Porsche 911 Carrera 4S (996): Fahrbericht
Veröffentlicht: 2020.09.21
Neulich durfte mein Mann den 911 Carrera 4S eines Bekannten probefahren – einen 996. Seine Eindrücke hat er für uns aufgeschrieben. Viel Spaß beim Lesen!
Porsche 911 Carrera 4S (996): Probefahrt
Neulich hatte ich die Gelegenheit, einen Porsche 911 Carrera 4S zu erleben. Hier kommt mein Fahrbericht.
Am Steuer saß ich diesmal in einem Carrera 4S der Baureihe 996. Der 996 war der erste wassergekühlte 911 und markierte einen großen Wendepunkt: Sein modernes Design setzte sich deutlich von den luftgekühlten Vorgängern bis zum 993 ab. Zugleich wurde der 911 alltagstauglicher und ließ sich leichter fahren.
Der Besitzer hatte den Wagen bei einem Gebrauchtwagenhändler entdeckt und das Fahrwerk mit Komponenten aus dem Zubehör erneuern lassen. Die Abstimmung überließ er im Wesentlichen der Werkstatt. Er wollte kein bretthartes Sportfahrwerk, sondern eine geschmeidige Auslegung, die auch auf der Autobahn und auf langen Strecken Vertrauen vermittelt. Verbaut sind ein Fahrwerk des taiwanischen Herstellers Yellow Speed und Brombacher-Räder.
Der Kilometerstand liegt erst im Bereich von gut 30.000 Kilometern. Vor dem Umbau hatte der Besitzer auch das originale Fahrwerk ausprobiert – es sei bereits völlig ausgelutscht gewesen. Die Laufleistung ist also wichtig, doch die altersbedingte Abnutzung des Fahrwerks kann offenbar noch deutlich stärker ins Gewicht fallen, als man vermuten würde.
Der erste wassergekühlte Porsche-911-Motor im Fahrtest
Beim Drehen des Zündschlüssels erwacht der Motor mit einem für einen Porsche eher zurückhaltenden Startgeräusch. Im Leerlauf sind keine so rohen, mechanischen Klänge zu hören wie bei einem luftgekühlten Porsche. Im Innenraum ist es so ruhig wie in einer gewöhnlichen Limousine oder einem Coupé.
Mein erster Eindruck: „Ein ziemlich leiser Porsche.“ Dieser Wagen hat ein Automatikgetriebe mit Tiptronic. Ich wähle also D und fahre langsam los. Schon nach den ersten paar Dutzend Metern ist der Eindruck sehr gut: Das Fahrwerk arbeitet geschmeidig und überzeugt auf Anhieb.

