Fahrbericht: Neuer Peugeot 308 SW GT BlueHDi

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Peugeot 308 SW

Bislang habe ich noch nie ein französisches Auto besessen.

Nicht, dass ich etwas gegen französische Autos hätte. Im Gegenteil: Das frühere Peugeot 306 Cabriolet, für dessen Design und Produktion Pininfarina verantwortlich war, hat mich mit seiner außergewöhnlichen Schönheit schon damals begeistert. Es gehörte lange zu den Autos, die ich unbedingt einmal haben wollte.

Peugeot 308 SW

Peugeot 306 Cabriolet: Die blaue Lackierung in Kombination mit dem beigefarbenen Interieur war wunderschön. Als junger Mann träumte ich davon, irgendwann einmal mit meinem Sohn offen unterwegs zu sein.

Nun hatte ich Gelegenheit, den 308 SW – den Kombi und gewissermaßen einen Nachfahren des 306 – Probe zu fahren. Hier kommt mein Fahrbericht. Da der Termin kurzfristig zustande kam, stieg ich ohne jegliche Vorkenntnisse ins Auto. Das sei vorweg gesagt.

Exterieur

Dieses Fahrzeug stammt offenbar aus der ersten nach Japan importierten Serie. Zum Zeitpunkt des Tests war es deshalb ein seltener Anblick, den man auf den Straßen kaum zu Gesicht bekam.

Schon aus der Entfernung ist die typisch französische Eleganz unverkennbar. Das Design ist an einigen Stellen markant und scharf gezeichnet, wirkt aber nicht so sachlich-robust wie bei einem deutschen Auto. Stattdessen strahlt es eine gewisse Leichtigkeit und Wärme aus.

Das Frontemblem ist offenbar ein neues Design und völlig flach ausgeführt. Aus der Nähe wirkt es beinahe überraschend konturlos. Von Weitem fällt das jedoch überhaupt nicht auf – im Gegenteil: Das Emblem scheint sogar eine gewisse Tiefe zu haben.

Auch die Leuchten sind ausgesprochen aufwendig gestaltet. Von einem günstigen oder wenig hochwertigen Eindruck kann hier keine Rede sein.

Peugeot 308 SW

Emblem des Peugeot 308 SW

Leuchten des Peugeot 308 SW

Die Räder messen 18 Zoll und sind mit Reifen der Dimension 225/40 bestückt. Die Speichen sind recht kräftig ausgeführt und scheinen auch aerodynamischen Überlegungen Rechnung zu tragen. Durch die unterschiedlichen Farbflächen wirken sie jedoch länger, sodass die Räder optisch sogar größer erscheinen, als es die 18 Zoll vermuten lassen.

Räder des Peugeot 308 SW

Innenraum und Infotainment

Was sofort auffällt, ist der futuristische Eindruck des Infotainmentsystems. Ganz offen gesagt: Auf diesem Gebiet haben die japanischen Hersteller klar das Nachsehen. Die Schrift ist sehr ansprechend gestaltet, und die hochauflösenden Displays sind gestochen scharf – fast wie bei einem aktuellen Smartphone oder Tablet.

Auf Fotos ist es schwer zu erkennen, aber Geschwindigkeit und Drehzahl scheinen förmlich über dem Display zu schweben. Das sorgt für einen ausgesprochen futuristischen Eindruck.

Peugeot 308 SW

Kombiinstrument des Peugeot 308 SW

Kombiinstrument des Peugeot 308 SW

Eine Besonderheit ist die erhöhte Sitzposition des Kombiinstruments: Man blickt beim Fahren über das Lenkrad hinweg auf die Anzeigen. Zunächst dachte ich, dass das Lenkrad dadurch zu tief stehen und sich ungewohnt anfühlen könnte. In der Praxis war das aber kein Problem. Weder waren die Anzeigen schwer abzulesen noch ließ sich das Lenkrad umständlich bedienen.

Auch die Displays und Bedienelemente in der Mittelkonsole sind sehr gelungen. Häufig genutzte Funktionen lassen sich den Tasten unter dem Bildschirm zuweisen – die Möglichkeiten zur individuellen Anpassung sind also umfangreich.

Die Sitze bieten ausgesprochen hohen Komfort. Sie geben guten Halt und sind zugleich bequem – ideale Voraussetzungen dafür, dass man auch auf langen Strecken nicht so schnell ermüdet. Mir persönlich haben sie sehr gut gefallen. Dazu kommt eine massageähnliche Funktion, die mit Luftdruck arbeitet. In dieser Fahrzeugklasse ist das ein ungewöhnliches und willkommenes Extra.

Sitze des Peugeot 308 SW

Kofferraum des Peugeot 308 SW

Auch der Kofferraum bietet reichlich Platz.

Fahrkomfort und Handling

Unter der Haube arbeitet ein 1,5-Liter-Diesel mit Turboaufladung. Einen Peugeot-Diesel hatte ich zuvor noch nie gefahren, also hörte ich beim Start besonders genau hin. Der Motor erwachte ausgesprochen leise zum Leben. Gerade das Startgeräusch sowie die geringe Geräusch- und Vibrationsentwicklung im Leerlauf sind bemerkenswert.

Er wirkte sogar leiser als die Diesel von Mercedes oder BMW. Im Stand dürfte es vielen schwerfallen, den Motor überhaupt als Diesel zu erkennen.

