Nissan Fairlady Z NISMO (RZ34): Eindrücke nach einem Monat – und die Unterschiede zu Porsche

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Tests & Fahrberichte

Einen Monat nach der Auslieferung bin ich den Fairlady Z endlich wieder einmal richtig ausgefahren. Hier sind meine Eindrücke.

Ehrlich gesagt hatte mich der zeitgleich ausgelieferte Taycan Turbo GT so begeistert, dass ich den Fairlady Z bislang nur selten bewegt hatte. Diesmal habe ich ihn unter anderem mit dem 992 und dem 718 Cayman verglichen und Motorcharakter, Fahrgefühl sowie Alltagstauglichkeit unter die Lupe genommen.

Motorcharakter und Beschleunigung: 420 PS und der Unterschied zu Porsche

Der Motor des Fairlady Z leistet 420 PS. Mit den inzwischen hinzugekommenen Kilometern beginnt er allmählich, sein ganzes Potenzial zu zeigen.

Er dreht ausgesprochen leichtfüßig und gleichmäßig hoch. Verglichen mit dem 911 der Baureihe 992, der eine ähnliche Leistung hat, steigt die Drehzahl im Fairlady Z linearer und besser vorhersehbar an. Dass der Motor sauber bis zum roten Bereich dreht, wirkt ausgereift.

Instrumente im Nissan Fairlady Z NISMO

Bei den 911-Modellen der Baureihe 992, insbesondere Carrera S und GTS, nimmt der Motor im oberen Drehzahlbereich dagegen immer vehementer Fahrt auf und zieht kraftvoll weiter. Nahe der Drehzahlgrenze steigert sich der Motor von Carrera S und GTS besonders dramatisch – ein ausgesprochen sinnliches Fahrerlebnis.

Bei der reinen Beschleunigung kommt der Fairlady Z zwar nicht an den 911 S oder GTS heran. Subjektiv spielt er aber in etwa auf Augenhöhe mit dem Basis-911 Carrera (385 PS), vielleicht mit einem leichten Vorteil für den Porsche. Verstecken muss sich der Fairlady Z deshalb keineswegs.

Interessant ist auch, wie der Drehzahlbegrenzer eingreift. Beim Fairlady Z wird die Leistung an der Begrenzung spürbar und überraschend abrupt gekappt, während Porsche sanfter regelt. Ähnlich wie beim Eingreifen des ABS zeigt sich hier ein Unterschied in der Feinabstimmung zwischen japanischen und deutschen Autos. Die Regelung des Fairlady Z wirkt etwas grob; bei der Souveränität bleibt noch Luft nach oben.

Traktion und Handling: Heckantrieb zwischen Beherrschbarkeit und Risiko

Eine der auffälligsten Eigenschaften des Fairlady Z ist die Tendenz, dass die Hinterräder nur schwer Traktion aufbauen.

Man könnte vermuten, das liege an der anderen Motorposition als bei Porsche. Das erklärt den Eindruck aber nicht vollständig: Auch im Vergleich etwa mit einem BMW M2 fällt mir das auf.

Schon ein sanfter Gasstoß beim Ausfahren aus einer Parklücke kann leichten Radschlupf auslösen. Wer die Leistung kontrollieren will, braucht daher fahrerisches Können und Zurückhaltung. Wer am Parkplatzausgang mit einem sogenannten „Poser-Start“ unnötig kräftig beschleunigt, riskiert schnell ein ausbrechendes Heck und Übersteuern. In Videos aus dem Ausland sieht man, wie leicht das Heck – ähnlich wie bei manchem Supersportwagen – ausbricht und es zu einem Unfall kommt.

Nissan Fairlady Z NISMO

Beim Handling zeigt der Fairlady Z seine Stärken: Mit sauberem Lastwechsel lässt er sich auch in schnellen Kurven überzeugend bewegen. Das fahrdynamische Niveau ist insgesamt hoch.

Wie ich schon früher geschrieben habe, fällt jedoch eine Eigenschaft des Fahrwerks besonders auf: Der Fahrkomfort ist nicht überzeugend. Das Fahrwerk ist nicht einmal besonders hart, und trotzdem wirkt der Abrollkomfort unausgewogen.

Vor allem im Stadtverkehr werden Unebenheiten der Fahrbahn nur schlecht abgefangen – manchmal so stark, dass es verunsichert. Oft fehlt es den Dämpfern an Kontrolle. Mit adaptiven Dämpfern hätte Nissan womöglich hohen Fahrkomfort und ein präzises Handling besser miteinander verbinden können. Schade um das verschenkte Potenzial.

