Macht eine Tour im Taycan Turbo GT wirklich Spaß? Meine Eindrücke nach 540 Kilometern

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Souverän auf der Autobahn: Das Können des Fahrwerks der nächsten Generation

Acht Monate ist es her, dass ich meinen Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket gekauft habe. Inzwischen stehen mehr als 5.000 Kilometer auf dem Tacho. Bei sechs oder sieben Autos im Fuhrpark ist es ungewöhnlich, dass eines davon so schnell so viele Kilometer sammelt. Doch dieser Porsche hat etwas, das mich am liebsten jeden Tag einsteigen lässt.

Anlass für meine erste richtige Tour war die EV-Veranstaltung „Fureai EV“ in Okayama. Meine Frau wollte am Veranstaltungstag mit ihrem Taycan Cross Turismo 4S dazustoßen, also fuhr ich schon am Vortag allein nach Okayama. Das erwies sich als ideale Gelegenheit, die besonderen Qualitäten des Turbo GT neu zu entdecken.

Taycan Turbo GT

Auf der Chūgoku-Autobahn Richtung Westen wurde mir einmal mehr bewusst, was für ein außergewöhnliches Auto dieser Taycan ist.

Bei einer langen Fahrt in Schalensitzen denken viele vermutlich zuerst an Ermüdung. Das ging auch mir so. Doch kaum war ich unterwegs, wurde ich eines Besseren belehrt: Weil der Körper fest abgestützt wird, muss die Muskulatur kaum noch unnötige Haltearbeit leisten. Weniger Bewegung bedeutet weniger Ermüdung. Die Erklärung klingt simpel, aber wirklich verstehen kann man sie erst, wenn man es selbst erlebt hat.

Vor allem aber ist die Performance von Porsche Active Ride schlicht überragend.

Das System spielt in einer ganz anderen Liga als das bisherige PASM oder PDCC. Es filtert Unebenheiten aus der Fahrbahn, während die Karosserie praktisch unbewegt bleibt. Selbst die Blickrichtung schwankt kaum. Ich nenne dieses Fahrgefühl gern die „fliegende Wolke“ – wie die Zauberwolke aus Dragon Ball, die Son Goku durch die Luft trägt. Selbst bei heftiger Beschleunigung oder starker Verzögerung bleibt die Karosserie waagerecht. Das würde man dem Rennwagen-Look kaum zutrauen, doch der Turbo GT fährt komfortabler als jede Luxuslimousine. In Sachen Reisekomfort und Hochgeschwindigkeitsstabilität kenne ich kein Auto, das ihm das Wasser reichen kann.

Kurvige Bergstraßen stellen die gewohnten Maßstäbe auf den Kopf

Bei Yamazaki in der Präfektur Hyōgo verließ ich die Autobahn und bog auf die Präfekturstraße 53 ab, bevor ich auf der Präfekturstraße 72 weiterfuhr. Mein Ziel war das Skigebiet Chikusa Kōgen, das ich seit meiner Kindheit immer wieder besucht habe. Die Strecke wählte ich nicht nur aus nostalgischen Gründen: Mit sanften Höhenunterschieden und einer angenehmen Folge von Kurven ist sie eine ideale Fahrstrecke.

Auf der Präfekturstraße 72 zeigt der Turbo GT, was wirklich in ihm steckt. Jetzt wird es ernst. Kaum zu glauben, aber dieser mehr als zwei Tonnen schwere Wagen fühlt sich sogar agiler an als mein Boxster. Ich besitze beide gleichzeitig – ich weiß also, wovon ich spreche. In langsamen Kurven wirkt der Turbo GT sogar noch wendiger als der Boxster.

Taycan Turbo GT

Kaum ist eine Kurve durchfahren, wartet gefühlt schon die nächste. Dieses Gefühl hatte ich immer wieder. Sobald ich das Lenkrad einschlage, ändert das Auto seine Richtung – ohne Verzögerung. Zwischen meinem Gedanken und der Reaktion des Wagens liegt praktisch keine spürbare Zeit. Für ein Auto dieser Gewichtsklasse ist das außergewöhnlich. Active Ride hält die Seitenneigung konsequent in Schach, während die spontane Kraftentfaltung der Elektromotoren die Reifen fest auf die Straße drückt. Dieses Zusammenspiel eröffnet eine Agilität, die sich mit einem Verbrenner nicht erreichen lässt.

