Mini JCW (MINI John Cooper Works) im Fahrbericht

MINI JCW | 車, 道路, 木, 屋外, 駐車場, MINI, JOHN COOPER WORKS
Tests & Fahrberichte

MINI John Cooper Works

Vor Kurzem erzählte mir ein Freund, dass er einen BMW MINI JCW (John Cooper Works) gekauft hatte. Freundlicherweise durfte ich eine Runde damit drehen.

Da ich den Wagen möglichst unvoreingenommen beurteilen wollte, verzichtete ich vorab auf jede Recherche und ließ den Tag einfach auf mich zukommen.

Kühlergrill des MINI JCW

Auspuff des MINI JCW

Der JCW war für mich ein völlig neues Gesicht – mit dem normalen MINI hat er optisch nur wenig gemein. Ins Auge fallen zunächst der große Kühlergrill und der dahinterliegende Kühler. Am Heck sitzen zwei mittig angeordnete Endrohre.

Die 18-Zoll-Räder wirken am kompakten Auto besonders stattlich. Dahinter sitzen große Bremsen mit roten Bremssätteln. Die Dimensionen passen stimmig zusammen: Auf Anhieb ist klar, dass es hier nicht bloß um große Räder und Bremssättel für die Optik geht.

Sportsitze im MINI JCW

Im Innenraum erwarten einen stattliche Sportsitze, die den MINI deutlich von den normalen Modellen abheben. Sie bieten kräftigen Seitenhalt, sind angenehm dick gepolstert und ausgesprochen bequem. BMW-Sitze gefallen mir persönlich ohnehin sehr gut.

Der erste Eindruck beim Losfahren

Beim Starten hatte ich mit einem deutlich raueren Auftritt gerechnet. Stattdessen erwacht der Motor mit einem etwas kräftigeren, aber keineswegs übertriebenen Startgeräusch zum Leben.

Da es sich um einen MINI der jüngsten Generation handelt, ist die Parkbremse elektrisch. Ich lege den Wählhebel auf D und fahre los – überrascht davon, wie komfortabel der Wagen federt. Natürlich spielt auch die gute Fahrbahn eine Rolle, doch im Vergleich zum MINI Cooper D meiner Schwester muss sich der JCW nicht verstecken.

Räder und Bremsen des MINI JCW

Motor des MINI JCW

Angesichts der JCW-Bezeichnung hatte ich ein knüppelhartes Fahrwerk erwartet. So kompromisslos ist es aber nicht. Natürlich ist die Abstimmung straff, doch harte Schläge bleiben aus, und anders als etwa in einem GT3 wird die Karosserie bei niedriger Geschwindigkeit kaum durchgeschüttelt.

Verglichen mit meinem Porsche 991.1 GTS scheint mir der Fahrkomfort sogar besser zu sein. Als Begleiter für einen Stadtbummel zu zweit dürfte der JCW also kaum Anlass zu Beschwerden geben.

Auch der Motor lässt sich bei niedrigen Drehzahlen angenehm dosieren. Wie ich erfahren habe, leistet der Vierzylinder-Turbomotor 231 PS und entwickelt 320 Nm Drehmoment. Vermutlich ließe sich noch mehr Leistung herausholen, doch die eher zurückhaltende Abstimmung dürfte bewusst auf gute Alltagstauglichkeit ausgelegt sein.

Das Turboloch ist kaum spürbar, und auch beim Beschleunigen nach dem Verzögern ruckelt nichts. Geschaltet wird über eine sportliche Wandlerautomatik, eine BMW-Spezialität – und sie macht ihre Sache hervorragend. Die Kraftübertragung ist geschmeidig, ohne dass sich die Kraftübertragung jemals schwammig anfühlt. Schaltstöße? Fehlanzeige: Die Gangwechsel laufen durchweg sanft ab.

Wählhebel der Automatik im MINI JCW

Der MINI JCW im Sport-Modus

Jetzt kommt der John Cooper Works in sein eigentliches Revier. Im Stand lege ich den Sport-Modus ein – und sofort verändert sich der Charakter des Motors. Der Unterschied ist deutlich: Der Klang wird kräftiger, doch noch auffälliger sind die Vibrationen, die nun am Lenkrad ankommen.

Im Normal-Modus ist vom Motor praktisch nichts zu spüren. Im Sport-Modus dagegen überträgt sich eine klar wahrnehmbare Vibration auf das Lenkrad.

Sie erinnert weder an die typischen Vibrationen eines Dieselmotors noch an die eines älteren Vierzylinders ohne Ausgleichswellen – unangenehm ist sie keineswegs. Für mich wirkt das vielmehr wie eine bewusst gesetzte sportliche Inszenierung. Allein das sorgt schon für mehr Herzklopfen.

Schalter im MINI JCW

Instrumente des MINI JCW

Tritt man kräftig aufs Gas, beschleunigt der MINI JCW mit Nachdruck. Als Fronttriebler scheint er die Kraft zum Teil elektronisch zu begrenzen, damit sie zuverlässig auf die Straße gelangt. Beschleunigung und Leistungsgefühl entsprechen wohl dem, was man von 231 PS erwarten darf.

Brutal ist der Antritt nicht, aber der JCW ist schnell genug, um bei sportlicher Fahrweise im Alltag kaum Wünsche offenzulassen.

Mit steigender Drehzahl liefert der Motor einen angenehm sportlichen Klang. In einer Zeit, in der viele Autos wegen der Geräuschvorschriften vor allem leise sein sollen, ist der Klang des JCW laut und präsent genug, um Freude zu machen.

