Porsche 356 Speedster im Fahrbericht: Hier begann die Geschichte der offenen Porsche
公開日:2021.10.24
Porsche 356 Speedster
Über den Porsche 356 habe ich bereits berichtet – damals war ich mit dem Coupé auf Probefahrt. Diesmal hatte ich die Gelegenheit, einen 356 Speedster zu fahren, und möchte meine Eindrücke mit euch teilen.
Bei dem Wagen handelt es sich um einen Porsche 356 A Speedster, Baujahr 1958. Wie ich herausgefunden habe, gab es den 356 als offenes Modell in drei Varianten: Cabriolet, Speedster und Roadster.


Der Wagen ist ein Speedster – und genau hier nahm die Geschichte dieser Modellvariante ihren Anfang, die bis heute fortlebt und auch beim 991 angeboten wurde. 1954 brachte Porsche den Speedster als leichtes, preisgünstiges Modell auf den Markt, um den Absatz in Nordamerika anzukurbeln.
Um Gewicht zu sparen, hielt Porsche Innenraum und Karosserie so schlicht wie möglich. Mit einem Preis von 2.995 US-Dollar bei Abholung in New York war der Speedster damals das günstigste Porsche-Modell.
Wenn man heute an einen „Speedster“ denkt, hat man meist ein teures Sondermodell vor Augen, das gegen Ende einer Modellreihe erscheint. Ursprünglich war der Speedster jedoch eher eine preiswerte Variante.
Ich selbst kannte den Wagen zunächst aus dem Film „Top Gun“ mit Tom Cruise. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Auto der Fluglehrerin. Als ich den Film zum ersten Mal sah, wusste ich nicht, dass es ein Porsche war. Ich erinnere mich noch genau an meinen Gedanken: „Was ist das für ein cooler klassischer Roadster?“
Später erfuhr ich, dass es sich um einen Porsche 356 Speedster handelte. Seitdem hat mich dieses Auto nicht mehr losgelassen.
Das hier gezeigte Exemplar ist im originalen Farbton Speedsterblau lackiert. Sein leuchtendes Blau sieht fantastisch aus und unterstreicht zusammen mit der niedrigen Windschutzscheibe den sportlichen Auftritt. Sein Spitzname lautet „Badewanne“. Bei Regen soll sich der Innenraum nämlich schnell in eine solche verwandeln.
Der erste Eindruck
Ich starte den Motor, lasse die Kupplung kommen und fahre los. Im Stand läuft der Motor zunächst nicht ganz rund, sodass er beinahe ausgeht. Sobald der Wagen aber rollt, zeigt er sich völlig unkompliziert.
Mein erster Gedanke: „Die Karosserie fühlt sich erstaunlich steif an.“ Bei einem offenen Sportwagen aus den 1950er-Jahren hätte ich selbst von einem Porsche ein deutlich weniger solides Fahrgefühl erwartet. Diese Vermutung wurde jedoch – im besten Sinne – widerlegt.

Auch in mehreren Kurven wirkt der Wagen ausgesprochen stabil, und der Kontakt zur Straße ist jederzeit gut spürbar. Der Motor leistete ursprünglich 75 PS, doch in diesem Exemplar wurde ein Aggregat mit 90 PS eingebaut – von fehlender Leistung kann also keine Rede sein. Selbst dort, wo ein japanischer Kei-Sportwagen ins Schwitzen kommen könnte, beschleunigt der 356 ganz selbstverständlich. Das Gefühl, sich mit zu wenig Leistung abmühen zu müssen, bleibt aus.
Auch wenn der 356 einen Heckmotor hat, fährt er sich nicht wie ein 911 – das hatte ich schon in meinem Fahrbericht zum Coupé erwähnt. Man hat kaum das Gefühl, hinten viel Gewicht mit sich herumzutragen. Fast könnte man von einem Mittelmotor-ähnlichen, natürlichen Fahrgefühl sprechen. Der Wagen lässt sich ausgesprochen leicht fahren.