Ein wesentlicher Unterschied zu europäischen Sportwagen – nicht nur zu 911 und Cayman – liegt in der Anmutung des Fahrwerks. Selbst im Vergleich mit einem Porsche ohne PASM (Porsche Active Suspension Management) sowie mit BMW und GR Supra bleibt beim Fairlady Z noch Luft nach oben: beim Fahrbahnkontakt und beim Gefühl, dass Auto und Fahrer eine Einheit bilden.

Ansprechverhalten des Getriebes: der Unterschied zum PDK

Im Normalmodus schaltet die Automatik des Fairlady Z eher langsam. Im Vergleich zum Porsche PDK fühlt sich der Gangwechsel mitunter ungefähr doppelt so träge an. Vielleicht ist das Getriebe auf sanftes Schalten im Alltag ausgelegt, doch wer sportlich fahren möchte, dürfte sich mehr Direktheit wünschen.

Im Sport- oder Sport-Plus-Modus und bei warmem Getriebeöl werden die Gangwechsel jedoch deutlich knackiger. Besonders im manuellen Betrieb mit den Schaltwippen reagiert das Getriebe bei Betriebstemperatur erfreulich prompt. An die blitzschnellen Gangwechsel des PDK reicht es zwar nicht heran, doch für echten Fahrspaß im Sportwagen ist das Niveau allemal ausreichend.

Interessant ist, wie gut Motor und Getriebe zueinander passen. Der drehfreudige, gleichmäßig laufende Motor des Fairlady Z harmoniert auch mit etwas späteren Gangwechseln. Der Porsche-Boxermotor mit sechs Zylindern entfaltet seinen besonderen Charakter bei hohen Drehzahlen; zusammen mit den blitzschnellen PDK-Schaltvorgängen entsteht die dramatische, kraftvolle Beschleunigung, für die Porsche bekannt ist. Die unterschiedlichen Fahrphilosophien der Hersteller spiegeln sich also in der Auslegung des gesamten Antriebsstrangs wider.

9-Gang-Automatikgetriebe des Nissan Fairlady Z NISMO

Alltagstauglichkeit: überraschend komfortabel und praktisch

Beim Fairlady Z steht oft die Sportlichkeit im Vordergrund. Im Alltag überzeugt er aber auch mit unerwartetem Komfort und praktischen Qualitäten.

Die vergleichsweise hohe Bodenfreiheit ist ein handfester Vorteil: Beim Parken muss man sich weniger Gedanken um Radanschläge und Bordsteine machen. Situationen, in denen man bei einem 911 oder Cayman besonders aufpassen muss, sind im Fairlady Z meist unproblematisch.

Alltagstauglichkeit des Nissan Fairlady Z NISMO beim Parken

Die Bodenfreiheit ist großzügig bemessen: Bei den meisten Radanschlägen setzen weder Stoßfänger noch Unterboden auf.

Auch der Innenraumkomfort kann sich sehen lassen. Die Heizung wird schnell warm, sodass es selbst an einem kalten Wintermorgen rasch angenehm wird. Das Infotainmentsystem unterstützt Apple CarPlay kabellos und ist einfach zu bedienen. Der Innenraum bietet großzügig Platz, und auch der Gepäckbereich am Heck ist praktisch gestaltet. Trotz seines Sportwagencharakters eignet sich der Fairlady Z gut für den täglichen Einkauf und kleinere Ausflüge.

Die Sitze stammen von Recaro und bieten eine gelungene Balance aus Seitenhalt und Komfort. Auch auf längeren Fahrten ermüdet man nicht so schnell, während die Sitze in Kurven guten Halt geben. Bei der hochwertigen Anmutung des Interieurs bleibt zwar ein gewisser Wunsch offen, doch Funktionalität und Komfort verdienen gute Noten. Wer sich mit dem nicht optimalen Fahrkomfort arrangieren kann, bekommt mit dem Fairlady Z NISMO einen Sportwagen, der sich durchaus als Alltagsauto eignet.

Vergleich mit Porsche: Der Qualitätsunterschied zum Cayman in ähnlicher Preisklasse

Vergleicht man den Fairlady Z mit dem Porsche 718 Cayman in einer ähnlichen Preisklasse, zeigen sich abseits der reinen Geschwindigkeit deutliche Unterschiede.

