2 Monate mit dem 987 Boxster Spyder: Leichtigkeit und Sound, die echtes Porsche-Feeling vermitteln

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Tests & Fahrberichte

Seit 2 Monaten bei uns: fast 3.000 Kilometer gefahren

Seit der 987 Boxster Spyder bei uns eingezogen ist, sind etwas mehr als zwei Monate vergangen.
Der Kilometerzähler nähert sich bereits der Marke von 3.000 Kilometern. Eine erste Einschätzung auf Basis einer Probefahrt hatte ich über dieses Auto schon einmal geschrieben. Doch wenn man sich im Alltag mit dem eigenen Wagen beschäftigt, zeigt er sich von einer ganz anderen Seite.

Zeit also, meine Eindrücke noch einmal festzuhalten.

Mein erster Eindruck: Dieses Auto ist einfach unglaublich leicht. Ein leichter, agiler Porsche – treffender lässt es sich kaum sagen.
Und inzwischen fühlt er sich sogar noch leichter an. Bei der Auslieferung waren die in Japan serienmäßigen 19-Zoll-Sport-Design-Räder montiert. Diese habe ich gegen die exklusiv für den Boxster Spyder entwickelten Räder der deutschen Ausführung getauscht.

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Diese Räder unterscheiden sich stärker von der japanischen Ausführung, als ich erwartet hatte. Bei der deutschen Version sind die Felgen sowohl vorn als auch hinten jeweils einen halben Zoll breiter; außerdem ist die Einpresstiefe etwas geringer, sodass die Räder weiter nach außen rücken. Durch die größere Felgenbreite sitzt der Reifen etwas gestreckter, und die Aufstandsfläche wird geringfügig breiter. Dazu kommt: Die eigens für den Spyder entwickelten Räder sollen pro Stück 1 bis 1,5 Kilogramm leichter sein. Den Unterschied spürt man schon beim ersten Anrollen. Die Lenkung geht bei niedrigen Geschwindigkeiten spürbar leichter, fast so, als hätte der Porsche eine Servolenkung Plus. Das Abrollen wirkt ausgesprochen agil.

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Auf holprigen Straßen fällt der Komfort bei sehr niedrigem Tempo mit den deutschen Rädern etwas unruhiger aus. Wirklich negativ empfinde ich das aber nicht. Auf der Autobahn und auf ebenen Straßen zeigt sich dafür ihre große Stärke: Mit zunehmendem Tempo liegt der Wagen äußerst stabil und gleitet geradezu geschmeidig dahin. Grundsätzlich gilt hier dasselbe wie beim Unterschied zwischen Porsche Ceramic Composite Brake (PCCB) und einer schwereren Bremsanlage: Wird die ungefederten Masse reduziert, kann das Fahrwerk auf Unebenheiten bei sehr niedrigem Tempo etwas unruhiger reagieren. Auf glattem Asphalt und bei höherem Tempo nehmen dagegen Stabilität und Komfort zu.

Mit zunehmendem Tempo wird die Lenkung messerscharf

Bei niedrigen Geschwindigkeiten ist die Lenkung des 987 Spyder nicht besonders scharf abgestimmt.
Sie wirkt eher mild. Im Vergleich zu den GT3-Modellen kann sie sich im Stadtverkehr sogar etwas träge anfühlen. Wer nur durch die Stadt fährt, wird deshalb kaum einen großen Unterschied zu einem normalen Boxster oder Cayman feststellen. Doch sobald das Tempo auf 40 oder 50 km/h steigt, wandelt sich die Lenkung: Sie wird präzise bis ins Detail. Auch andere Boxster und Cayman dürften grundsätzlich ähnlich abgestimmt sein – beim Spyder ist dieser Wandel jedoch besonders deutlich spürbar.

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Auf kurvigen Landstraßen ist er ganz in seinem Element.
Die Rückstellkräfte der hydraulischen Lenkung und das Gefühl, wie sie den Wagen wieder geradeaus führen will, sind einfach herrlich. Der Zustand der Straße und der Reifen lässt sich förmlich mit den Händen ertasten. Jede Kurve macht Spaß. Wie ein Kreisel dreht sich der Wagen flink in die gewünschte Richtung – ein unvergleichliches Gefühl. Dank des geringen Gewichts hält sich die Seitenneigung in Grenzen, und der Spyder zieht seine Kurven mit niedrigem Schwerpunkt. Man sitzt gefühlt tief, direkt hinter den Vorderrädern. Diese intensive Verbindung zum Auto ist ein Niveau, das die neuesten Porsche-Modelle nicht mehr bieten können.