Dann ging es auf die Nationalstraße 482, die ebenfalls begeistert. Eben noch führt die Strecke durch sanfte, ländliche Landschaften, kurz darauf windet sie sich durch die Berge. Der Verkehr ist gering, sodass man in seinem eigenen Rhythmus fahren kann. Diese Verbindung zwischen Hyōgo und Okayama ist, wie mir erneut klar wurde, eine hervorragende Tourenstrecke.

Es folgt ein Abschnitt mit einer engen Kurve nach der anderen. Auch hier bewegt sich der Turbo GT wie ein Fisch im Wasser: rechts, links, wieder rechts. Bei jeder Richtungsänderung spüre ich aufs Neue, wie außergewöhnlich agil dieses Auto ist. Die Schikane auf dem Suzuka Circuit kommt mir in den Sinn – schon dort hatte ich diese fließende, geschmeidige Bewegung erlebt. Hier ist sie wieder da. Bei einem Verbrenner gibt es beim Herausbeschleunigen aus der Kurve einen kurzen Moment, bis die Kraft einsetzt. Beim Turbo GT fehlt dieser Zwischenraum: Noch bevor die Kurve ganz hinter einem liegt, beginnt bereits die nächste Beschleunigung. Genau diese nahtlose Verbindung macht für mich den Kern eines elektrischen Sportwagens aus.

Sofortige Elektro-Power: Ein neues Fahrerlebnis

Nach einer Übernachtung in Maniwa wählte ich für den nächsten Morgen die Route über die Nationalstraße 313, die Präfekturstraßen 30 und 375 und anschließend die Nationalstraße 429. Diese 429 ist ein echtes Vergnügen. „Japans Landstraße“ trifft es perfekt: wenig Verkehr, schöne Landschaft und eine Straße, die sich scheinbar endlos dahinschlängelt. Man kann entspannt im eigenen Tempo fahren – genau das Richtige für eine Tour.

Und dann kam die berühmte Oku-Kibi-Straße.

Hier zeigt der Turbo GT sein volles Potenzial. Auf jede Bewegung des Fahrpedals reagiert er unglaublich schnell. Eigentlich ist „schnell“ nicht das richtige Wort – „sofort“ trifft es besser. Weil es keine Gangwechsel gibt, steht die volle Leistung bei jeder Geschwindigkeit bereit. Ob bei 20 oder 40 km/h: Sobald ich aufs Fahrpedal trete, liegt das maximale Drehmoment an.

Taycan Turbo GT

Die Traktionsregelung arbeitet mit enormer Präzision, die Reifen haben stets sicheren Kontakt zur Fahrbahn. Traktionsverluste, wie man sie von leistungsstarken Verbrennern kennt, sind kaum spürbar. Ich trete aufs Fahrpedal – und der Wagen setzt die Kraft zuverlässig in Vortrieb um. Dieses Gefühl macht süchtig. Gleichzeitig hält Active Ride die Karosserie vollkommen eben. Ich spüre die heftigen Längs- und Querbeschleunigungen, doch mein Körper bleibt ruhig, und auch die Sicht schwankt kaum. Das ist Porsche heute. Oder vielleicht schon der Sportwagen der Zukunft.

Auf der Oku-Kibi-Straße wurde mir eines klar:

Ich sage es ganz offen: Wer dieses Fahrgefühl erlebt hat, dem kann der aktuelle 911 fast zu wenig sein. Als Porsche-Fan fällt mir das nicht leicht, aber es ist mein ehrlicher Eindruck. Der Unterschied ist so groß. Dabei geht es nicht um die Grundsatzfrage Verbrenner oder Elektro. Betrachtet man allein den Fahrspaß, spielt der Turbo GT in einer eigenen Liga. Natürlich verstehe ich, was den 911 ausmacht: den Klang des Motors und den Reiz des Schaltgetriebes. Doch bei der reinen Fahrdynamik und der unmittelbaren Reaktion auf die Wünsche des Fahrers übertrifft der Turbo GT den aktuellen 911 für mich deutlich. Das muss man anerkennen.

