Testfahrt Porsche Macan Turbo Electric|Ein SUV, das fast wie ein 911er fährt

マカン ターボ エレクトリック
Tests & Fahrberichte

Vom Macan und Macan 4 bis zur Topversion

In diesem Blog habe ich bereits Testberichte zum Basismodell Macan und zum Macan 4 veröffentlicht. Beide Modelle wurden sehr positiv bewertet. Ich halte sie nach wie vor für hervorragend gefertigte Fahrzeuge. Was beide Modelle gemeinsam hatten, war die eher moderate Leistung und eine Abstimmung, die mehr an einen Verbrenner als an ein reinrassiges Elektroauto erinnerte. Damit war das Fahrerlebnis auch für Einsteiger in die Elektromobilität sehr vertraut – eine große Stärke von Macan und Macan 4.

Macan Turbo Electric

Für diesen Test konnte ich den Macan Turbo Electric einen ganzen Tag lang fahren.

Stadtverkehr, kurvige Landstraßen, Autobahn – ich habe alles ausgiebig ausprobiert. Ehrlich gesagt ist dieses Fahrzeug ein ganz anderes Kaliber als die beiden zuvor getesteten Modelle.
Es wirkt fast respektlos, sie unter demselben Namen Macan zusammenzufassen – so unterschiedlich ist der Charakter.

Das Gefühl der Leichtigkeit vom ersten Tritt aufs Pedal

Schon beim Einsteigen und dem ersten Druck auf das Gaspedal fiel mir vor allem eines auf: die Leichtigkeit.

Wenn man bei einem Elektroauto von „Leichtigkeit“ spricht, wird das oft skeptisch kommentiert. Viele, die das sagen, besitzen selbst noch kein EV und haben kaum praktische Erfahrung im Alltag mit solchen Fahrzeugen. Natürlich sind Elektroautos physisch schwer, aber durch den sehr tief liegenden Schwerpunkt und das maximale Drehmoment direkt ab dem ersten Motorumdrehung spürt man auf gewöhnlichen Straßen keinerlei Nachteil durch das Gewicht.

Fahrdynamisch ist der Macan Turbo Electric nicht nur leichtfüßig, sondern sogar noch agiler als Macan oder Macan 4. Mit über 2,4 Tonnen Fahrzeuggewicht passt das Gefühl dazu überhaupt nicht zusammen – zunächst war ich ziemlich ratlos, wie Porsche das geschafft hat.

Das Ansprechverhalten des Gaspedals ist ausgezeichnet. Schon ein paar Millimeter mehr Gas bringen die gewünschte Vorwärtsbewegung, dabei bleibt das Ansprechverhalten jederzeit kontrollierbar. Es fühlt sich an, als folgt das Auto nur dem kleinsten Impuls der rechten Fußspitze. Das Drehmoment ist vom ersten Radumlauf sofort spürbar, wodurch Stop-and-Go, Beschleunigen nach Kurven und generell jede Fahrbewegung nahtlos ineinander übergehen. Das ist deutlich eine andere Abstimmung als bei Macan und Macan 4.

Macan Turbo Electric

Als Randbemerkung: Die Testfahrt fand bei 36 bis 37 Grad Außentemperatur statt – und die Klimaanlage leistete herausragende Arbeit. Selbst besser als im Taycan oder in unserem Tesla Model 3 machte sie den Sommer in Japan angenehm erträglich. Ein echter Pluspunkt für den Alltag hierzulande.

Auf kurvigen Straßen das SUV-Gefühl vergessen

Mit dem Verlassen der Stadt und Einfahrt in kurvige Strecken offenbarte sich der wahre Kern dieses Autos.

Der Wagen lässt sich extrem präzise und agil um die Kurven bewegen. Man vergisst schnell, dass man ein SUV fährt. Mich erinnerte das Fahrgefühl sofort an den 911 Dakar – eine hochgelegte Sonderedition des 911ers mit Offroad-Ambitionen. Obwohl der Macan Turbo Electric noch etwas höher liegt als der Dakar, fühlt sich das Handling vergleichbar dynamisch und leichtfüßig an.

