürlich wird der 911 auch auf dem Nürburgring ausgiebig getestet.

Wahnsinn … wirklich beeindruckend. So viel Aufwand! Ich fragte mich, ob man den 992 nach einem solchen Blick hinter die Kulissen bei einer Probefahrt nicht gleich ganz anders erleben würde. Bei der Suche nach Fahrberichten stieß ich auf eine Testfahrt mit dem 992 von Kazuo Shimizu, einem bekannten Porsche-Fan.

Kazuo Shimizus Fahrbericht zum 992

In diesem Video testet Kazuo Shimizu den neuen 911 (992) Carrera S bei einer internationalen Fahrveranstaltung auf dem Circuit Ricardo Tormo in Barcelona, Spanien.

Der Carrera S ist mit einem 3,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit Biturboaufladung und dem 8-Gang-PDK ausgestattet. Er leistet 450 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 530 Nm. Shimizus Urteil fällt erwartungsgemäß sehr positiv aus – und das zu Recht:

Die Lenkung ist deutlich direkter geworden. Auch die Übersetzung ist direkter, und die Steifigkeit des gesamten Fahrzeugs hat zugenommen. Dadurch wirkt der Wagen noch präziser und agiler. Im Sport- oder Sport-Plus-Modus beschleunigt er so schnell wie ein GT3 RS. Man kann mit einem GT3 RS im Pulk fahren und hat nicht das Gefühl, deutlich zurückzufallen.
Auch die Bremsen sind gut. ABS, Traktionskontrolle und PASM arbeiten spürbar besser. Wird die Fahrbahn nass, kann man den Wet Mode nutzen: Das Fahrzeug erkennt die nasse Straße und weist darauf hin. Im Wet Mode wird auch die Leistung angepasst, wodurch sich der Wagen leichter und ohne Ruckeln fahren lässt.
Der neue 992 ist schnell – unglaublich schnell. Braucht man da überhaupt noch einen GT3? Der Carrera S ist mehr als ausreichend!

So lautete sein Urteil. Nach dem Blick hinter die Kulissen der Entwicklung kann ich diese Begeisterung gut nachvollziehen.

Einen Porsche fährt man am besten im Originalzustand

Ich wusste ungefähr, dass Porsche das Gute immer noch besser machen will. Trotzdem war ich überrascht, wie viele Aspekte – vom Design und Innenraum über den Motorsound und die Vibrationen bis zur Aerodynamik – bis ins kleinste Detail durchdacht und entwickelt werden.

Dabei wurde mir auch wieder bewusst: Am liebsten fahre ich einen Porsche im Originalzustand. Ob man sein Auto umbaut oder tunt, ist natürlich Geschmackssache. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen, aber persönlich bin ich kein großer Fan davon.

Die Porsche-Ingenieure, Designer und alle anderen an der Entwicklung Beteiligten verbessern ein Fahrzeug immer weiter, bis es in bestmöglicher Form auf den Markt kommt. Wer danach Änderungen am Setup vornimmt, bringt womöglich die Gesamtbalance aus dem Gleichgewicht – und riskiert, dass das Fahrzeug seine ursprünglichen Fähigkeiten nicht mehr voll ausspielen kann. Auch als Zeichen des Respekts vor der Arbeit der Porsche-Entwickler würde ich meinen Porsche deshalb am liebsten im Originalzustand fahren. Dieses Video hat mich darin noch einmal bestärkt.

Hier sind die beiden Videos, die ich in diesem Artikel vorgestellt habe:

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