Mercedes-Benz R231 SL 400 im Test: Die Essenz des Grand Tourings und der Reiz des Offenfahrens
公開日:2025.10.02
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Im ersten Teil haben wir die Vorzüge des Active Body Control und des 276er-Motors im R231 SL 400 vorgestellt. Im zweiten Teil werfen wir einen genaueren Blick auf die Lenkcharakteristik, die Autobahnqualitäten und den Komfort des Roadsters bei geöffnetem Verdeck – also auf seine wahren Stärken.
Nach rund 1.000 Kilometern am Steuer wurde mir klar, wie ausgereift dieser Wagen als Grand Tourer ist. Er ist mehr als ein Fortbewegungsmittel: Mit ihm wird das Fahren selbst zum Ziel. Genau diesen besonderen Reiz konnte ich in vollen Zügen erleben.
Die Essenz der Mercedes-Lenkcharakteristik
Das Lenkverhalten des SL 400 ist ganz und gar „typisch Mercedes“. Seine herausragende Geradeauslaufstabilität ist besonders beeindruckend: Der Wagen scheint stets wie von selbst geradeaus fahren zu wollen. Auf der Autobahn zeigt sich diese Eigenschaft besonders deutlich.
Bei diesem ausgeprägten Geradeauslauf könnte man vermuten, dass der SL in Kurven stark zum Untersteuern neigt. Doch genau hier zeigt sich die Raffinesse von Mercedes: Der Wagen folgt präzise dem Lenkeinschlag. Diese Verlässlichkeit, mit der er die Absichten des Fahrers nie enttäuscht, ist wohl Ausdruck der Sicherheitsphilosophie von Mercedes.

Anders als bei der emotionalen Lenkung eines Porsche oder BMW setzt der SL die Fahrerwünsche unaufgeregt und konsequent um. Diese Abstimmung lässt sich als Ergebnis einer konsequent auf die Vermeidung kritischer Situationen ausgelegten Entwicklung verstehen. Der SL ist zwar kein Auto, mit dem man auf der Rennstrecke bis ans Limit gehen möchte, doch für schnelle, komfortable und sichere Langstreckenfahrten ist sein Charakter ideal.
Einige Porsche-Fahrer durften den SL ebenfalls ausprobieren – und alle waren begeistert. Besonders im Sport-Modus macht das Fahren großen Spaß und weckt den Wunsch, immer weiterzufahren. Vielleicht ist genau das die Essenz eines Grand Tourers.
Für die Autobahn gemacht: Der SL als souveräner Langstreckenwagen
Auf der Autobahn kommt die Ruhe der Active Body Control noch deutlicher zur Geltung.
Das System sorgt für ein Maß an Stabilität, das mit einer herkömmlichen Federung kaum zu erreichen wäre. Roland, der auf YouTube über seinen R231 SL 65 spricht, bezeichnete dessen ruhigen Geradeauslauf als „einem Rolls-Royce Wraith ebenbürtig“. Genau diesen Eindruck hatte auch ich.