Das Einhalten der vorgegebenen Linie ist geradezu perfekt. Das subjektive Gewicht fühlt sich an wie bei einem Wagen um die 1600 bis 1700 kg. Selbst bei schnellen Richtungswechseln in S-Kurven gibt es keine ausgeprägten Nachschwinger. Hier zahlt sich der Vorteil aus, den schwerer Batterien unter dem Fahrzeugboden mit sich bringen: Ein durchgängig tiefer Schwerpunkt. Kaum ein Verbrenner, selbst hochgetunte Sportwagen, hält auf bergigen Landstraßen hier Schritt. Die Beschleunigung ist überwältigend, das Ansprechverhalten blitzschnell, und dank der fehlenden Gangwechsel bleibt das Fahrerlebnis konstant dynamisch. Bei solchen Landstraßen ist es schwer vorstellbar, dass ein Benziner noch mithalten kann – die Fahrwerksarchitektur ist einfach in einer anderen Liga.

Ich konnte die Kurvengeschwindigkeiten mit denen meines 981 Boxster GTS vergleichen, den ich gerne schnell fahre. Das Auto ließ sich in einem ähnlichen Geschwindigkeitsbereich durch die Kurven bewegen, die Wankbewegungen wurden wirkungsvoll unterbunden, und Unsicherheiten in den Ecken gab es keine. Ehrlich gesagt kam ich nicht umhin, an einen 911er zu denken.
 

Air Suspension: Der größte Vorteil liegt nicht im Komfort

Viele verbinden mit Luftfederung Begriffe wie „zu weich“, „wabbelig“ oder „anfällig“. Doch aus meiner Sicht liegt der größte Pluspunkt der Porsche Luftfederung nicht im Fahrkomfort – auch wenn dieser sehr hoch ist. Die normale Federung ist per se keineswegs schlecht, aber die Luftfederung bietet eine Stufe mehr Qualität. Der eigentliche Clou ist eine andere Fähigkeit: die variable Verstellung der Fahrzeughöhe während der Fahrt.

Im Sport- oder Sport-Plus-Modus senkt sich die Karosserie deutlich ab – und mit ihr der Schwerpunkt. Das ist mit normaler Federung physisch nicht möglich. Auch auf der Autobahn senkt sich das Fahrzeugautomatisch bei steigender Geschwindigkeit. Viele Autos vermitteln ein Gefühl, als würden sie die Straße „festklammern“ – doch die Porsche Air Suspension sorgt tatsächlich für eine physische Absenkung der Karosserie.

Aus meiner Erfahrung mit verschiedenen Porsche SUVs möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich empfehlen:
Bei der Auswahl des Fahrwerks-Optionspakets sollte immer die höchste Ausstattungsstufe gewählt werden. Normale Federn, Porsche Active Suspension Management (PASM) und Luftfederung – oder beim neuesten Cayenne Electric noch die aktive Wankstabilisierung. Selbst wenn bei anderen Extras gespart werden muss, zahlt sich die Investition hier am meisten aus und sorgt langfristig für Zufriedenheit.

Warum der Turbo ein ganz anderes Fahrzeug ist

Ein paar Zahlen dazu:
Die maximale Leistung beträgt 584 PS (430 kW), im Overboost-Modus sogar 639 PS (470 kW). Das maximale Drehmoment liegt bei beeindruckenden 1.130 Nm. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt in schnellen 3,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 260 km/h. Die maximale Reichweite pro Ladung liegt bei bis zu 591 km, während ich laut Bordcomputer bei vollem Akku eine Reichweite von 433 km ermittelte. Angesichts der heutigen Ladeinfrastruktur in Japan ist das mehr als ausreichend.

Dass sich der Turbo so deutlich von Macan und Macan 4 unterscheidet, hat einen Grund: Der Turbo verwendet einen anderen Elektromotor, eine komplett andere Konstruktion an der Hinterachse und eine speziell abgestimmte Luftfederung. Auch wenn der Name identisch ist, ist das Fundament des Fahrwerks ein völlig anderes. Kein Wunder, dass dieses Modell so sportlich unterwegs ist.

