Was ist Manthey eigentlich? Die 9,4-Millionen-Yen-Antwort des Porsche-Veredlers für den 992.2 GT3
Veröffentlicht: 2026.04.26
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Das Manthey-Kit für den 992.2 GT3 ist jetzt auch in Japan erhältlich
Seit April 2026 ist das Manthey-Kit für den neuen Porsche 911 GT3 der Generation 992.2 auch in Japan offiziell erhältlich. Der Einstiegspreis liegt bei 9.408.300 Yen. Kaufen und montieren lassen kann man das Kit allerdings nur bei ausgewählten, von Manthey autorisierten Porsche-Zentren in Japan. Der Verkauf ist auf die von Porsche Japan benannten Betriebe beschränkt – erhältlich ist es also nicht bei jedem Händler.
Was das Kit bewirkt, lässt sich klar beziffern: Ein 992.2 GT3 mit Manthey-Kit umrundet die Nürburgring-Nordschleife in 6:52,981 Minuten. Der serienmäßige 992.2 GT3 benötigt 6:59,927 Minuten – ein Vorsprung von rund sieben Sekunden. Auf einer 20,8 Kilometer langen Strecke ist das ein Unterschied, den man nicht mit gewöhnlichem Tuning erzielt. Und das, obwohl der Motor vollständig unangetastet bleibt. Die Zeitverbesserung kommt allein durch Änderungen an Aerodynamik, Fahrwerk und Bremsen zustande.

Wichtig ist: Die 9.408.300 Yen sind lediglich der Einstiegspreis für das Kit selbst. Wer die leichten geschmiedeten Manthey-Räder als Option hinzunimmt, muss mit mehreren Millionen Yen zusätzlich rechnen. Auch Rennbremsbeläge für die PCCB, die für das Kit freigegebenen Michelin Pilot Sport Cup 2 R und die Montagekosten kommen noch dazu. Ausgehend von der Preisstruktur in den USA dürfte der Gesamtpreis in der Vollausstattung bei etwa 12 Millionen Yen liegen. Die 9,4 Millionen sind also nur der Anfang.
Wer oder was ist Manthey eigentlich?
Beginnen wir mit einer grundlegenden Frage: Wer ist Manthey eigentlich?
Manthey Racing ist ein deutscher Tuner und Rennstall, den der ehemalige Rennfahrer Olaf Manthey 1996 gegründet hat. Als aktiver Fahrer feierte Olaf Manthey Erfolge im Porsche Carrera Cup, in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) und in der VLN, der Nürburgring-Langstreckenserie. Nach dem Ende seiner Rennkarriere bündelte er seine Erfahrung und sein technisches Know-how in einem eigenen Unternehmen in Meuspath, unweit des Nürburgrings. Manthey ist also direkt vor den Toren des Nürburgrings entstanden und auf der Nordschleife groß geworden.
Weltweit bekannt wurde Manthey unter anderem durch den „MR“ auf Basis des Porsche 911 GT2 RS, der auf der Nürburgring-Nordschleife eine Zeit von 6:40,3 Minuten erzielte. Damit gehörte das modifizierte, straßenzugelassene Serienfahrzeug seinerzeit zu den schnellsten seiner Art weltweit – und verschob die Grenzen dessen, was man von einem Serienauto erwarten konnte.

