Für Porsche-Enthusiasten mit Benzin im Blut: Was den Boxster 986 so besonders macht

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Tests & Fahrberichte

Porsche Boxster 986

Ich liebe meinen Boxster GTS der Baureihe 981 wirklich sehr. Umso mehr habe ich mich gefreut, nun einmal seinen Vorfahren fahren zu dürfen: den ersten Boxster, den 986.Diese Gelegenheit zu einer Probefahrt mit dem Ur-Boxster ließ sich ich nicht entgehen.

Die Außenfarbe ist ein Silberton, vermutlich Arktissilber. Im Innenraum leuchtet Terrakotta-Leder in einem rötlichen Orange. Der Farbton erinnert an den Carrera GT und sieht einfach fantastisch aus. Außen wie innen ist der Wagen in ausgesprochen gepflegtem Zustand, der Kilometerstand liegt bei gerade einmal rund 40.000 Kilometern. Es handelt sich um einen Boxster S des Modelljahrs 2001 – ein erstklassiges Exemplar mit Sechsgang-Schaltgetriebe.

Innenraum des Porsche Boxster S 986

Als der Boxster 986 damals auf den Markt kam, hielt ich ihn für „zu rund und irgendwie untypisch für Porsche“. Heute betrachtet verbinden sich die älteren und neueren Designelemente auf wunderbare Weise – der Wagen sieht richtig gut aus. Selbst die damals oft als „Tränensäcke“ verspotteten Scheinwerfer wirken aus heutiger Sicht gelungen: ein spannender Mix aus klassischem Charme und moderner Formensprache.

Vielleicht zeigt dieses Design erst heute, was wirklich in ihm steckt. Ähnlich ist es beim 911 der Baureihe 996: Was seinerzeit ungewohnt wirkte, empfinden wir heute als eigenständigen Charakter. Porsche war seiner Zeit mit diesen Entwürfen wohl einfach voraus.

Scheinwerfer des Porsche Boxster S 986

Heute betrachtet wirklich wunderschön

Der Ursprung des Porsche Boxster

Der 986 ist der erste Boxster, den ich je gefahren bin. Mit den Baureihen 981 und 718 war ich schon oft unterwegs. Trotzdem stieg ich voller Vorfreude ans Steuer dieses Ur-Boxsters – gespannt darauf, wie er sich wohl fahren würde.

Im Sitz umfängt mich die für Porsche jener Zeit typische, eher weiche Polsterung. Auch auf langen Strecken dürfte sie angenehm sein. Der Seitenhalt reicht zwar nicht an den aktueller Modelle heran, bietet aber dennoch ausreichend Unterstützung.

Innenraum des Porsche Boxster S 986

Schalthebel des Porsche Boxster S 986

Beim Starten ist der Motor deutlich leiser als in heutigen Porsche-Modellen. Der angenehme Klang des Sechszylinder-Boxermotors ist dennoch unverkennbar. Auch die Kupplung verlangt mehr Kraft als bei modernen Autos, ohne dabei anstrengend zu sein. Das Schaltgefühl ist angenehm direkt und präzise – genau so, wie man es sich von einem Handschalter wünscht.

Der erste Gang rastet ein, ich gebe Gas. Die Kupplung greift sanft, und der Boxster setzt sich ebenso geschmeidig in Bewegung. Mit zunehmendem Gas steigt die Drehzahl gleichmäßig an. Sofort ist zu spüren, wie unmittelbar der Motor auf die Bewegung des Gaspedals reagiert.

Analoges Porsche-Fahrerlebnis mit viel Gefühl

Schon beim Losfahren fehlt es dem Boxster nicht an Leistung. Mit 252 PS geht es zügig durch die Kurven – und dabei zeigt sich vor allem die ausgezeichnete Grundabstimmung des Fahrwerks, die keine elektronische Bevormundung braucht.

Einlenken, und der Wagen dreht sich mit moderater Seitenneigung willig in die Kurve. Die natürliche Wendigkeit des Mittelmotor-Sportwagens ist deutlich spürbar. Zugleich baut sich die Seitenneigung nur bis zu einem gewissen Punkt auf und bleibt dann stabil: So geht es souverän und ohne Unsicherheitsgefühl durch die Kurven.

Rad des Porsche Boxster S 986

Der Boxster wirkt dabei wie ein Sportler, der völlig entspannt bleibt: Das Fahrwerk ist angenehm nachgiebig, die Lenkung trotzdem messerscharf. Selbst mein Boxster GTS der Baureihe 981 fühlt sich im Vergleich zum 986 beinahe bretthart an. Steige ich direkt vom 986 in den 981 GTS um, fühlt es sich fast an, als säße ich in einem GT3. So außergewöhnlich geschmeidig ist der 986.