Macan Turbo Electric Bremsen

Auch das Bremssystem verdient eine Erwähnung. Auch wenn es sich um ein Elektroauto handelt und man das Bremspedal häufig betätigt, wird die Verzögerung überwiegend elektrisch beim Rekuperieren erzeugt. Im Alltag auf Straßen erledigt das Rekuperationssystem meist 90 % der Verzögerung. Die herkömmlichen Bremsscheiben kommen erst dann zum Einsatz, wenn das Fahrzeug vollständig zum Stillstand kommt – dennoch sind sie sehr leistungsfähig und besitzen ein sehr knackiges Pedalgefühl, das präzise Verzögerung und hervorragende Kontrolle ermöglicht.

Ein kleiner Wermutstropfen beim Komfort: Die Luftfederung sorgt zwar grundsätzlich für ein sehr angenehmes Fahrgefühl, doch das Ansprechverhalten der Reifen ist ein wenig hart – fast so, als wären die Reifen übermäßig mit Luft gefüllt. Während ich beim Fahren selbst keinen Nachteil spürte, bemerkte meine Frau, die hinter mir saß, bei manchen Unebenheiten leichte Stöße und ein leichtes Springen des Fahrzeugs. Diese Eigenschaft hängt wahrscheinlich mit der Kombination aus Reifendruck und Radgröße zusammen und kann sich entsprechend verändern.

Emblem Turbo Night

Emblem „Turbo Night“

Empfehlung für alle, die ein Allround-Porsche wollen

Zum Abschluss fuhr ich den Wagen auch auf der Autobahn.

Die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten ist herausragend. Wie bei einem modernen Porsche üblich, ist die Straßenlage gerade auf der Autobahn erstklassig, sodass man selbst bei langen Fahrten entspannt unterwegs sein kann. Von der Stadt über kurvige Landstraßen bis hin zur Autobahn ist der Macan Turbo Electric ein echter Allrounder unter den Porsche-Modellen. Wer sich vom Basis-Macan unterfordert fühlte, findet hier die pure Porsche-Performance.

Für mich ist der Macan längst kein gewöhnliches SUV mehr, sondern eher ein Sportwagen mit SUV-Karosserie. Auch wenn frühere Macan-Modelle schon diesem Anspruch gerecht wurden, hat der Umstieg auf Elektroantrieb die Fahrwerksqualität auf ein völlig neues Niveau gehoben. Dadurch hat sich dieses Modell in puncto Fahrdynamik auf eine ganz andere Stufe als die Verbrenner-Macans katapultiert.

 
Macan Turbo Electric

Allerdings gibt es auch einen Punkt, der bedacht werden sollte. Für Besitzer von Porsche-Sportwagen mit zwei Türen (wie 911 oder Cayman) könnte der Macan Turbo Electric zu sportlich wirken und damit in seinem Charakter zu ähnlich. Im Vergleich zu Cayman, Boxster oder 911 bleiben diese Sportwagen in der reinen Fahrdynamik dennoch ungeschlagen, sodass der Macan dort womöglich etwas blass wirkt trotz seiner hohen Leistungsdaten.

Daher sehe ich den Macan Turbo Electric vor allem als die perfekte Wahl für diejenigen, die nur ein Porsche-Modell besitzen möchten.
Er kombiniert Sportlichkeit, Familienfreundlichkeit und Langstreckentauglichkeit in einem Fahrzeug. Wer einen Porsche sucht, der in den meisten Situationen überzeugt, für den ist dieser Macan Turbo Electric die klare Empfehlung – der Porsche für alle Lebenslagen.

Hiro

Minaの夫です。 ファッションやステータスシンボルのためにクルマは乗りません。 運転して楽しく、工業製品として優れ、作り手の意思が感じられるようなクルマを好んで乗ります。長距離ツーリングをこよなく愛し、「クルマは走らせてナンボ」と思ってます。休日には日本全国を愛車で旅しています。 ブログでは主に試乗レポートやツーリング記などを執筆しています。またブログのシステム周りやチューニングなども担当しています。

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