Hinter den Kulissen der Porsche-Reifenentwicklung: Mit N-Kennung liegen Porsche-Fahrer in der Regel richtig

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Wissenswertes über Porsche

Porsche-Reifen mit N-Kennung

Vor einiger Zeit las ich in der Zeitschrift 911DAYS den Artikel „Nachgefragt bei Yokohama: Wie werden Porsche-Reifen entwickelt? – Teil 1“. Dabei wurde mir klar, dass es alles andere als einfach ist, die Freigabe von Porsche zu erhalten.

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Vor Kurzem stieß ich dann auf einen Artikel über von Porsche freigegebene Reifen und auf das Video „Insights into tyre development“.

Also machte ich mich gleich ans Lesen – und war wie so oft einfach nur baff: „Unglaublich!“ Deshalb möchte ich hier ein paar Einblicke mit euch teilen.

Reifentests auf der Nürburgring-Nordschleife

Bei jedem neuen Modell sucht ein Team aus Reifenspezialisten die Reifen aus, die am besten zu dessen Eigenschaften passen. Nur die ausgewählten Reifen dürfen die „N“-Kennung tragen – das Zeichen für eine Freigabe durch Porsche.

Jedes neue Porsche-Modell wird zunächst an den Nürburgring gebracht und dort bis an seine Grenzen getestet. Der Nürburgring liegt in Nürburg, im Bundesland Rheinland-Pfalz im Westen Deutschlands. Allein die Nordschleife ist rund 20 Kilometer lang. Wegen ihres anspruchsvollen Streckenverlaufs wird sie auch „Grüne Hölle“ genannt.

Am 16. April 2018 fuhr der französische Carrera-Cup-Pilot Kévin Estre auf der Nordschleife eine Rundenzeit von „6:56,4 Minuten“. Am Steuer saß er in einem „Porsche 911 GT3 RS“ mit Saugmotor.

Das war zwar kein Rundenrekord auf der Nordschleife, doch der GT3 RS war damit 24 Sekunden schneller als sein Vorgänger. Wenn alle Hersteller um jede einzelne Sekunde kämpfen, sind 24 Sekunden eine gewaltige Verbesserung.

Zu diesem Vorsprung des 911 GT3 RS gegenüber dem Vorgängermodell sagte Jan Frank, bei Porsche für die Fahrdynamik der GT-Serienmodelle zuständig:

„Ohne die Fortschritte in der Reifentechnik wäre eine solche Rekordzeit nicht möglich gewesen.“

Besonders erstaunlich: Die Reifen, mit denen der GT3 RS damals unterwegs war – die „Michelin Pilot Sport Cup 2 R“ –, waren keine eigens angefertigten Sonderreifen. Sie waren regulär erhältlich und für jedermann zu kaufen.

Keine Kompromisse bei der Reifenentwicklung

Reifen haben großen Einfluss auf die Fahreigenschaften eines Autos. Deshalb spielen sie bei der Entwicklung jedes neuen Porsche eine zentrale Rolle – egal, ob es sich um einen Sportwagen mit Heckmotor und Heckantrieb oder um einen viertürigen Frontmotor-Wagen handelt.

Bei Porsche gilt es außerdem, scheinbar Gegensätzliches miteinander zu verbinden: hohen Fahrkomfort und lange Lebensdauer mit einem besonders hohen Niveau an Fahrdynamik.

Michael Haupt, Reifenspezialist in der Entwicklungsabteilung, beschreibt die Herausforderung so:

„Reifen sind ein wichtiger Faktor, damit das Fahrwerk seine Leistung entfalten kann. Doch einen Reifen, der ohne jeden Kompromiss alle Eigenschaften vereint, gibt es kaum.“

Die Reifenentwicklung ist komplex und hängt von vielen Faktoren ab. Der Reifen muss in den Radkasten passen; außerdem beeinflussen Fahrzeuggewicht, Gewichtsverteilung und das Motordrehmoment an den angetriebenen Rädern die Anforderungen. Auch bei Abrollgeräusch, Nasshaftung, Rollwiderstand und Haltbarkeit müssen strenge Vorgaben erfüllt werden.

Entsprechend anspruchsvoll ist die Aufgabe für die Reifenhersteller, die für Porsche entwickeln.

Carsten Hoffmann, Leiter der Reifenentwicklung bei Porsche, erklärt:

„Wir geben den Reifenherstellern detaillierte Daten zu unseren Zielen an die Hand – darunter Bremswege und Rundenzeiten auf der Nordschleife – und bitten sie, Reifen mit den passenden Eigenschaften und der erforderlichen Performance zu entwickeln.“

Die Reifenentwicklung beginnt erstaunlicherweise bereits vier Jahre vor dem Produktionsstart eines neuen Modells. Die Hersteller fertigen mehrere Prototypen-Sätze an – jeweils mit Vorder- und Hinterreifen, die „die Anforderungen aus Weissach erfüllen“. Dafür benötigen sie ungefähr drei Monate.

Anschließend folgen zahlreiche Tests und Anpassungen – ein Prozess, den Porsche als entscheidend und kompromisslos betrachtet. Nur Reifen, die sämtliche Porsche-Anforderungen erfüllen, erhalten die „N“-Kennung. Deshalb gilt: Wer einen Porsche fährt, ist mit Reifen mit N-Kennung in der Regel gut beraten.

