Vom 12-jährigen Fahrverzicht zur Porsche-Fahrerin mit Schaltgetriebe
Veröffentlicht: 2020.08.18
Mehr als zehn Jahre ohne Fahrpraxis
Wenn mich etwas spontan begeistert oder ich mir genau vorstellen kann, was es mir in Zukunft bringt, handle ich meist sofort. Bei allem, was ich mir nicht konkret ausmalen kann und bei dem die Unsicherheit oder der Aufwand überwiegen, bin ich dagegen stur: Dann lasse ich es auf keinen Fall auf mich zukommen.
So sagte ich auch zum Autofahren lange konsequent Nein. Als jemand, der mehr als zehn Jahre lang kaum gefahren war, hatte ich schlicht Angst davor. Und selbst wenn andere sagten: „Autofahren macht Spaß“, konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, selbst am Steuer zu sitzen und Freude daran zu haben.
Der Weg von damals bis heute – wo ich den Spaß am Fahren entdeckt habe und sogar mit einem Schaltgetriebe an einem Porsche-Fahrtraining teilnehme – war alles andere als kurz. Wenn ich zurückblicke, verdanke ich das vor allem meinem Mann: Er hat geduldig und hartnäckig, jawohl, immer wieder versucht, mich anzuschubsen.
Mein Weg zur Fahrerin mit Schaltgetriebe
Voller Elan machte ich im ersten Studienjahr den Führerschein – allerdings nur für Automatikfahrzeuge. In den folgenden zwölf Jahren setzte ich mich vielleicht fünfmal ans Steuer. Bei einer dieser Gelegenheiten streifte ich auch noch den Automaten am Parkhauseingang. So blieb das Bild vom Autofahren als etwas Schwierigem und Beängstigendem lange bestehen.
Auch bei meinem ersten Arbeitgeber fuhren die Kolleginnen und Kollegen mit dem Auto zu Kundenterminen. Mein Vorgesetzter sagte jedoch zu mir:
„Wenn ich sehe, wie du dich im Alltag verhältst, bist du mir zu unsicher. Ich kann dich nicht ans Steuer lassen.“
Also war ich die Einzige, die mit Zug, Bus und zu Fuß zu den Terminen kam. (Taxis habe ich natürlich auch oft genommen.)
Nach dem Berufseinstieg zog ich in eine eigene Wohnung und suchte mir immer etwas in Bahnhofsnähe. Zur Arbeit und in der Freizeit war ich ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Ich vermisste dabei überhaupt nichts. Im Gegenteil: Während der Fahrt konnte ich am Laptop arbeiten, was ziemlich praktisch war. Ich dachte, dass ich wohl mein ganzes Leben lang kein Auto fahren würde.
Auch nachdem ich meinen Mann kennengelernt hatte, interessierte ich mich kein bisschen für Autos – obwohl er ein Autofan war. Selbst als er nach unserer Hochzeit meinte, es wäre besser, wenn ich fahren könnte, blieb ich am Steuer sitzen: nämlich gar nicht.