Ich legte den Wählhebel auf D und fuhr los. Mit zunehmendem Tempo – erst 20, dann 30 km/h – änderte sich der Eindruck: Der zuvor so leise Motor ließ nun deutlich seinen Dieselcharakter hören. Unter Last, also beim Beschleunigen, wurde das Geräusch stärker.

Für sich genommen ist es weder besonders laut noch unangenehm. Weil der Motor im Leerlauf aber außergewöhnlich leise ist, wirkt der Kontrast beim Beschleunigen umso größer.

Peugeot 308 SW

Sobald man das Reisetempo erreicht, wird der Motor wieder angenehm leise und läuft gleichmäßig. Der Fahrkomfort ist dann sehr gut und vermittelt einen hochwertigen Eindruck.

Beim Abrollkomfort spürt man allerdings leichte Stöße. Für das sprichwörtliche „Katzenpfoten“-Fahrgefühl, das man mit Peugeot verbindet, fehlte mir zunächst noch etwas. Besonders das Heck schien gelegentlich nachzuschwingen. Bei der Probefahrt fragte ich den Besitzer deshalb, ob der Reifendruck vielleicht zu hoch sei. Später meldete er sich zurück: „Der Druck lag um etwa 0,2 bis 0,3 über dem empfohlenen Wert. Nachdem ich ihn gesenkt habe, wurde das Fahrgefühl komfortabler.“

Mit zunehmender Laufleistung dürfte sich außerdem die anfängliche Steifigkeit der Fahrwerksbewegungen legen und der Komfort weiter zunehmen.

Die Motorleistung ist mehr als ausreichend. Selbst mit vier erwachsenen Männern an Bord fuhr der 308 SW auf kurvigen Straßen für seine 130 PS souverän. Das maximale Drehmoment von 300 Nm liegt bei 1.750 U/min an. Auch bergauf muss man das Gaspedal daher nicht tief durchtreten, um ordentlich voranzukommen – für den Alltag reicht die Leistung vollkommen.

Peugeot 308 SW

Der 308 SW ist kein Sportwagen und lädt nicht unbedingt dazu ein, ausführlich über sein Handling zu philosophieren. Mein Eindruck: Die Lenkung reagiert sehr ausgewogen und berechenbar. Sie ist weder außergewöhnlich direkt noch auffallend indirekt, sondern so abgestimmt, dass sich die meisten Fahrer schnell damit wohlfühlen dürften.

In Kurven zeigt sich eine leichte Tendenz zum Untersteuern. Bis zu einem gewissen Tempo bleibt die Karosserie ruhig, und der Wagen zieht erstaunlich souverän durch die Kurve. Dabei kann der 308 SW durchaus eine sportliche Seite zeigen. Bei angemessenem Tempo vermittelt er jederzeit ein sicheres Gefühl.

Anschließend fuhr ich bewusst etwas schneller in die Kurve. Bei zunehmender Querbeschleunigung wird die Seitenneigung deutlicher, doch die Reifen halten weiterhin zuverlässig den Kontakt zur Fahrbahn. Es fühlt sich an, als würde das Auto sagen: „Da geht noch etwas – aber für heute reicht es.“ So vermittelt es dem Fahrer auf angenehme Weise den Geschwindigkeitsbereich, in dem sich der Wagen am wohlsten fühlt.

Fazit

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags kostete der 308 SW GT BlueHDi ab 4.587.000 Yen. Zu den Wettbewerbern dürfte beispielsweise der VW Golf Variant in einer höheren Ausstattungslinie zählen.

In diesem Vergleich bietet der Peugeot meiner Meinung nach ein ausgesprochen gutes Verhältnis von Preis und Leistung – insbesondere angesichts der Materialanmutung, der Ausstattung und des Komforts. Infotainment, Sitze und Fahrkomfort sind auf einem hohen Niveau und müssen sich auch vor Autos einer höheren Fahrzeugklasse nicht verstecken.

Peugeot 308 SW

Handling und Fahrleistungen sind zwar weder besonders sportlich noch bietet das Auto einen sensationellen Fahrkomfort, doch wirkliche Schwächen sind mir nicht aufgefallen. Als Begleiter für den Arbeitsweg, den Einkauf oder den Familienurlaub macht der 308 SW eine sehr überzeugende Figur.

Wer ein straffes, sattes Fahrgefühl sucht, greift vielleicht eher zu einem deutschen Auto. Wer dagegen einen Hauch französischer Nachgiebigkeit schätzt, dürfte mit einem Peugeot glücklich werden. Doch dieses komfortable Fahrgefühl geht nicht mit der schwammigen, wenig vertrauenerweckenden Art mancher japanischer Familienautos einher – der 308 bleibt stets angenehm verbindlich und klar in seinen Rückmeldungen. Nach dieser Probefahrt verstehe ich besser, was den besonderen Charakter französischer Autos und den Reiz von Peugeot ausmacht.

Hiro

Ich bin Minas Ehemann. Ich fahre Autos nicht als Mode oder Statussymbol. Mir gefallen Wagen, die Spaß machen, als Industrieprodukt überzeugen und in denen man die Absicht der Macher spürt. Lange Touren sind meine Leidenschaft, und ein Auto zählt erst, wenn man es fährt. An freien Tagen reise ich mit unseren Wagen durch Japan. Im Blog schreibe ich vor allem Fahrberichte und Tourenberichte und kümmere mich um die Technik der Seite und ums Tuning.

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