Mit zunehmender Geschwindigkeit senkt ABC automatisch die Karosserie ab und verbessert so die Straßenlage. Im Sport-Modus über die Autobahn zu gleiten, ist ein echtes Vergnügen. Bei Renntempo dürfte ein Porsche überlegen sein. Doch wenn es darum geht, die Strecke von Osaka nach Tokio ohne Pause und ohne Ermüdung zurückzulegen, gibt es nur wenige Autos, die es mit dem SL aufnehmen können.
Für einen SL, der auf deutschen Autobahnen zu Hause ist, ist selbst Japans Autobahn – auf deutlich niedrigerem Tempo unterwegs – ein Kinderspiel.
Vor mehr als 20 Jahren war ich mit meinem Audi TT Coupé flott auf der Überholspur der Tōmei-Autobahn unterwegs, als plötzlich ein R230 SL 500 von hinten auftauchte und mich vermutlich mit mehr als 200 km/h rechts überholte. Die souveräne Fahrt des SL ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Dieser pfeilgerade Geradeauslauf ist eine der großen Stärken des SL.
Seine hohe Autobahnstabilität weckt die Lust auf lange Tagesetappen von 500 Kilometern und mehr. Wenn ich auf der Autobahn unterwegs bin, bekomme ich unweigerlich den Wunsch, noch weiterzufahren.
Komfort bei offenem Verdeck und hochwertige Sitze
Die Sitze des SL 400 sind zwar nicht mit Massage- oder dynamischen Sitzfunktionen ausgestattet, wie sie die höher positionierten Modelle SL 550 und die AMG-Versionen bieten, überzeugen aber dennoch mit hoher Qualität. Die kräftige Polsterung und die vielfältigen Einstellmöglichkeiten sorgen dafür, dass auch lange Fahrten nicht ermüden. Die Sitzbelüftung ist gemessen am damaligen Technikstand nur begrenzt wirksam. Doch Sitzheizung und AIRSCARF – warme Luft für den Nacken – machen auch Fahrten mit offenem Verdeck im Winter angenehm.
Bei geöffnetem Verdeck gibt es deutlich weniger Luftverwirbelungen als im Boxster – für einen offenen Wagen sogar ausgesprochen wenig. Zusammen mit dem hinteren Windschott steigt der Komfort noch weiter, sodass auch Autobahnfahrten problemlos möglich sind. An den Komfort eines 911 Cabriolet mit hochgestelltem Windschott kommt der SL zwar nicht ganz heran, doch offen auf der Autobahn zu fahren, ist ohne Weiteres drin.

Das Windschott fährt sich bequem per Knopfdruck automatisch hoch – auch das ist im Alltag ein echter Pluspunkt. Offen zu fahren, beschert einem ein besonderes Erlebnis, das in dieser Form nur der SL bietet.
Einen Kritikpunkt gibt es allerdings: die Klangqualität des Audiosystems.
In der japanischen Ausführung ist der SL 400 nicht mit dem Harman/Kardon-System der höher positionierten Modelle ausgestattet, sondern mit einem einfachen serienmäßigen Audiosystem mit acht Lautsprechern. Dessen Klangqualität ist ausgesprochen schlecht. Ich habe mich nie besonders für Car-Hi-Fi interessiert, aber selbst ich finde den Klang enttäuschend: Die Höhen sind zu dominant und wirken billig, die Zischlaute bei Gesang sind unangenehm scharf. Auch die Mitten klingen verwaschen – da hilft selbst eine Anpassung des Equalizers nicht. Früher oder später möchte ich deshalb etwas daran ändern, etwa die Lautsprecher austauschen.

Solch solide und komfortable Sitze gibt es in den aktuellen Mercedes-Modellen leider nicht mehr

Auf großer Tour zeigt sich, was einen Grand Tourer ausmacht
Ich habe eine kurze Tour in Richtung Wakayama unternommen. Der Fahrspaß auf den kurvigen Landstraßen der ländlichen Region war schlichtweg beeindruckend.
Mit einem Porsche kann man schon auf 100 Kilometern ein intensives Fahrerlebnis genießen – allerdings sammelt sich dabei auch eine gewisse, durchaus angenehme Müdigkeit an. Im SL schaffe ich bei gleichem Ermüdungsgrad 200 Kilometer. Sein größter Reiz liegt genau in diesem Fahrgefühl, das Lust auf noch mehr Strecke macht.

Auf einer Tour erlebt man ganz unterschiedliche Straßen und Situationen. Während sich der Fahrspaß im Porsche oft aus einzelnen Highlights zusammensetzt – „Diese und jene Strecke war richtig schön“ –, vermittelt der SL das Gefühl, dass jede Straße Freude macht und man am liebsten noch weiterfahren möchte. Ohne müde zu werden, sammelt man Kilometer um Kilometer. Ein Auto, mit dem man einfach immer weiterfahren will.
Genau das macht die Essenz eines Grand Tourers aus: Der SL vereint Komfort und Fahrspaß auf hohem Niveau und ist einer jener seltenen Wagen, bei denen die Langstrecke selbst zum Erlebnis wird.
Ich bin überzeugt: Der R231 ist der letzte echte SL. Er hat mir so gut gefallen, dass ich ihn wohl noch lange behalten werde. Wer Interesse hat, sollte sich den Gebrauchtwagenmarkt unbedingt ansehen. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele erleben könnten, was der Spitzen-Grand-Tourer von Mercedes zu bieten hat.
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