Mercedes-Benz GLB 200 d 4MATIC im Test: Erfahrungen nach rund 7.000 Kilometern – Vor- und Nachteile
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Kaum zu glauben, aber der Mercedes-Benz GLB 200 d, den wir Ende November 2022 in Empfang genommen haben, hat inzwischen mehr als 7.000 Kilometer auf dem Tacho. Zeit für einen Erfahrungsbericht aus dem Alltag.
Warum wir den GLB 200 d 4MATIC gekauft haben
Darum fiel die Wahl auf den GLB 200 d
Der Anlass für den Kauf war die Suche nach einem Familienauto, das kompakt genug für den Alltag und zugleich angenehm fahrdynamisch ist. Als ich dann im GLB 200 d eines Freundes mitfahren durfte und begeistert war, stand die Entscheidung praktisch fest.
Bis dahin war unser Porsche Cayenne das Familienauto. Doch in den Parkhäusern von Familienrestaurants, auf Supermarktparkplätzen und vor Arztpraxen in der Stadt machte uns seine große Breite oft zu schaffen. Fahrleistungen und Fahrkomfort des Cayenne waren zwar über jeden Zweifel erhaben, aber aus diesen praktischen Gründen haben wir uns für den Wechsel zum GLB entschieden.

Recherche und Erwartungen vor dem Kauf
Vor dem Kauf bin ich den GLA 200 d 4MATIC meines Bruders gefahren und hatte außerdem Gelegenheit, den GLB 200 d 4MATIC meines Freundes auszuprobieren. So konnte ich Fahrleistungen und Komfort selbst beurteilen. Das Fahrverhalten wirkte agiler und sportlicher, als ich erwartet hatte, und auch der Komfort erschien mir völlig ausreichend.
Besonders gespannt war ich auf die Flexibilität des Siebensitzers. Bei Ausflügen mit unserer fünfköpfigen Familie und etwa meiner Schwester samt Kind könnte der GLB schließlich sehr praktisch sein.
Fahrleistungen und Verbrauch des GLB 200 d
Verbrauch nach 7.000 Kilometern
Das dürfte viele interessieren: Laut Bordcomputer lag der Durchschnittsverbrauch seit dem Zurücksetzen der Fahrdaten nach der Einfahrzeit bei 13,7 km/l, also rund 7,3 l/100 km.

Ich achte beim Fahren grundsätzlich nicht auf den Verbrauch, sondern bewege mich einfach mit dem Verkehr und fahre so, wie es mir passt. Mit einer zurückhaltenderen Fahrweise dürfte also noch ein besserer Wert möglich sein.
Auf der Autobahn sind bei normaler Fahrweise etwa 18 bis 20 km/l drin, das entspricht rund 5,0 bis 5,6 l/100 km. Selbst bei etwas zügigerem Tempo sollte man noch auf etwa 15 km/l beziehungsweise 6,7 l/100 km kommen.
Fahrverhalten in der Stadt und auf der Autobahn
Im Stop-and-go der Stadt macht sich das kräftige Drehmoment des Dieselmotors schon bei niedrigen Drehzahlen bemerkbar: Der GLB wirkt nie träge. Leistung fehlt in keiner Situation, und beim Beschleunigen reagiert er so, wie man es erwartet.
Allerdings scheint die Übersetzung niedriger auszufallen als gedacht: Das Automatikgetriebe lässt den ersten und zweiten Gang recht weit ausdrehen. Bei normalem Beschleunigen im Verkehr schaltet es meist erst zwischen 2.000 und 3.000 U/min hoch. Auch im Eco-Modus ändert sich daran nicht viel.

Der Motor stellt sein maximales Drehmoment schon bei 1.400 U/min bereit. Da würde ich mir wünschen, dass das Getriebe etwas früher und zügiger hochschaltet.
Auf der Autobahn fehlt dem GLB bei etwa 100 km/h ein wenig die souveräne Gelassenheit, die man oft mit deutschen Autos verbindet. Stabil liegt er natürlich auf der Straße, und unsicher fühlt sich die Fahrt keineswegs an. Das satte, gelassene Fahrgefühl könnte aber ausgeprägter sein.
Bei höherem Tempo, etwa wenn man auf der Überholspur der Shin-Tōmei-Autobahn zügig mitfließt, wird der GLB spürbar souveräner. Die Reifen vermitteln mehr Kontakt zur Fahrbahn, und das Auto zieht pfeilgerade seine Bahn. Da zeigt sich: Dieser Mercedes ist für die Autobahn gemacht.
Innenraum und Komfort im GLB 200 d
Sitzkomfort und dritte Sitzreihe

Unser GLB ist mit dem AMG Leder Exklusiv-Paket ausgestattet und hat graue und schwarze Ledersitze. Sie sind mit recht kräftigem, festem Leder bezogen und fühlen sich nicht besonders weich oder flauschig an. Wer die weichen Sitze japanischer Autos gewohnt ist, dürfte sich daran möglicherweise stören. Auch ich persönlich würde ein etwas geschmeidigeres Material bevorzugen.
Auf längeren Strecken gibt es für mich jedoch nichts zu beanstanden: Selbst nach 500 Kilometern an einem Tag, etwa von Tokio nach Osaka, hatte ich keine nennenswerten Rückenschmerzen.


