Porsche 911 (992) im Test: Wie fährt sich der neue Elfer auf Landstraßen? [Teil 2]
公開日:2020.03.08
Im Anschluss an den Porsche 911 (992) im Test [Teil 1] folgt heute der zweite Teil unseres Fahrberichts.
Porsche 911 (992) im Test
Kurvige Landstraßen im Sport- und Sport-Plus-Modus
Ich schalte in den Sport- und anschließend in den Sport-Plus-Modus und wechsle auch die Schaltung in den manuellen Modus. Die Klappen der Sportabgasanlage öffnen sich, der Auspuffsound wird voller. Doch der Lautstärkeunterschied fällt weniger deutlich aus als die Veränderung des Klangbilds.

Als ich später den zuständigen Mitarbeiter beim Händler frage: „Der Lautstärkeunterschied zwischen ein- und ausgeschalteter Sportabgasanlage ist diesmal gar nicht so groß, oder?“, antwortet er:
„Das liegt daran, dass Sie den 981 Boxster GTS und den V8 mit vier Litern Hubraum kennen. Bei denen ist der Unterschied wohl einfach besonders groß.“
Vielleicht setzen die Hersteller angesichts der aktuellen Lärmschutzvorschriften inzwischen stärker auf Veränderungen im Klang als auf mehr Lautstärke, um einen sportlichen Eindruck zu vermitteln.
Im normalen Fahrmodus schaltet das PDK über die Schaltwippen mit einer kurzen Verzögerung. Im Sport-Plus-Modus dagegen erfolgen die Gangwechsel blitzschnell. Das PDK schaltet spürbar schneller als im Panamera der Baureihe 971.
Die Reaktionsgeschwindigkeit kommt der des PDK Sport im 991 GT3 sehr nahe – dessen Ansprechverhalten ist schlicht beeindruckend. Natürlich ist das mein subjektiver Eindruck, aber meines Erachtens schaltet das PDK des 992 im Sport-Plus-Modus „schneller als im McLaren 720S, Ferrari 488, Lamborghini Huracán und Nissan GT-R“.
Auf kurvigen Landstraßen macht es einfach Spaß: Die Gänge wechseln knackig, begleitet von einem satten „Bumm!“ beim Schalten.

Porsche investiert vermutlich außerordentlich viel Geld und Leidenschaft in die Entwicklung des PDK. Im Vergleich zu den Wettbewerbern scheint die Performance des Getriebes für mich deutlich herauszuragen.
Auch bei ausgeschalteter Sportabgasanlage klingt der Motor durchaus kernig. Selbst im geschlossenen Coupé mit hochgefahrenen Fenstern ist der Motor gut zu hören. Meine Erinnerung ist zwar nicht mehr ganz frisch, aber der Klang kommt mir präsenter vor als im 991.1 Carrera 4S und im 991.2 Carrera Cabriolet, die ich früher einmal gefahren bin.
Leistungseindruck
Der 3,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit Turboaufladung leistet 450 PS. Schnell ist er allemal, und an Leistung mangelt es zu keiner Zeit. Doch seine Kraft ist nicht so überwältigend, dass sie sich nur schwer beherrschen ließe. Ich bin allerdings die Leistung des GT3 und des Panamera Turbo gewohnt – meinen Eindruck sollte man also nicht für bare Münze nehmen. Jedenfalls hatte ich nicht das Gefühl, „zu viel Leistung zu haben und sie nicht nutzen zu können“.

Schon bei niedrigen Drehzahlen liegt reichlich Drehmoment an, und bei normaler Fahrweise ist praktisch kein Turboloch spürbar. Der Motor wirkt kräftig und zugleich ausgesprochen gut beherrschbar.
Andererseits ist er, etwas zugespitzt formuliert, so makellos, dass er nicht besonders lange im Gedächtnis bleibt. Während ich diese Zeilen schreibe, versuche ich, mir seine besonderen Merkmale ins Gedächtnis zu rufen. Doch hängen geblieben ist vor allem der Eindruck eines drehfreudigen, leistungsstarken und hervorragenden Motors, der sich sehr angenehm fahren ließ.
Wer sowohl das Basismodell Carrera mit 385 PS als auch den Carrera S gefahren ist, berichtet, dass der Leistungsunterschied bei normaler Fahrweise nicht so groß wirkt, wie die Zahlen vermuten lassen. Auch beim Klang seien kaum Unterschiede festzustellen. Bei höheren Drehzahlen fühle sich der S dagegen kraftvoller an und drehe freier hoch.
Kurvenverhalten und Fahrwerk
In einer Folge von Kurven ist der Kontakt der Reifen zur Fahrbahn jederzeit klar spürbar. Auch die Rückmeldung darüber, was die vier Räder gerade tun, ist hervorragend – sogar deutlicher als beim Vorgängermodell. Unsicherheit kommt überhaupt nicht auf; man kann förmlich fühlen, wohin die Reifen zeigen.