Am meisten Spaß macht aber das Geräusch beim Hochschalten.

Bei jedem Gangwechsel über die Schaltwippen ertönt ein deutliches „Bumm!“. Dieses Geräusch kennt man auch vom Porsche PDK. Es vermittelt ein schön motorsportliches Gefühl und zaubert einem unwillkürlich ein Lächeln ins Gesicht.

Auch das Schalt-Tempo ist mehr als ausreichend. Besonders die Hochschaltungen gehen schnell vonstatten und stehen Doppelkupplungsgetrieben wie dem PDK kaum nach. Beim Zurückschalten scheint die Reaktion dagegen etwas verzögert.

Vielleicht fällt mir das nur deshalb auf, weil ich an das PDK gewöhnt bin. Dennoch würde eine schnellere Drehzahlanpassung in Verbindung mit dem zügigeren Herunterschalten das Verhältnis zur beeindruckenden Reaktion beim Hochschalten aus meiner Sicht stimmiger machen.

Wie sind Lenkung und Bremsen?

Kommen wir zum Handling: Kurz gesagt, der JCW „will in die Kurve“. Im Vergleich zu einem normalen Cooper D drängt er spürbar stärker Richtung Kurveninneres. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass sich der Lenkeinschlag nicht immer auf Anhieb präzise festlegen lässt – möglicherweise wegen des Antriebseinflusses in der Lenkung oder der elektronischen Regelung.

Während der Cooper D nahezu neutral lenkt, wirkt der JCW etwas übersteuernd abgestimmt.

MINI JCW

Der Wagen reagiert flink und zeigt sein Talent für schnelle Richtungswechsel. Dennoch gibt es Momente, in denen er sich leicht anders anfühlt, als man es als Fahrer erwartet, und kleine Lenkkorrekturen nötig werden. Mit etwas Vorsicht lässt sich die Abstimmung mit der eines italienischen Autos vergleichen – insbesondere mit einem Ferrari.

Der JCW hat einen gewissen Drang, die Lenkbewegungen des Fahrers noch um eine Extraportion Agilität zu ergänzen. Deshalb ist es nicht unbedingt das Auto, mit dem man lässig einhändig und pfeifend durch die Kurven fährt.

Stellt euch eher ein Fahrerlebnis vor, bei dem beide Hände am Lenkrad bleiben und man den temperamentvollen Wagen fest im Griff behält.

Genau in diese Richtung ist der JCW abgestimmt.

MINI-JCW-Emblem

MINI JCW

Das gilt auch bei höherem Tempo auf der Geraden. Der Tunnel auf der Royu Driveway ist wegen seiner welligen Fahrbahn ein idealer Ort für einen solchen Test. Statt satt und unbeirrt geradeaus zu laufen, reagiert der JCW auf Unebenheiten und verlangt dem Fahrer gelegentliche kleine Korrekturen ab.

In Kurven neigt sich die Karosserie spürbar, aber in angenehmem Maß. Das Fahrwerk ist nicht bretthart – wer beim Ausdruck „Go-Kart-Feeling“ an Kurvenfahrt ganz ohne Seitenneigung denkt, wird überrascht sein.

Beim „Go-Kart-Feeling“ des MINI geht es vor allem um seine Agilität.

Die Bremsen bekommen von mir eine sehr gute Note. Die Verzögerung ist kräftig, das Pedalgefühl überzeugend und die Bremsleistung lässt sich feinfühlig über den Pedaldruck dosieren. Die Bremsen gehören zu den wenigen, bei denen es tatsächlich Spaß macht, das Tempo mit dem Bremspedal zu regulieren.

Das erinnert mich durchaus an die Bremsen eines Porsche.

Fazit

Mein Eindruck nach der Fahrt: Der JCW bietet ausreichend Komfort für den Alltag und ist zugleich besonders agil abgestimmt. Am ehesten erinnert mich das Modell an den GTS bei Porsche.

Zunächst hatte ich mit einem Fahrgefühl wie in einem kompromisslos getunten Sportgerät gerechnet. So ist es aber nicht. Wer eine allzu harte Abstimmung nicht mag, kann also beruhigt sein.

MINI JCW

Wer dagegen vor allem Wert auf GT-Qualitäten legt – etwa auf hohe Geradeauslaufstabilität und ein natürliches Lenkgefühl –, ist mit einem normalen Modell vermutlich besser beraten. Der JCW dürfte vor allem zu Fahrern passen, die auf Passstraßen und kurvigen Strecken vor allem am Fahren selbst Spaß haben wollen, den Wagen aber zugleich im Alltag nutzen möchten.

Wer auch Trackdays ins Auge fasst, sollte sich eher die noch konsequenter ausgelegte Sonderserie John Cooper Works GP ansehen.

Der MINI JCW ist kein reinrassiger Sportwagen, sondern vielmehr „der perfekte sportliche Kleinwagen“. Diese Beschreibung trifft es meiner Meinung nach am besten.

Hiro

Ich bin Minas Ehemann. Ich fahre Autos nicht als Mode oder Statussymbol. Mir gefallen Wagen, die Spaß machen, als Industrieprodukt überzeugen und in denen man die Absicht der Macher spürt. Lange Touren sind meine Leidenschaft, und ein Auto zählt erst, wenn man es fährt. An freien Tagen reise ich mit unseren Wagen durch Japan. Im Blog schreibe ich vor allem Fahrberichte und Tourenberichte und kümmere mich um die Technik der Seite und ums Tuning.

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