Porsche Macan 4 im Test: Ein EV ohne spürbares Gewicht – die überzeugende Perfektion des Allrounders

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Tests & Fahrberichte

Der Macan mit Heckantrieb, den ich schon kannte – und jetzt der Allradler

Ich hatte die Gelegenheit, den vollelektrischen Macan in der Allradversion zu fahren.

Zuvor hatte ich bereits das Basismodell des elektrischen Macan getestet – also die heckgetriebene Variante – und meine Eindrücke in einem Artikel festgehalten.

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Damals lautete mein Fazit: ein wirklich unkomplizierter Macan. Er wirkt nicht übertrieben sportlich, und seine Elektro-Eigenschaften treten auf angenehme Weise in den Hintergrund. Vor allem blieb der Eindruck eines Elektroautos, das sich ganz selbstverständlich wie ein Benziner fahren lässt. Viele denken bei einem EV an ein sofort einsetzendes Drehmoment, das den Wagen kraftvoll nach vorn schiebt. Beim Taycan ist dieser Eindruck besonders ausgeprägt. Der heckgetriebene Macan, den ich damals gefahren bin, war dagegen so abgestimmt, dass die Beschleunigung mit zunehmender Drehzahl anzusteigen schien – fast wie bei einem Verbrenner. Daran erinnere ich mich noch gut.

Diesmal saß ich im Macan 4, dem Basismodell mit Allradantrieb.

Das Testfahrzeug war luxuriös ausgestattet: mit Lederausstattung, 14-Wege-Sitzen und Sitzbelüftung. Beim Fahrwerk handelte es sich weder um eine Luftfederung noch um PASM, sondern um das ganz normale Serienfahrwerk. Ich war gespannt, wie sich dieses unverstellte Setup auf der Straße anfühlt.

Anfahren und Bremsen: Dieses Pedalgefühl ist außergewöhnlich

Schon beim Anfahren fiel mir auf, wie sanft der Macan nach wie vor losrollt.

Er gleitet regelrecht davon. Wer dieses Gefühl einmal erlebt hat, könnte meinen, nie wieder einen Benziner fahren zu wollen. Das ist eine der besonderen Stärken eines Elektroautos. Noch mehr überrascht hat mich allerdings die Bremse. Porsche-Bremsen sind bei allen Modellen hervorragend. Typisch ist, dass sich die Bremswirkung nicht so sehr über den Pedalweg, sondern über die aufgewendete Kraft – den Pedaldruck – dosieren lässt. Deshalb fühlen sie sich vergleichsweise fest, schwer und präzise an. Anders als bei vielen japanischen Autos lässt sich das Bremspedal nicht weich und mit langem Weg bis zum Anschlag durchtreten.

Beim Macan 4 ist dieses präzise Bremsgefühl besonders ausgeprägt. Es vermittelt eine feste, beinahe metallische Direktheit – wie bei einem 911 oder einem 718 Boxster beziehungsweise Cayman mit PCCB-Keramikbremsanlage. Schon über das Pedal spürt man, dass man in einem Porsche sitzt. Am Rande bemerkt: Bei den jüngeren Taycan-Modellen, darunter auch meinem Taycan Turbo GT, ist mir das Bremsgefühl insgesamt zu weich. Die frühe Modellversion war angenehm straff, doch die späteren Taycan-Modelle fühlen sich für mich nicht mehr typisch Porsche an. Im Vergleich dazu gefällt mir die Bremse des Macan 4 ausgesprochen gut.

Rekuperation erklärt – und was das Serienfahrwerk kann

Weil es dazu viele Missverständnisse gibt, möchte ich kurz erklären, wie die Rekuperation funktioniert.

Oft wird sie mit der Motorbremswirkung eines Verbrenners verglichen, die einsetzt, sobald man vom Fahrpedal geht. Bei Porsche funktioniert das jedoch anders. Zwar wird auch beim Loslassen des Fahrpedals leicht rekuperiert, entscheidend ist aber das Bremspedal: Je nachdem, wie stark man es betätigt, wird die Rekuperationsleistung angepasst. Weil man dabei auf das Pedal tritt, kann es sich anfühlen, als würden die Bremsbeläge die Bremsscheiben greifen. Tatsächlich leisten die Beläge dabei kaum Arbeit; verzögert wird fast ausschließlich über die Rekuperation des Elektromotors. Deshalb verschleißen die Beläge nur wenig. Selbst wenn man auf einer kurvigen Bergstraße vor einer Kurve etwas kräftiger bremst, verzögert der Macan allein mit Rekuperation wirkungsvoll. Bei einer Vollbremsung kommen zusätzlich die Bremsbeläge zum Einsatz – an der Bremsleistung gibt es also keinen Grund zu zweifeln.

Wie sieht es mit dem Handling aus? Der Macan baut hoch, und sein Fahrwerk ist nicht besonders straff. Eine gewisse Seitenneigung ist daher spürbar.