Unsere Autos damals
Als ich mit unserem ersten Kind schwanger war, fing mein Mann allerdings an, immer wieder auf mich einzureden:
Du musst langsam lernen, Auto zu fahren. Wir wohnen am Stadtrand, da kommt man überall nur mit dem Auto hin. Was machst du, wenn das Kind plötzlich Fieber bekommt und ins Krankenhaus muss? Rufst du dann jedes Mal ein Taxi? Du musst wirklich fahren lernen.
Da musste ich mir eingestehen: So betrachtet hatte er natürlich recht. Also raffte ich mich endlich auf und fuhr am Wochenende mit dem Auto zum Supermarkt in der Nähe. Vor lauter Anspannung war ich danach völlig erschöpft – obwohl die Fahrt nur zehn Minuten gedauert hatte. Nicht selten fuhr mein Mann auf dem Rückweg.
Eines Tages schrieb mir mein Mann von der Arbeit aus:
„Hol mich heute in Umeda ab.“ (Umeda ist ein zentraler Stadtteil von Osaka.)
„Was? Echt jetzt? Ich bin doch bisher nur zehn Minuten bis zum Supermarkt gefahren. Das schaffe ich doch nie!“ Wahrscheinlich habe ich genau das zurückgeschrieben. Aber ewig konnte ich mich nicht drücken. Also fasste ich mir ein Herz und fuhr mit dem damaligen Lieblingsauto meines Mannes, einem Mercedes-Benz SLK, los, um ihn abzuholen.
Meine erste Fahrt in die Innenstadt von Osaka war unglaublich aufregend. Vielleicht half es, dass der SLK eindeutig als Sportwagen zu erkennen war: Niemand drängelte sich rücksichtslos vor, und beim Spurwechsel ließ man mich oft einfädeln. So schaffte ich es tatsächlich bis nach Umeda.
Dieses Foto machte mein Mann damals:

„Meine Frau ist zum ersten Mal nach Umeda gefahren, um mich abzuholen. Ihre erste längere Fahrt allein.“
Moment mal – mitten auf der Straße parken geht natürlich gar nicht! (-_-) Das darf man wirklich nicht machen …
Trotzdem gab mir diese Fahrt Selbstvertrauen, und von da an fuhr ich nach und nach öfter. Letztes Jahr war es dann endlich so weit: Ich nahm mit einem Boxster mit Schaltgetriebe an einem Porsche-Fahrtraining teil. Mein Mann schrieb dazu in den sozialen Medien:
„Ich bin gekommen, um beim Fahrtraining meiner Frau zuzuschauen. Als wir uns kennenlernten, hatte sie überhaupt kein Interesse an Autos. Jetzt fährt sie sogar ein Auto mit Schaltgetriebe so souverän.“

Vertrauen in deutsche Autos
Mein Mann hat mir seine Autoleidenschaft nie aufgezwungen. Aber jedes Mal, wenn wir gemeinsam unterwegs waren, hieß es: „Fahr doch mal! Los, fahr!“
Ehrlich gesagt war das ganz schön hartnäckig (lacht). Jedes Mal sagte ich: „Nein, ich muss doch nicht unbedingt Auto fahren können!“ – bestimmt hunderte Male. Doch an seiner Überzeugung, dass es besser ist, wenn ich fahren kann, änderte sich nichts. Oft sagte er auch:
„Deutsche Autos sind wirklich anders als japanische. Auf der Autobahn liegen sie unglaublich stabil und lassen sich leicht fahren. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen.“
Mitunter setzte er mich dabei auch ins kalte Wasser, aber so schuf er immer wieder Gelegenheiten, bei denen ich mich ans Steuer setzte. Und tatsächlich: Als ich zum ersten Mal mit dem SLK auf der Autobahn fuhr, war ich überrascht, wie stabil er sich anfühlte. Vielleicht halfen mir solche Autos dabei, Vertrauen in das Fahrzeug zu entwickeln und mich Schritt für Schritt ans Fahren heranzutasten.
Trotzdem muss ich sagen: Mein Mann war wirklich erstaunlich ausdauernd damit, mich zum Fahren zu bewegen. Seine langjährige Überzeugungsarbeit hat sich am Ende jedenfalls ausgezahlt.
Einmal sagte ich zu ihm: „Du hast echt nicht aufgegeben und immer weiter auf mich eingeredet.“ Er antwortete: „Natürlich nicht. Ich meine es ernst!“ (lacht) Dass ich nicht nur irgendwann Auto fahren, sondern sogar einen Porsche-Blog schreiben würde, hätte wohl selbst er nicht erwartet. (Ich übrigens auch nicht.)
Nicht nur im Hinblick auf Autos möchte ich mir auch in Zukunft meine Neugier bewahren und immer wieder neue Türen öffnen.
Wenn Ihnen dieser Blog gefällt, folgen Sie ihm.


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