Taycan Turbo GT

540 Kilometer unterwegs: Alltagstauglichkeit und der Unterschied zum normalen Taycan

Auf dieser Tour legte ich rund 540 Kilometer zurück und musste nur zweimal laden. Am Rastplatz Chikusa ergänzte ich während einer Toilettenpause von etwa fünf Minuten kurz die Ladung. In Maniwa folgte ein 30-minütiger Schnellladestopp bei einem Nissan-Händler. Das reichte locker, um mit ausreichender Restreichweite nach Hause zu kommen. Für eine längere Tour ist die Alltagstauglichkeit mehr als ausreichend. Sorgen um die Ladeinfrastruktur erscheinen inzwischen kaum noch begründet.

Nach der Veranstaltung im Kongresszentrum Convex Okayama wechselte ich mit meiner Frau die Autos und trat im Taycan Cross Turismo 4S die Heimfahrt an. Der direkte Vergleich war ausgesprochen interessant: Obwohl beide Taycan heißen, sind es völlig unterschiedliche Autos. Schon beim Umsteigen fiel mir der Unterschied auf. Der Cross Turismo fährt sanft und komfortabel. Im Normal-Modus fühlt er sich an wie eine komfortable Luxuslimousine – und bietet zugleich hervorragende Fahrleistungen. Ein Tritt aufs Fahrpedal, und schon schießt er gefühlt wie ein Warp-Antrieb nach vorn; auch die Hochgeschwindigkeitsstabilität ist eine Klasse für sich. Dabei wurde mir erneut klar, was für ein großartiges Auto auch der Cross Turismo ist.

Taycan Turbo GT

Auch die Einschätzung meiner Frau war interessant: „Der Turbo GT ist einfach unglaublich. Er ist so übertrieben agil, dass man das gar nicht alles braucht – und an Tagen, an denen man gemütlich fahren möchte, kann er sogar anstrengend sein.“ Da ist etwas dran. Der Turbo GT vermittelt ständig das Gefühl, bereit für den Angriff zu sein. Selbst wenn man entspannt dahingleiten möchte, scheint das Auto zu sagen: „Komm, fahr schneller!“ Bezeichnenderweise steht im Namen nicht einmal „Taycan“ – auf dem Auto steht nur „Turbo GT“. Man sollte ihn am besten als eigenständiges Modell betrachten. Er gehört zur Taycan-Familie, ist aber zugleich ein völlig eigenes Kapitel.

Mit einem zwei Meter breiten Auto auf Tour – das kann doch keinen Spaß machen. Das dachte ich früher auch.

Ich bin zwei Panamera nacheinander gefahren, aber auf die Idee, damit eine Tour zu unternehmen, kam ich nur selten. Es waren großartige Autos, doch ihnen fehlte für mich ein wenig die Unbeschwertheit. Beim Taycan Turbo GT ist das anders: Sobald das Wochenende naht, überlege ich, wohin ich als Nächstes fahren könnte. So viel Spaß macht das Fahren. Genau darin liegt für mich das Wesen des Turbo GT. Es geht nicht allein um Tempo oder Komfort. Es ist ein Auto, bei dem das Fahren selbst zum Ziel wird.

Taycan Turbo GT und Cross Turismo 4S

Der Turbo GT und der Cross Turismo 4S meiner Frau

Die Route im Überblick

Hiro

Minaの夫です。 ファッションやステータスシンボルのためにクルマは乗りません。 運転して楽しく、工業製品として優れ、作り手の意思が感じられるようなクルマを好んで乗ります。長距離ツーリングをこよなく愛し、「クルマは走らせてナンボ」と思ってます。休日には日本全国を愛車で旅しています。 ブログでは主に試乗レポートやツーリング記などを執筆しています。またブログのシステム周りやチューニングなども担当しています。

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