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Mehr Porsche als ein aktueller 911?

Wenn ich über Boxster oder Cayman schreibe, höre ich oft: Ein Porsche, das ist doch ein 911.
Solche Kommentare bekomme ich regelmäßig.

Doch als jemand, der 911er aus allen Generationen gefahren ist, sehe ich die neueren Modelle inzwischen etwas anders. Das besondere Fahrgefühl eines heckmotorisierten, heckgetriebenen 911 ist bei den aktuellen Modellen fast verschwunden. Von den luftgekühlten Generationen bis hin zu 996 und 997 war das Heck deutlich schwerer – und genau das machte den typischen 911-Charakter aus. Der heutige 911 hat sich so weit weiterentwickelt, dass er sich für mich beinahe wie ein anderer Porsche anfühlt.

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Damit will ich nicht sagen, dass sich der 987 Boxster Spyder wie ein 911 fährt.
Aber das klassische Porsche-Fahrgefühl ist in ihm deutlich stärker erhalten geblieben. Genau das dürfte auch der Grund sein, warum so viele Autojournalisten und Porsche-Enthusiasten von diesem Modell schwärmen. Der Chef des Autohauses, bei dem ich den Wagen gekauft habe, sagte ebenfalls: „Das ist echtes Porsche-Fahrgefühl.“ Es gibt die Redewendung, man könne einen Porsche „anziehen“ – in diesem Auto versteht man, was damit gemeint ist.

Übersetzung von 2. und 3. Gang – und ein Flat-Six live

Das besondere Fahrgefühl kommt nicht allein von der Lenkung.
Auch die Übersetzung und der Klang tragen ihren Teil dazu bei. Die Gänge zwei und drei sind anders übersetzt als beim 981 und den späteren Modellen und nicht übermäßig lang. Dadurch kann man auch auf öffentlichen Straßen die Drehzahl genießen. Besonders der dritte Gang passt perfekt: Schon bei entspannten 4.000 bis 5.000 U/min macht das Fahren einfach Freude. Dieses Gefühl ist in aktuellen Modellen nur noch selten zu erleben.

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Dieses Exemplar ist außerdem mit einer Sportabgasanlage ausgestattet. Aktiviert man sie, erklingt ein herrlicher Sound. Es gibt kein aufdringliches Knallen und Blubbern, aber auch nichts, was künstlich klingt. Am ehesten fühlt es sich an, als würde man einem Flat-Six live zuhören. Der Klang ist gleichmäßig und sauber abgestimmt – und bleibt auch nach stundenlanger Fahrt angenehm für die Ohren. Agilität, eine intensive Verbindung zum Auto und dieser Sound: Zusammen ergibt das für mich einen der besten Porsche überhaupt. Wobei ich das wohl schon wusste, als ich ihn gekauft habe.

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Ein Auto, das sofort Vertrauen schafft

Meine Frau hat den Spyder einmal mit einem besonders schönen Satz beschrieben:
„Ein liebes Auto, das schnell Vertrauen zu einem fasst.“ Als sie früher einmal einen Mazda Roadster fuhr, sagte sie, dieses Auto schließe sofort Freundschaft mit der Person am Steuer. Gemeint war: Selbst beim ersten Einsteigen lässt es sich wie das eigene Auto fahren, ohne dass man sich als Fahrer erst darauf einstellen oder verkrampfen muss. Für den 987 Spyder fand sie dieselben Worte.

Ich kann gut nachvollziehen, was sie meint. Schon bei meiner ersten Probefahrt fühlte sich der Spyder an wie ein Auto, das ich seit zehn Jahren kenne. Er lenkt, beschleunigt und bremst genau so, wie man es erwartet. Die Schalensitze sind etwas kleiner und die Sitzposition etwas höher als bei der 991-Generation oder den neuesten Modellen. Für meine Statur passt das jedoch perfekt und erleichtert es mir, eine ideale Sitzposition zu finden. Auch meine Frau findet den Wagen angenehm zu fahren.

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Auch die Sitze habe ich vor Kurzem überarbeiten lassen. Dafür habe ich in Großbritannien Sitzpolster mit Pepita-Muster bei einem Spezialisten bestellt. Der Stoff wurde auf neuen Original-Schaumstoff aufgezogen. Das Ergebnis: mehr Sitzkomfort und kein durchgesessenes Polster mehr. Gleichzeitig wirkt der Innenraum nun viel lebendiger; der zusätzliche Heritage-Touch unterstreicht den klassischen Charme des Porsche.