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Reifen für Serienmodelle sind anspruchsvoller

Kaum zu glauben: Reifen für Hochleistungsmodelle sind offenbar einfacher zu entwickeln als solche für Serienmodelle. Carsten Hoffmann, Leiter der Reifenentwicklung bei Porsche, sagt dazu: „Die Reifenentwicklung für Serienmodelle ist für uns deutlich anspruchsvoller.“

Bei Reifen, die im Motorsport entwickelt werden, sind die Einsatzbedingungen klarer definiert. Der Temperaturbereich ist enger gefasst, und auch die Belastung der Räder ist genau vorgegeben. Das macht die Entwicklung vergleichsweise einfacher.

Bei Serienmodellen hingegen unterscheiden sich die Fahrwerkskonfigurationen, die elektronischen Regelsysteme sind komplex, und die Straßenbedingungen vielfältig. Daher ist das Spektrum der Anforderungen an die Reifen deutlich breiter – und ihre Entwicklung entsprechend schwieriger.

Trotzdem haben auch die Reifenhersteller in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Lange galt es als schwierig, hervorragendes Nasshandling und einen niedrigen Rollwiderstand mit überzeugender Trockenperformance und hoher Laufleistung zu verbinden. Heute ist genau das möglich.

Ein Beispiel: Der Werkstoff Silica kann dazu beitragen, den Rußanteil im Reifen zu verringern. Die Entwicklung schreitet rasant voran. Und Porsche wird die Bestzeiten auf der Nürburgring-Nordschleife mit Sicherheit auch künftig weiter verbessern.

Tatsächlich stellte Porsche am 25. Oktober 2018 mit Unterstützung von Manthey-Racing einen neuen Rundenrekord auf der Nürburgring-Nordschleife auf. Das Fahrzeug war ein „Porsche 911 GT2 RS MR“, die Rundenzeit betrug 6:40,3 Minuten. Damit unterbot er die im Juli desselben Jahres vom Lamborghini Aventador SVJ aufgestellte Bestzeit für Serienfahrzeuge von 6:44,97 Minuten.


*Bildquelle: AUTO CAR JAPAN „Porsche 911 GT2 RS MR: schnellste Rundenzeit eines Serienfahrzeugs auf der Nordschleife – Rekord von Lamborghini zurückerobert“

Die wichtige Rolle der Testfahrer

Bei Porsche arbeiten vier Testfahrer, die auf die Reifenentwicklung spezialisiert sind. Im Entwicklungszentrum Weissach sind sie nur selten im Büro anzutreffen. Stattdessen testen sie regelmäßig auf der Nürburgring-Nordschleife, im Nardò Technical Center in Süditalien und im Contidrom bei Hannover.

Im Alltag prüfen sie, ob sich ein Porsche bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit bewegen und dabei präzise kontrollieren lässt.

Doch Testfahrer müssen mehr können, als ein Auto schnell zu bewegen. Sie arbeiten nicht nur mit den Reifenherstellern zusammen, sondern liefern auch unter unterschiedlichsten Bedingungen – auf trockener, nasser, verschneiter und vereister Fahrbahn – reproduzierbare Ergebnisse und erstellen detaillierte Vergleichsberichte. Das ist eine wichtige Aufgabe.

Viele Testfahrer kommen aus dem Motorsport und waren früher selbst Rennfahrer. Einer von ihnen ist Timo Kluck, 46 Jahre alt und seit 18 Jahren als Testfahrer in der Reifenabteilung von Porsche tätig. Er sagt:

„Porsche baut Hochleistungsfahrzeuge. Mit den richtigen Reifen können Porsche-Fahrer deren beeindruckende Performance selbst erleben.“

So entstehen Porsche-Reifen mit N-Kennung: durch die tägliche Arbeit der Reifenhersteller und der Porsche-Teams, die an der Reifenentwicklung beteiligt sind.

Je mehr man über Porsche weiß, desto beeindruckender wird die Marke

Wirklich beeindruckend, was Porsche leistet. Ich hatte schon oft gehört, dass Sportwagen- und Supersportwagenhersteller der Reifenentwicklung große Bedeutung beimessen. Nach dieser Lektüre ist mir wieder einmal klar geworden, wie ernst auch Porsche dieses Thema nimmt.

Früher habe ich scherzhaft gesagt: „Ich mag Porsche – bei Porsche zu arbeiten, wäre bestimmt toll.“ Doch je mehr ich über die Marke erfahre, desto eher denke ich:

In einem so perfektionistischen Team, das bis ins Detail arbeitet und keinerlei Kompromisse eingeht, könnte ich wohl nicht mithalten. (Mal ganz abgesehen davon, dass ich weder Deutsch noch Englisch spreche und wahrscheinlich ohnehin nicht eingestellt würde. *lacht*)

Wie dem auch sei: Porsche-Reifen mit N-Kennung sind zwar teuer, doch sie helfen dabei, die Performance des Fahrzeugs voll auszuschöpfen und halten zudem lange. Umso mehr denke ich: Mit freigegebenen Reifen macht man als Porsche-Fahrer nichts falsch.

*Bild- und Artikelquellen: Porsche News „A Good Mixture“ und „New tyres for historic sports cars“

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