Es geht um Fahrgefühl, Vertrauen, das Gefühl der Einheit mit dem Auto, den Kontakt zur Fahrbahn und die Rückmeldung der Lenkung – um jene „Qualität“, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt. Besonders bei der Qualität der Informationen, die über die Lenkung vermittelt werden, und bei der Vorhersehbarkeit der Fahrzeugreaktionen hat Porsche über viele Jahre Maßstäbe gesetzt. Der Fairlady Z hat hier noch aufzuholen.

Beim Lastwechsel in Kurven und bei der Rückmeldung nahe am Grenzbereich vermittelt der Cayman beispielsweise mehr Feingefühl und Vertrauen. Der Fairlady Z ist kraftvoll und macht Spaß, doch beim Gefühl, mit dem Auto eine Einheit zu bilden, sehe ich noch Verbesserungspotenzial. Das mag an unterschiedlichen Abstimmungs- und Konstruktionsphilosophien liegen; möglicherweise spielen auch Unterschiede in der Unternehmenskultur und den Entwicklungsressourcen von Nissan und Porsche eine Rolle.

Gleichzeitig überzeugt der Fairlady Z mit seiner hohen Alltagstauglichkeit. Hätte Nissan etwas mehr ins Fahrwerk investiert und beispielsweise adaptive Dämpfer verbaut, wäre der Sportwagen noch ausgereifter. In dieser Hinsicht bleibt ein „fast, aber noch nicht ganz“-Eindruck. Dennoch ist der Fairlady Z zweifellos ein wichtiges Auto, das die japanische Sportwagenkultur fortführt.

Letztlich geht es nicht darum, pauschal zu entscheiden, ob der Fairlady Z oder ein Porsche besser ist. Beide haben ihren eigenen Reiz und bieten ein anderes Fahrerlebnis. Der Fairlady Z steht für japanische Ausgewogenheit und leichte Beherrschbarkeit, Porsche für europäische Präzision und Emotion. Beide Ansätze machen ihren Reiz als Sportwagen aus.

Fazit: Der Fairlady Z vereint kleine Schwächen mit großem Charakter

Einen Monat nach der Auslieferung werden die Eigenheiten und der Charakter des Fairlady Z immer deutlicher.

Mit seinem kraftvollen 420-PS-Motor, dem leichtfüßigen Drehvermögen und seiner hohen Alltagstauglichkeit hat der Sportwagen viele Stärken. Die lange Z-Tradition, die Nissan über Jahrzehnte geprägt hat, lebt in einer modernen Interpretation überzeugend weiter.

Nissan Fairlady Z NISMO

Gleichzeitig bleiben Schwächen, etwa bei der Traktion der Hinterräder, der Dämpfung des Fahrwerks und dem Ansprechverhalten des Getriebes. Gerade beim Fahrwerk ist es schade, dass ein Auto für fast zehn Millionen Yen sein Potenzial nicht mit adaptiven Dämpfern noch besser ausschöpft. Auch im Vergleich mit dem Porsche Cayman in ähnlicher Preisklasse sind Unterschiede bei Fahrgefühl und Souveränität nicht zu übersehen.

Der Fairlady Z spielt dennoch eine wichtige Rolle: Er trägt die japanische Sportwagenkultur weiter und bietet vielen Fahrern zugängliche Performance. Perfekt ist er nicht, doch mit seinem eigenständigen Charakter hat er mehr als genug, um die Herzen vieler Sportwagenfans zu gewinnen.

Letztlich hängt die Wahl eines Autos nicht allein von Zahlen und technischen Daten ab. Entscheidend sind auch die persönliche Verbindung zum Fahrzeug und die Art von Fahrerlebnis, die man sucht. Für alle, die einen kraftvollen, gut beherrschbaren Sportwagen suchen, der sich auch im Alltag bewährt, ist der Fairlady Z eine reizvolle Wahl. Ein Auto mit Ecken und Kanten – und gerade deshalb mit besonderer Tiefe.

Hiro

Ich bin Minas Ehemann. Ich fahre Autos nicht als Mode oder Statussymbol. Mir gefallen Wagen, die Spaß machen, als Industrieprodukt überzeugen und in denen man die Absicht der Macher spürt. Lange Touren sind meine Leidenschaft, und ein Auto zählt erst, wenn man es fährt. An freien Tagen reise ich mit unseren Wagen durch Japan. Im Blog schreibe ich vor allem Fahrberichte und Tourenberichte und kümmere mich um die Technik der Seite und ums Tuning.

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