Die Lenkung übermittelt die Fahrbahnbeschaffenheit direkt. Der Bereich, in dem die Reifen an ihre Haftungsgrenze kommen, ist gut einzuschätzen – und die Verbindung zum Auto fühlt sich besonders unmittelbar an. Auch die Lastwechsel, die ich mit dem Gaspedal auslöse, lassen sich genau nach meinem Willen steuern. Ein analoges Fahrerlebnis, bei dem Fahrer und Auto zu einer Einheit werden.

Der Motor bleibt zwar leise, lässt aber immer wieder einen angenehm kernigen Ton hören. Er ist nicht laut, klingt dafür umso besser. Von der künstlichen Klanginszenierung, die man bei neueren Porsche-Modellen kennt, keine Spur: Hier kommt der ursprüngliche Motorsound unverfälscht beim Fahrer an.

Instrumente des Porsche Boxster S 986

Ab etwa 4.000 U/min entfaltet der Motor seinen schönsten Klang. Drehe ich ihn bis in den roten Bereich, wird er zwar etwas lauter, aber nie aufdringlich. Im Gegenteil: Sein Klang macht Lust auf die nächste Kurve und steigert die Freude am Fahren.

Auch die Bremsen überzeugen. Je kräftiger ich das Pedal trete, desto entschlossener wird der Boxster langsamer. Beim Bremsen bleibt das Auto stabil und vermittelt dem Fahrer jederzeit Sicherheit.

Das ist ein echter Porsche

Der 986 ist ein Auto, bei dem man einfach sagen möchte: Genau so muss es sein.

Ein Fahrwerk mit viel analogem Gefühl und wenig elektronischen Eingriffen, der angenehme Klang des Sechszylinder-Boxers und der Spaß am Schalten: Dieser Boxster lädt dazu ein, einfach weiterzufahren. Nicht, um etwa über die japanische Venus Line in Nagano zu rasen, sondern um in aller Ruhe die Vibrationen des Motors zu spüren. Genau darin liegt sein besonderer Reiz.

Porsche Boxster S 986

Auch die Porsche-Modelle der jüngeren Generation sind großartig. Doch der 986, der für mich die ursprüngliche Idee des Fahrens verkörpert, ist etwas Besonderes. Das Gefühl, ohne übermäßige elektronische Helfer zu einer Einheit mit dem Auto zu werden – das ist pure Fahrfreude.

Die Baureihen 981 und 718 sind ebenfalls fantastische Sportwagen. Aber manchmal lohnt sich die Rückkehr zum Ursprung. Wer Porsche wirklich verstehen möchte, sollte den Boxster 986 unbedingt einmal fahren.

Der 986 ist so stimmig, dass man sich fragt: „Was braucht man eigentlich mehr?“ Vielleicht ist er genau das perfekte Spielzeug für Erwachsene mit hohen Ansprüchen.

Porsche Boxster S 986

Porsche entwickelt seine Sportwagen mit jeder Generation weiter. Umso wichtiger ist es, sich hin und wieder auf die Ursprünge zu besinnen. Wer den Boxster 986 fährt, erlebt aufs Neue, worauf es bei Porsche ankommt: pure Fahrfreude, die entsteht, wenn Fahrer und Auto eins werden.

Genau das vermittelt dieser Boxster. Das Porsche-Besitz-Erlebnis muss nicht unbedingt darin bestehen, das neueste oder stärkste Modell zu kaufen und damit den Wunsch nach Besitz zu erfüllen. Gerade ein Porsche wie dieser zeigt, worin die ursprüngliche Faszination des Fahrens liegt.

Deshalb kann ich den Boxster 986 nur empfehlen.
Dieses Auto ist allen Erwachsenen gewidmet, die ihrer Porsche-Leidenschaft hoffnungslos verfallen sind.

Hiro

Ich bin Minas Ehemann. Ich fahre Autos nicht als Mode oder Statussymbol. Mir gefallen Wagen, die Spaß machen, als Industrieprodukt überzeugen und in denen man die Absicht der Macher spürt. Lange Touren sind meine Leidenschaft, und ein Auto zählt erst, wenn man es fährt. An freien Tagen reise ich mit unseren Wagen durch Japan. Im Blog schreibe ich vor allem Fahrberichte und Tourenberichte und kümmere mich um die Technik der Seite und ums Tuning.

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