Extrem leistungsstark oder extrem luxuriös? Über das neue Porsche-Flaggschiff über dem 911
公開日:2026.10.05
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Offiziell wird nur geprüft – Name und Motor bleiben Gerüchte
Vielleicht bekommt der 911 einen neuen Porsche an die Seite gestellt, der ihn überragt.
In meinem Artikel vom 20. März ging es um die Strategie, die CEO Michael Leiters auf der Jahresmedienkonferenz vorgestellt hatte: Porsche prüft eine Erweiterung der Modellpalette, um in Segmenten mit höheren Margen zu wachsen. Im Gespräch sind Fahrzeuge oberhalb der aktuellen zweisitzigen Sportwagen 911 und 718 sowie oberhalb des Cayenne. Der Hintergrund ist die ernüchternde Geschäftslage: Im Geschäftsjahr 2025 sank das operative Ergebnis von 5,64 Milliarden auf 413 Millionen Euro, die operative Marge lag nur noch bei 1,1 Prozent. Dass Porsche nach neuen Umsatzbringern sucht, ist daher nachvollziehbar.
Ein halbes Jahr später, Ende September, griffen Motor1, Robb Report und Carscoops einen Bericht des Handelsblatts auf. Dabei fielen Begriffe wie „S1“ als angebliche interne Bezeichnung, ein Achtzylinder-Boxermotor und rund 500.000 Euro. Auch eine mögliche Vorschau bei einer Investorenveranstaltung am 7. Oktober wurde erwähnt. Bestätigt ist davon allerdings nichts. Porsche erklärte gegenüber Robb Report: „Zu künftigen Produkten können wir nicht spekulieren oder Kommentare abgeben.“ Offiziell steht bislang nur fest, dass Porsche am 7. Oktober Einzelheiten zu Strategy 2035 vorstellen will.
Ein exklusiver Technologieträger ist etwas anderes als ein dauerhaftes Spitzenmodell
Der 911 stand nicht immer allein an der Spitze.
Mit dem 959 von 1985, dem 911 GT1 von 1997, dem Carrera GT von 2003 und dem 918 Spyder von 2014 stellte Porsche immer wieder besondere Fahrzeuge oberhalb des 911 auf die Räder. Vom 959 wurden 1987 und 1988 insgesamt 292 Exemplare gebaut, vom Carrera GT bis 2006 genau 1.270. Sowohl der Carrera GT mit seinem für Le Mans entwickelten V10 als auch der 918 mit 887 PS starkem Plug-in-Hybridantrieb waren in kleiner Stückzahl gebaute Technologieträger, die Rennsporttechnik auf die Straße brachten. Später floss dieses Wissen in die Serienmodelle von Porsche ein.

photo by Porsche Newsroom
Doch es wäre zu kurz gegriffen, die limitierten Modelle einfach als Sammlerstücke abzutun. Porsche selbst betont, dass der 959 auch für den Alltag konzipiert war. Und der Carrera GT wurde so abgestimmt, dass man ihn auch ohne Erfahrung als Rennfahrer fahren konnte. Selbst bei streng limitierter Stückzahl blieb die Idee des Fahrens zentral. Sollte das neue Modell also als zeitlich begrenzter Technologieträger in diese Tradition passen, würde ich es ausdrücklich begrüßen. Bedenken hätte ich, wenn daraus ein dauerhaftes Serienmodell oberhalb des 911 würde.

photo by Porsche Newsroom
Race on Sunday, Drive on Monday
Sonntags Rennen fahren, montags mit demselben Auto unterwegs sein.
In einem früheren Artikel habe ich das Motto „Race on Sunday, Drive on Monday“ vorgestellt. In den 1950er-Jahren war es unter vielen 356-Fahrern verbreitet. Ein Sportwagen, mit dem man direkt nach einer Runde auf dem Nürburgring noch zum Einkaufen fahren kann: Genau darin liegt für mich der Unterschied. Porsche baut extrem leistungsstarke Autos – aber keine extrem luxuriösen. So schnell ein Porsche auch sein mag: Bedeutung bekommt er erst, wenn man ihn im Alltag fährt.

photo by Porsche Newsroom
Für mich liegt der besondere Wert eines Porsche darin, seine enorme Performance auch auf ganz normalen Straßen genießen zu können. Doch nimmt man das in den Medien genannte Preisschild von rund 500.000 Euro als Grundlage, sieht die Sache anders aus. Wird ein solches Auto nicht schnell zu einem Sammlerstück, das in der Garage bleibt – aus Sorge vor Steinschlägen oder Parkremplern? Das wäre weit entfernt von dem Bild, das die Fahrer des 356 vor Augen hatten.
Ein leises Unbehagen: Schaut Porsche zu sehr auf die Aktionäre?
Wenn ich mir Porsche in letzter Zeit anschaue, werde ich ein wenig nachdenklich.
Immer häufiger werden limitierte Sondermodelle vorgestellt, bei denen der luxuriöse Innenraum und die exklusive Ausstattung stärker im Vordergrund zu stehen scheinen als das Fahrerlebnis. Es entsteht der Eindruck, als sei Porsche für bessere Geschäftszahlen inzwischen jedes Mittel recht. Auf mich wirkt es, als richte sich der Blick der Marke vor allem auf die Aktionäre. Natürlich ist es verständlich, dass ein Unternehmen, dessen operatives Ergebnis um mehr als 90 Prozent eingebrochen ist, seine Ertragslage verbessern will. Zugleich erklärt Porsche offiziell, dass „Marke und Kunden“ zu den Säulen von Strategy 2035 zählen und man sich noch stärker auf die Sportwagen-DNA und die Freude am Fahren konzentrieren wolle.
Für den 911 soll ein eigens entwickelter Performance-Hybrid zum Einsatz kommen; einen vollelektrischen 911 werde es nicht geben. Das ist ein beruhigendes Signal, denn es zeigt den Willen, den Charakter des 911 zu bewahren. Doch ein dauerhaftes Topmodell mit hohem Verkaufspreis und die Konzentration auf die Freude am Fahren weisen nicht zwangsläufig in dieselbe Richtung. Was auch immer Porsche am 7. Oktober bekannt gibt: Das neue Spitzenmodell sollte ein Auto sein, mit dem man zum Einkaufen ebenso gern fährt wie auf die Rennstrecke. Ich hoffe, Porsche bleibt sich selbst treu.
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