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Sitzpolster mit Pepita-Muster

Wenn Sie ein gut erhaltenes Exemplar finden: Fahren Sie es

Seine Stärken spielt der Spyder auf kurvigen Landstraßen und auf Touren aus.
Das heißt nicht, dass er sich in der Stadt nicht eignet. Der Fahrkomfort ist keineswegs schlecht, und im normalen Verkehr lässt er sich problemlos bewegen. Wer aber hauptsächlich durch die Stadt fährt, ist mit einem serienmäßigen 981 oder 718 vermutlich komfortabler unterwegs. Dasselbe gilt natürlich für den normalen 987. Der Spyder wurde konsequent auf kurvige Strecken und Touren abgestimmt. Sobald man Kurven mit etwas mehr Tempo nimmt, passt die Abstimmung plötzlich perfekt – dann zeigt sich, was wirklich in diesem Auto steckt.

Das Verdeck war von Hand zu bedienen; Klimaanlage und Audiosystem fehlten. Diese kompromisslose Ausstattung machte den Spyder damals wenig beliebt. Obwohl das Modell nicht limitiert war, wurden weltweit nur 1.667 Exemplare produziert. Inzwischen wird der Wagen ganz anders geschätzt und taucht auf dem Gebrauchtwagenmarkt nur äußerst selten auf. Wenn überhaupt, stehen dort meist nur ein oder zwei Exemplare. Man hört sogar, dass es in Japan weniger als 100 gibt.

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Wenn Sie also ein gut erhaltenes Exemplar finden, kann ich Ihnen nur zum Kauf raten. Allerdings unter einer Bedingung: Kaufen Sie ihn nicht als Spekulationsobjekt oder Sammlerstück, sondern um ihn zu fahren. Ohne gefahren zu werden, verliert dieses Auto seinen Sinn. Ich bin überzeugt, dass die Freude am Fahren die Lebensqualität viel sicherer steigert, als auf einen Wertzuwachs zu warten und den Wagen mit Gewinn zu verkaufen. Dieser Porsche ist so außergewöhnlich, dass er in die Geschichte eingehen wird.

Zum Schluss möchte ich noch die Eindrücke eines Freundes teilen, der viele Porsche gefahren ist und heute unter anderem einen 997 GT3, einen 991 GT3 und einen 993 besitzt. So beschreibt er seine Probefahrt:

⁡⁡Ich bereue es inzwischen ein wenig, den 987 Boxster Spyder probegefahren zu haben.
Vielleicht habe ich damit die „Redpill“ (rote Pille) gewählt.
Von diesem Auto gibt es weltweit nur rund 1.600 Exemplare – entsprechend selten bekommt man überhaupt die Gelegenheit zu einer Probefahrt.
Sein Auftritt ist eher zurückhaltend. Es fehlen die eingängigen Schlagworte wie luftgekühlter Motor, Metzger-Motor oder 9.000 U/min. Stünde er neben einem 911 oder einem anderen Boxster, würden viele wohl einfach an ihm vorbeigehen.
Doch schon beim Öffnen der Tür verändert sich alles. Die ultraleichte Aluminiumtür fühlt sich besonders an.
Motor starten, Sportabgasanlage einschalten, in den ersten Gang schalten – und schon erklingt eine wunderbare Stimme, die von niedrigen bis hohen Drehzahlen trägt. Selbst in langsam gefahrenen Kurven nimmt der Wagen eine spürbar andere, geradezu satt haftende Haltung ein als ein 911.
Mit nur teilweise geöffnetem Verdeck – wie mit einer Art „Tarp“ hinter den Sitzen – zu fahren, ist eine völlig andere Welt, als beim normalen Boxster lediglich die Fenster zu öffnen.
Die ganze Probefahrt über hatte ich ein Lächeln im Gesicht. Und selbst einen Tag später war das Gefühl noch nicht aus meinem Körper verschwunden.
Ich hätte lieber die „Bluepill“ genommen und es nie erfahren sollen.⁡

torsche993

Hiro

Ich bin Minas Ehemann. Ich fahre Autos nicht als Mode oder Statussymbol. Mir gefallen Wagen, die Spaß machen, als Industrieprodukt überzeugen und in denen man die Absicht der Macher spürt. Lange Touren sind meine Leidenschaft, und ein Auto zählt erst, wenn man es fährt. An freien Tagen reise ich mit unseren Wagen durch Japan. Im Blog schreibe ich vor allem Fahrberichte und Tourenberichte und kümmere mich um die Technik der Seite und ums Tuning.

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