Drei überraschende Autos, die Porsche entwickelte – die wenig bekannte Geschichte der Auftragsentwicklung

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Porsches wenig bekannte Geschichte der Auftragsentwicklung

Wenn von Porsche die Rede ist, denken viele an Sportwagen wie den 911, den Boxster oder den Cayman.

Doch als Ferdinand Porsche 1931 sein Unternehmen gründete, war offenbar nicht geplant, Autos unter einer eigenen Marke zu bauen. Vielmehr konzentrierte sich das Geschäft zunächst auf Entwicklungsaufträge anderer Hersteller.

Auch nachdem Porsche 1948 mit dem 356 das erste eigene Modell vorgestellt hatte, nahm das Unternehmen offenbar weiterhin aktiv Entwicklungsaufträge von Kunden an. Dieses Geschäftsmodell soll Porsche dabei geholfen haben, schwierige Zeiten zu überstehen – etwa die Ölkrise der 1970er-Jahre und den Absatzrückgang um 72 Prozent zwischen 1986 und 1993.

Durch Kooperationen mit unterschiedlichsten Herstellern – von Mercedes-Benz bis Lada – war Porsche an einigen der beliebtesten Autos der Welt beteiligt. Wir stellen drei überraschende Modelle vor, die mit Unterstützung von Porsche entstanden sind.

1. Volkswagen Käfer – die Geburt des „Volkswagens“

1934 erhielt Porsche im Deutschland der NS-Zeit den Auftrag, einen „Volkswagen“ zu entwickeln – das Auto für das Volk. Aus diesem Projekt ging später der Käfer hervor. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Volkswagen unter alliierter Verwaltung. Das Unternehmen soll den Käfer zunächst als laut und wenig praktisch beurteilt haben.

Doch in den USA wurde das Modell dank seiner durchdachten Konstruktion, Robustheit, Wirtschaftlichkeit und kompakten Abmessungen zum großen Erfolg. 1968 war der Käfer das meistverkaufte Auto der Welt. Sein Image wandelte sich grundlegend: Aus dem „Volkswagen“ Hitlers wurde ein Symbol für den Wiederaufbau Deutschlands und den Frieden in der Welt.

Der Käfer trug zwar nicht das Porsche-Emblem, bildete aber die Grundlage für den ersten Porsche unter eigener Marke, den 356. Zugleich lässt er sich als Vorläufer des späteren 911 betrachten.

2. Mercedes-Benz 500 E – eine ungewöhnliche Zusammenarbeit mit dem Rivalen

Als Porsche in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre erneut in finanzielle Schwierigkeiten geriet, ergab sich eine unerwartete Gelegenheit: Ein Auftrag des langjährigen Rivalen Mercedes-Benz.

Mercedes drohte damals im Luxussegment angesichts des Lexus LS 400 an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Da der Hersteller zugleich mit der Entwicklung der neuen S-Klasse ausgelastet war, übertrug er Porsche das Projekt, einen M119-V8-Motor in das Chassis des W 124 zu integrieren.

500E

Porsche kam zu dem Schluss, dass die Karosserie verbreitert werden musste. Die Fertigung erfolgte schließlich im Wechsel zwischen den Werken von Mercedes-Benz und Porsche. Der daraus entstandene 500 E gilt als eine der besten Luxuslimousinen aller Zeiten – und half zugleich, Porsche aus der finanziellen Krise zu führen.

Einen Fahrbericht zur AMG-Version, dem E 60, haben wir bereits hier veröffentlicht.

3. Audi RS2 Avant – der Beginn der RS-Reihe

Die RS-Modelle von Audi stehen für die höchste Performance der Marke. Der Ursprung der RS-Reihe liegt jedoch überraschenderweise in einem sportlichen Kombi.

Wie der Mercedes-Benz 500 E entstand auch der Audi RS2 aus einem Nebenprojekt, das Porsche in einer finanziell schwierigen Phase übernahm. Audi wollte einen Nachfolger für den legendären quattro entwickeln und mit dem BMW M3 konkurrieren. Dafür holte sich der Hersteller Unterstützung von Porsche.

Audi RS2

Porsche überarbeitete Audis Fünfzylinder-Turbomotor, der anschließend 315 PS und 410 Nm Drehmoment leistete. Außerdem kümmerte sich Porsche um die Fahrwerksabstimmung und entwickelte ein eigenes Setup. Mit direkt vom 911 übernommenen Komponenten – darunter Bremsen, Außenspiegel und Räder – wurde der RS2 zum Sinnbild der Zusammenarbeit beider Marken.

Porsche entwickelte sogar einen Minivan mit

Tatsächlich arbeitete Porsche auch mit Opel zusammen – und war dabei sogar an der Entwicklung eines Vans beteiligt.

Für den Opel Zafira entwickelte Porsche ein innovatives Sitzkonzept: Zwei zusätzliche Sitze lassen sich aus dem Fahrzeugboden herausklappen und machen den Wagen so zum Siebensitzer. Der daraus entstandene Zafira wurde von der europäischen Automobilpresse positiv aufgenommen.

Foto: MechDesign.xyz

Diese Beispiele zeigen: Porsche ist nicht nur ein Sportwagenhersteller, sondern verfügt über umfassende Kompetenzen in der Fahrzeugentwicklung. Was einst als Auftragsarbeit begann, um finanzielle Krisen zu überstehen, wurde zur Gelegenheit, Porsches technisches Know-how und seine Flexibilität weltweit unter Beweis zu stellen. Von neuen Aufträgen hört man heute kaum noch. Umso spannender bleibt die Frage, an welchen Projekten Porsche künftig mitwirken wird.

Hiro

Ich bin Minas Ehemann. Ich fahre Autos nicht als Mode oder Statussymbol. Mir gefallen Wagen, die Spaß machen, als Industrieprodukt überzeugen und in denen man die Absicht der Macher spürt. Lange Touren sind meine Leidenschaft, und ein Auto zählt erst, wenn man es fährt. An freien Tagen reise ich mit unseren Wagen durch Japan. Im Blog schreibe ich vor allem Fahrberichte und Tourenberichte und kümmere mich um die Technik der Seite und ums Tuning.

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