In Kurven, in denen beim GT3 das Heck leicht ausbricht, wenn man kräftig Traktion aufbaut, probiere ich dasselbe mit dem Carrera 4S. Doch der Allradantrieb zeigt, was er kann: Vermutlich wird das Drehmoment blitzschnell an die Vorderräder geleitet. Der Wagen verlässt die Kurve völlig unbeeindruckt und mit beeindruckender Stabilität.
Wer den Wagen mit viel Bewegung und einem spielerischen Heck erleben möchte, wird mit dem 992 – insbesondere dem Carrera 4S – auf öffentlichen Straßen kaum auf seine Kosten kommen. Für mich ist er vielmehr ein „bei jedem Wetter schnell und sicher fahrender Gran Turismo“.
Der Testwagen ist mit dem serienmäßigen Fahrwerk mit PASM ausgestattet, nicht mit dem PASM-Sportfahrwerk. Im Normalmodus ist der Fahrkomfort sehr gut. Auf größeren Unebenheiten bewegt sich die Karosserie zwar etwas, aber das bleibt vollkommen im Rahmen. Kaum jemand dürfte das Fahrwerk als unkomfortabel empfinden.
Im Sportmodus strafft sich das PASM spürbar. Der Unterschied fällt für mich deutlicher aus als beim PASM des 991. Auf langsam überfahrenen Unebenheiten werden die Stöße stärker, und der Komfort ist etwa mit dem PASM im Normalmodus eines GT3 mit PCCB vergleichbar, vielleicht sogar etwas weicher.
Mit PASM im Sportmodus nehme ich eine mittelschnelle Kurve. Das Fahrwerk vermittelt weiterhin dieses satte, haftende Gefühl – als würden sich die Reifen förmlich an die Fahrbahn klammern. Der Wagen liegt unglaublich stabil; auch nur der kleinste Anflug von Unsicherheit bleibt aus.

Das ist weder die brachiale Präzision, mit der sich ein GT3 durch die Kurve fräst, noch die spielerische Leichtigkeit eines Boxsters, der wie mit dem Zirkel eine Linie zieht. Der 992 liegt genau dazwischen – vielleicht ein wenig näher am GT3. Vor allem aber fährt er die Kurven völlig mühelos und ohne jede Abweichung.
Auch hier wirkt der 992 fast schon zu perfekt. Um sein wahres Potenzial kennenzulernen, müsste man ihn wohl auf die Rennstrecke bringen.
Der Testwagen hatte übrigens erst rund 5.000 Kilometer auf dem Tacho. Es ist also gut möglich, dass sich der Fahrkomfort mit zunehmender Laufleistung noch verbessert. Meiner Erfahrung nach werden Porsche-Fahrwerke etwa ab 15.000 bis 25.000 Kilometern besonders geschmeidig. Ich würde daher gern noch einmal einen etwas weiter eingefahrenen 992 fahren.
Fazit zum neuen Porsche 911 (992)
Nach der ausgiebigen Probefahrt bin ich auf dem Rückweg plötzlich auf etwas aufmerksam geworden: Ich hatte mich an den Wagen gewöhnt und fuhr ganz selbstverständlich, ohne jedes Fremdeln, wie in „meinem gewohnten Porsche“. Für einen Moment hatte ich sogar vergessen, dass es sich um einen Testwagen handelte.
Dass ich mich so schnell zu Hause fühlte, ist für mich der Beweis, dass auch der 992 ohne Zweifel ein echter Porsche ist.

Bei vielen anderen Herstellern hat man nach einem Modellwechsel den Eindruck, ein völlig anderes Auto vor sich zu haben. Beim 911 bleibt der 911 dagegen auch nach einem Modellwechsel unverkennbar ein 911. Er ist einfach zu fahren, leistungsstark und nahezu perfekt – doch Fahrgefühl, Bedienung und Charakter sind ganz klar die eines 911.
Für mich wirkt der neue 911, als wäre ein luftgekühlter Porsche mit moderner Technik leistungsfähiger, umweltfreundlicher und sicherer wiederauferstanden. Natürlich fährt er sich ganz anders als ein luftgekühlter Porsche und ist erheblich einfacher zu bewegen.
Doch beim Design innen wie außen, beim Motorensound und beim gesamten Fahrgefühl scheint der 992 klassische Porsche-Merkmale stärker aufzugreifen als seine Vorgänger – auch wenn manches davon etwas künstlich inszeniert wirkt.

Außerdem habe ich den Eindruck, dass der 992 noch stärker zum Gran Turismo geworden ist als seine Vorgänger. Für lange Touren und im Alltag dürfte er sich noch besser eignen und weniger ermüdend sein als der 991. Vermutlich möchte Porsche die Carrera-Basismodelle und die GT-Modelle künftig noch klarer voneinander abgrenzen. Bis die GT-Varianten vorgestellt werden, dürfte es zwar noch eine Weile dauern – auf die kommenden Modelle bin ich aber schon jetzt gespannt.
Nach der Probefahrt dachte ich: Auch wenn ich bereits einen Taycan bestellt habe, wäre ein 992 als Übergang bis zu dessen Auslieferung keine schlechte Wahl. Mal sehen, wie unsere Entscheidung für den nächsten Wagen zu Hause ausfällt.
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