Der Besitzer meinte, der Wagen könne sich leicht und etwas heikel anfühlen. Bei entspanntem Tempo vermittelte er mir jedoch sogar ein Gefühl von Sicherheit.
Das Lenkrad ist groß und sehr dünn; zum Lenken braucht man ordentlich Kraft. Von mühelosem Fahren kann also keine Rede sein. Dafür gibt der Wagen dem Fahrer viel Rückmeldung. Seine Reaktionen auf Lenk- und Gaspedalbewegungen sind gut nachvollziehbar, sodass man leicht in einen Dialog mit dem Auto kommt.
Die absoluten Leistungswerte mögen bescheiden sein, doch man spürt, dass man sich auf den Wagen verlassen kann. Genau dieses Vertrauen dürfte bei mir das Gefühl von Sicherheit ausgelöst haben.
Ein Motorrad von Porsche

Der pulsierende Motor und sein Klang, wenn man im zweiten oder dritten Gang mit gleichmäßigem Tempo dahinrollt, sind einfach großartig. Der Motor sitzt direkt hinter einem, ohne trennende Barriere – sein Sound ist ein Genuss. Und weil der Wagen offen ist, kommt der Klang auch von oben. Je nach Geschwindigkeit verändert sich das Echo der Umgebung auf faszinierende Weise. Durch die niedrige Windschutzscheibe streicht einem der Wind ungehindert über den Kopf; das Gefühl, richtig schnell unterwegs zu sein, kommt ebenfalls nicht zu kurz.
Das ist im Grunde ein Motorrad.
Ich habe den Boxster schon einmal als „Motorrad von Porsche“ bezeichnet. Der Speedster ist gewissermaßen der Ursprung dieses Konzepts – und das Motorradgefühl ist hier noch ausgeprägter.
Das Fahrwerk liegt vergleichsweise stabil auf der Straße. Die Reifen haben jedoch eine hohe Flankenhöhe und geben bei stärkerer Belastung stellenweise spürbar nach. Wer moderne Autos gewohnt ist, muss sich daran erst gewöhnen. Trotzdem fährt sich der Speedster erstaunlich gut für ein Auto, das mehr als 50 Jahre auf dem Buckel hat.

Was mich bei klassischen Porsche-Modellen immer wieder überrascht, ist ihre bessere als erwartete Spurtreue bei hohem Tempo. Manchmal frage ich mich bei modernen japanischen Kleinwagen ganz ehrlich: „Wurden die wirklich mit heutiger Technik entwickelt?“ Denn manche wirken bei hoher Geschwindigkeit wenig stabil. Im Vergleich dazu liegt ein Porsche, der über 50 Jahre alt ist, deutlich ruhiger auf der Straße.
Der Besitzer erzählte mir, dass er kürzlich rund 400 Kilometer mit dem Wagen zurückgelegt hatte – völlig problemlos. Man muss den deutschen Autobauern Respekt zollen: Schon damals konstruierten sie ihre Autos mit Blick auf lange Strecken.
Ein weiterer großer Unterschied zu klassischen 911-Modellen zeigt sich bei den Bremsen. Selbst ältere 911er vermitteln noch eine ordentliche Bremswirkung. Beim 356 hingegen merkt man die Trommelbremsen: Ihre Wirkung ist alles andere als kräftig. Auch das Bremspedal verlangt einiges an Kraft. Nur wenn man es entschlossen durchtritt, verzögert der Wagen ausreichend.

Doch vor diesem Auto werden solche technischen Fragen plötzlich nebensächlich.
Man schwingt sich auf den Fahrersitz, schließt die Tür mit einem leichten Ruck und fährt los, ohne lange auf die Betriebstemperatur zu warten. Wind und Licht, Landschaft und Motorgeräusch – man muss einfach nur weiterfahren, und der Wagen macht jede Ausfahrt zu einem besonderen Erlebnis.
Heute ist der Speedster ein seltener und äußerst teurer Klassiker. Ursprünglich aber war er ein Auto, das man ganz ungezwungen im Alltag fahren und genießen sollte – wie ein Motorrad.
Genau diesen Eindruck hat mir diese Probefahrt besonders deutlich vermittelt.
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