Die Tiptronic schaltet mit erstaunlich wenig Ruckeln. Verglichen mit der Tiptronic in meinem 964 ist sie deutlich ausgereifter – sowohl beim direkten Ansprechen als auch bei der Schaltgeschwindigkeit liegt sie um einiges vorn. Natürlich kann sie nicht mit modernen Automatikgetrieben mithalten, kommt ihnen aber schon nahe.
Wie ich später herausfand, stammt dieses Tiptronic-Getriebe offenbar von Mercedes-Benz. Beim 996 kam in den frühen Modelljahren ein Getriebe von ZF zum Einsatz, später eines von Mercedes-Benz.
Beim entspannten Rollen in D ist es im Innenraum ausgesprochen komfortabel – kaum zu glauben, dass dieses Auto fast 20 Jahre alt ist. Inzwischen bin ich mit dem Wagen vertrauter und wechsle in den manuellen Modus. Mit den Tiptronic-Schaltern am Lenkrad, Plus und Minus, wähle ich die Gänge nun selbst.
Die Schaltvorgänge sind angenehm sanft; nur wenige dürften sie als störend empfinden. Wer ein handgeschaltetes Auto fährt, verursacht beim Schalten meist sogar stärkere Rucke. Mit modernen Doppelkupplungsgetrieben wie dem PDK kann die Schaltgeschwindigkeit natürlich nicht mithalten. Für kurvige Landstraßen reicht sie aber allemal: Wer nur einen kleinen Moment früher schaltet, kann damit problemlos sportlich fahren.
Ich schalte in den dritten und dann in den zweiten Gang und trete aufs Gas. Der wassergekühlte Sechszylinder-Boxer erwacht schlagartig aus seinem vermeintlichen Dornröschenschlaf. Die zuvor zurückhaltende Klangkulisse verändert sich etwa ab 5.000 U/min schlagartig – und zwar zum Guten. Eine Sportabgasanlage ist nicht verbaut, der Auspuff ist serienmäßig. Trotzdem wird der Klang deutlich lauter und ein klarer, gleichmäßiger Ton erfüllt den Innenraum: ein herrliches „Vrooom!“.
Ich habe schon viele Porsche-Motoren gehört – von luftgekühlten bis hin zu den neuesten wassergekühlten. Wer allein auf Lautstärke und Dramatik schaut, findet durchaus andere Motoren mit beeindruckendem Klang. Doch beim Wohlklang spielt dieser 996 ganz vorne mit. Der Sound ist so hochwertig und angenehm, dass auch mein Beifahrer und Porsche-Kumpel während der Fahrt immer wieder ausrief: „Was für ein Klang!“
Bei Karosseriesteifigkeit und Fahrwerk hatte ich aufgrund des Designs des 996 erwartet, dass er sich leichter und agiler fährt als die luftgekühlten Modelle. Doch dieser Eindruck täuscht. Sein sattes, solides Fahrgefühl kann es mühelos mit dem der luftgekühlten Porsche aufnehmen. Je nach Situation wirken sogar die neueren 911 der Baureihen 991 und 992 leichter.
Die steife Karosserie hält die Reifen fest auf der Straße, während die Dämpfer von Yellow Speed Bodenwellen und Unebenheiten sanft abfedern. Das Fahrwerk macht richtig Freude: Es ist geschmeidig, ohne an Substanz zu verlieren. Seine Abstimmung und sein Gefühl am Lenkrad kommen dem nahe, was ich von einem serienmäßigen Porsche-Fahrwerk kenne.
Als Carrera 4S verfügt dieser 911 über Allradantrieb. Auch im Normalbetrieb wird ein Teil des Drehmoments an die Vorderräder geleitet. Ich hatte zunächst vermutet, dass der ältere Allradantrieb zu starkem Untersteuern führen könnte – doch diese Sorge war völlig unbegründet.
Beim Einlenken folgt die Front ganz natürlich der Kurve. Die Lenkung hat bei Porsche-Modellen oft eine gemeinsame Eigenheit: Zu Beginn des Lenkeinschlags gibt es einen winzigen, leicht lockeren Bereich – fast wie ein Hauch von Spiel. Ist dieser Punkt überwunden, ändert das Auto prompt seine Richtung. Der Übergang von diesem leichten Spiel zur Reaktion der Karosserie ist ausgesprochen harmonisch und fein abgestimmt.
Ich denke in letzter Zeit oft, dass genau darin Porsches geheime Würze liegt.
Diese sorgfältige Abstimmung sorgt dafür, dass die Reaktionen des Autos dem menschlichen Gefühl entsprechen. So vermittelt Porsche beim Fahren dieses besondere Vergnügen, das die Marke ausmacht.
Auch beim 996 ist diese geheime Würze noch da. Allerdings scheint der Zeitraum zwischen dem leichten Spiel in der Lenkung und der Reaktion des Autos etwas kürzer zu sein. Dadurch wirkt der Wagen besonders direkt und leichtfüßig; das zusätzliche Gewicht und die Trägheit des Allradantriebs werden geschickt ausgeglichen.

Auf der Autobahn konnte ich den Wagen diesmal nicht ausprobieren. Doch auch bei etwas höherem Tempo lag er ausgesprochen stabil auf der Straße. Das vom Besitzer gewünschte Fahrwerk, das auch auf der Autobahn hohen Komfort bietet, scheint sein Versprechen zu halten. Und mit diesem Fahrwerk und der Tiptronic ist der 996 auch im Stadtverkehr ausgesprochen angenehm. Ein Porsche aus der Youngtimer-Generation, der sich problemlos im Alltag fahren lässt.
Der 996 Carrera 4S hat für mich eine ganz besondere Bedeutung. Es war etwa 2004, als ich mit meinem Audi TT Coupé 1.8T der ersten Generation durch Kyushu reiste – ein Auto, für das ich damals mein ganzes Geld zusammengekratzt hatte. Auf der Autobahn sah ich einen weißen 996 Carrera 4S, genau wie den, den ich heute gefahren bin. Die durchgehende Leiste am Heck fand ich einfach umwerfend. Damals dachte ich voller Sehnsucht: „Irgendwann möchte ich einen Carrera 4S fahren!“ und „Irgendwann möchte ich einen Porsche besitzen!“
Während ich jetzt diesen Artikel schreibe, kommt mir der Gedanke, dass ich damals vielleicht ein Foto gemacht hatte. Also suche ich die Bilder in meiner Cloud durch – und tatsächlich finde ich es! Ich hatte den Carrera 4S damals aus dem Innenraum meines TT fotografiert. Aufgenommen am 17. Juli 2004 um 13:22 Uhr mit meiner Olympus C-2000Z.

Das Foto von damals, 2004. Ich glaube, es war auf der Kyushu-Autobahn.
Es stimmt wohl: Wenn man sich etwas wirklich stark wünscht, kann es tatsächlich Wirklichkeit werden. Dieser Gedanke berührt mich aufs Neue – und überrascht mich zugleich.
Dass ich nun einen 996 Carrera 4S fahren durfte, fühlt sich an, als hätte die Sehnsucht aus meiner Jugend diese Gelegenheit zu mir geführt. Vielen Dank an den Besitzer, der mir seinen Traumwagen anvertraut hat!
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