In der Kurve bleibt die Karosseriebewegung jedoch ruhig und kontrolliert. Sobald sich das Gewicht nach außen verlagert hat und der Wagen einen bestimmten Wankwinkel erreicht, hält er seine Linie und lenkt sauber durch. Viele Autos verändern mitten in der Kurve unruhig ihre Haltung – beim Macan passiert das nicht. Wenn das schon mit dem Serienfahrwerk so gut gelingt, dürfte PASM oder die Luftfederung den Komfort und die Fahrkultur noch weiter steigern. Die Lenkung ist weder zu direkt noch zu indirekt, reagiert aber deutlich agiler als bei vergleichbaren SUVs. Auch der Kontakt der Reifen zur Straße ist sehr gut spürbar.

Überraschend leichtfüßig – und mit Electric Sport Sound

Beim Herausbeschleunigen aus Kurven macht sich der Allradantrieb deutlich bemerkbar.

Der Macan 4 setzt seine Traktion hervorragend in Vortrieb um. Beim heckgetriebenen Modell, das ich zuvor gefahren war, hatte ich die Leistung nicht als besonders kräftig empfunden. Beim Allradler scheint dagegen weniger Antriebskraft verloren zu gehen – jedenfalls wirken Beschleunigung und Antritt etwas energischer. Im Sport-Plus-Modus hört man beim kräftigen Beschleunigen am Kurvenausgang sogar, wie die Reifen kurz über den Asphalt scharren. Wenn schon der normale Macan so gut fährt, müssen der 4S und der Turbo erst recht beeindrucken. Am meisten überraschte mich beim Fahren jedoch, dass ich überhaupt kein Gewicht spürte. Kaum zu glauben, dass ich in einem Elektroauto mit mehr als zwei Tonnen unterwegs war. Selbst als ich bewusst nach den Nachteilen des hohen Gewichts suchte, fand ich kaum etwas.

Der Electric Sport Sound ist optional, war bei diesem Fahrzeug aber an Bord. Aktiviert klingt er etwas zurückhaltender als im Taycan. Trotzdem ist der Sound mehr als genug, um die Stimmung anzuheizen. Im Vergleich zum Taycan wirkt er weniger rein elektronisch: Im Hintergrund schwingt etwas mit, das an den körnigen Klang eines V6 erinnert und entfernt an den Puls eines Verbrennungsmotors denken lässt. Wer sich einen elektrischen Porsche kauft, sollte diese Option meiner Meinung nach in Betracht ziehen. Sie verleiht dem Wagen spürbar etwas von seinem Porsche-Charakter.

Für wen ist der Macan 4 das richtige Auto?

Alles in allem ist der Macan 4 innerhalb der Porsche-Modellpalette weder besonders schnell noch außergewöhnlich sportlich.

Er ist nicht spektakulär, überzeugt aber mit einem ausgesprochen stimmigen Gesamtpaket. Viele Autojournalisten loben, wie gelungen der elektrische Macan ist – und ich kann ihnen nur zustimmen. Wer sich allerdings einen rauen, temperamentvollen Porsche wünscht, könnte ihn als etwas zurückhaltend empfinden. Der Macan 4 ist ein rundum überzeugender Musterschüler. Auch meine Frau fand schon den letzten Macan mit Verbrennungsmotor ausgesprochen ausgereift. Doch die Elektroversion spielt beim Fahrwerk in einer noch höheren Liga und wirkt, als hätte Porsche die Stärken des letzten Verbrenner-Macan konsequent weiterentwickelt und verfeinert. Wer den ursprünglichen Macan wegen seines wilden, etwas ungeschliffenen Charakters schätzt, findet den elektrischen Macan vielleicht zu vernünftig. Für diese Fahrer dürften der 4S oder der Turbo die passendere Wahl sein.

Die Besitzerin des Testwagens ist übrigens eine erfahrene Porsche-Fahrerin. Seit dem Wechsel gefällt ihr der Macan ausgesprochen gut, erzählte sie mir: Er sei wirklich leicht zu fahren. Auch bei hohem Tempo liege er hervorragend auf der Straße, bleibe in Kurven stabil und biete ausreichend Leistung. In jeder Situation fühle sie sich sicher. Das kann ich nur bestätigen. Wer gerne etwas sportlicher fährt, zugleich aber vor allem Wert auf Komfort legt und unkompliziertes Handling mit einem hochwertigen Fahrerlebnis verbinden möchte, findet im Macan 4 einen idealen Begleiter.

Hiro

Ich bin Minas Ehemann. Ich fahre Autos nicht als Mode oder Statussymbol. Mir gefallen Wagen, die Spaß machen, als Industrieprodukt überzeugen und in denen man die Absicht der Macher spürt. Lange Touren sind meine Leidenschaft, und ein Auto zählt erst, wenn man es fährt. An freien Tagen reise ich mit unseren Wagen durch Japan. Im Blog schreibe ich vor allem Fahrberichte und Tourenberichte und kümmere mich um die Technik der Seite und ums Tuning.

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