Zweite Sitzreihe
Die zweite Sitzreihe bietet ausreichend Platz und ist breit genug, um auch einen großen Kindersitz aufzunehmen. Die Sitzfläche ist allerdings etwas kurz. Bei erwachsenen Männern kann es sich deshalb so anfühlen, als würden die Oberschenkel nicht ganz aufliegen. Wer viel Komfort erwartet, könnte das als ungewohnt empfinden.

Dritte Sitzreihe
Die dritte Sitzreihe ist kompakt und laut Hersteller für Personen bis zu einer Körpergröße von 168 cm ausgelegt. Deshalb wird sie in manchen Tests als Schwachpunkt des GLB genannt. In der Praxis spielt das für uns jedoch kaum eine Rolle.
Natürlich ist es etwas anderes, wenn sieben Erwachsene mitfahren. Für Kinder sind die Sitze aber völlig ausreichend – und die etwas abgeschirmte Atmosphäre scheint ihnen sogar zu gefallen.
Auch Erwachsene können dort Platz nehmen, wenn die zweite Sitzreihe etwas nach vorn geschoben wird. Dann stößt der Kopf nicht an den Dachhimmel, und für Fahrten von ungefähr einer Stunde ist der Platz durchaus geeignet.
Bedienung des Infotainmentsystems
Anfangs braucht es etwas Zeit, um sich mit den Menüstrukturen des Infotainmentsystems vertraut zu machen. Das Display ist gut ablesbar, und die Bedienung über das Touchpad in der Mittelkonsole oder die Lenkradtasten funktioniert problemlos. Insgesamt gibt es für mich wenig zu kritisieren.

Mit dem serienmäßigen Navigationssystem bin ich dagegen nicht ganz zufrieden. Zwar ist der Bildschirm gut ablesbar und die Ansagen sind verständlich, doch die vorgeschlagene Routenführung ist immer wieder etwas fragwürdig.
Anfangs habe ich mich damit arrangiert. Weil das Navi aber regelmäßig Routen vorschlug, die mir nicht optimal erschienen, habe ich später im Mercedes me Store online die „Smartphone Integration“ für 36.600 Yen hinzugebucht. Damit konnte ich Apple CarPlay auf meinem iPhone nutzen.
Inzwischen lasse ich mir fast immer die Navigation meines Smartphones über CarPlay auf dem Bildschirm anzeigen.
GLB 200 d: Vor- und Nachteile im Überblick
Was mir am GLB besonders gefällt
Besonders überzeugend finde ich die alltagstaugliche Kombination aus kompakten Abmessungen und der Möglichkeit, bei Bedarf bis zu sieben Personen mitzunehmen.
Auch die Fahrleistungen und das Fahrgefühl überzeugen. Vor allem die Stabilität bei höherem Tempo zeigt, wie viel Erfahrung Mercedes mit Autos für die Autobahn hat. Auf kurvigen Straßen fährt sich der GLB zudem erstaunlich agil.
Insgesamt wirkt nichts an Bremsen, Lenkung oder Fahrwerk halbherzig. Der GLB ist zwar kein Auto, das vor allem wegen des Fahrspaßes begeistert, aber ein verlässlicher und ausgesprochen gewissenhafter Begleiter. Genau diese unaufgeregte Mercedes-Art schätze ich sehr.

Auch das hochwertig wirkende Interieur trägt zur Zufriedenheit bei: Die Ambientebeleuchtung bringt Farbe in den Innenraum, Materialien und Oberflächen an Armaturenbrett und Türen fühlen sich gut an, und Türen schließen mit einem satten Klang. Nichts wirkt billig.
Was Mercedes noch verbessern könnte
Wirkliche Kritikpunkte gibt es nur wenige. Wenn ich drei Dinge nennen müsste, wären es diese:
- Die serienmäßigen Pirelli P Zero auf den 19-Zoll-Rädern des AMG Line Pakets sind so leistungsorientiert, dass die Lenkreaktionen mitunter sehr direkt und lebhaft ausfallen. Zum Charakter des GLB würde ein etwas ausgewogenerer Reifen besser passen. Modelle wie die Michelin-Primacy-Reihe oder Bridgestone Turanza könnten mit mehr Komfort und geringeren Abrollgeräuschen die Zufriedenheit vieler Fahrer steigern.
- Der Sitzkomfort dürfte noch etwas besser sein. Vor allem das Leder und die Länge der Sitzfläche in der zweiten Reihe könnten verbessert werden. Sitze wie in der GLE- oder GLS-Klasse erwarte ich nicht, aber ein etwas weicheres und geschmeidigeres Material wäre wünschenswert.
- Sportlich gefahren fühlt sich die Automatik sehr gut an. Im Stadtverkehr würde ich mir jedoch eine stärker auf niedrige Drehzahlen ausgelegte Getriebesteuerung wünschen. Beim Anfahren an der Ampel und im Stop-and-go könnte der GLB das Drehmoment des Dieselmotors im unteren Drehzahlbereich besser nutzen, statt die Drehzahl zum Beschleunigen so stark ansteigen zu lassen.
Das sind meine ehrlichen Eindrücke nach dem Kauf des GLB 200 d 4MATIC. Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Als praktisches Familienauto bietet er aus meiner Sicht ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis und lässt kaum Wünsche offen.
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