2013 übernahm Porsche 51 Prozent der Manthey-Anteile; damit wurde Manthey Teil der Porsche-Gruppe. 2021 stieg das Unternehmen zum offiziellen Motorsportpartner von Porsche auf. Seitdem werden Manthey-Tuningkits als „Manthey-Kits“ über Porsche Tequipment, den Vertrieb für Originalzubehör, offiziell verkauft. Kurz gesagt: Manthey hat sich vom unabhängigen Tuner zu einem eng in Porsche integrierten Veredler entwickelt. Genau das ist entscheidend.
Was verändert sich mit dem Manthey-Kit?
Werfen wir einen genaueren Blick auf den Umfang des Manthey-Kits.
Zunächst zur Aerodynamik: Beim Kit für den 992.2 GT3 ist die Frontlippe um 12 Millimeter verlängert, außerdem wurde der Unterboden vorn geglättet. Am Heck kommen ein großer, über Schwanenhalsstützen befestigter Carbon-Heckflügel, ein Gurney-Flap, vergrößerte Endplatten und Diffusorfinnen aus CFRP zum Einsatz. Dazu erhalten die Hinterräder Aero-Scheiben aus Carbon. Das Ergebnis dieser Maßnahmen: Bei 285 km/h entstehen bis zu 540 Kilogramm Abtrieb. Die Vorstellung, dass sich das Auto förmlich an die Fahrbahn saugt, ist angesichts dieser Zahl keineswegs übertrieben.
Beim Fahrwerk kommen Aluminium-Gewindefederbeine zum Einsatz, deren Dämpfung sich ohne Werkzeug in vier Stufen einstellen lässt. Die Federraten wurden gezielt angepasst: vorn um 20 Prozent erhöht, hinten um 7 Prozent reduziert. Diese auf den ersten Blick unausgewogene Abstimmung zahlt sich auf der Nordschleife aus. Stahlflex-Bremsleitungen sorgen zudem für ein präziseres Pedalgefühl. Der Antriebsstrang bleibt unverändert. Das Kit setzt nicht auf mehr Leistung, sondern optimiert konsequent Kurvenverhalten, Bremsleistung und Traktion.
Das Resultat: Mit Manthey-Kit umrundet der 992.2 GT3 die Nordschleife in 6:52,981 Minuten. Zum Vergleich: Der GT3 RS schafft dieselbe Runde in 6:49,328 Minuten. Ein GT3 mit normaler Karosserie – ohne verbreiterte Kotflügel und ohne Überrollkäfig – kommt der Rundenzeit des RS also bis auf wenige Zehntelsekunden nahe. Optisch bleibt er weitgehend ein GT3, fahrdynamisch rückt er in Richtung RS: Das ist der größte Wert dieses Kits.

Ein Porsche kann schon serienmäßig auf die Rennstrecke
Damit kommen wir zu dem Punkt, über den ich eigentlich schreiben wollte.
Viele Sportwagen sind nicht dafür ausgelegt, im Serienzustand dauerhaft auf der Rennstrecke bewegt zu werden. Nach einigen Runden steigen Kühlmittel- und Öltemperatur, und die Bremsen geben auf. Wer mit einem gewöhnlichen Sportwagen ernsthaft auf die Rennstrecke will, rüstet deshalb oft einen zusätzlichen Ölkühler nach, baut einen größeren Kühler ein und tauscht die Bremsbeläge gegen Zubehörteile aus – manchmal sogar die Bremsscheiben. Erst dann sind schnelle Runden in Serie möglich. Bei vielen Sportwagen gehört das einfach dazu.
Bei Porsche ist das anders. Nicht nur die GT-Modelle wie GT3 und GT4, sondern auch die Autos, die ich selbst gefahren bin – der Carrera 4 GTS, der 991.2 GT3 Touring und meine heutigen 718 Spyder RS und Taycan Turbo GT – lassen sich serienmäßig auf die Rennstrecke mitnehmen. Ich bin mit serienmäßigen Porsche-Modellen schon oft in Suzuka, auf dem Okayama International Circuit und auf dem Fuji Speedway gefahren. Kühlmittel- und Öltemperaturen blieben stabil, und das Bremsgefühl änderte sich von der ersten bis zur letzten Runde nicht. Anschließend konnte ich direkt die Familie einladen und ganz normal nach Hause fahren. Genau das zeichnet einen Porsche aus.

Ich glaube, dass darin die zentrale Philosophie der Ingenieure liegt, die Porsches GT-Modelle entwickeln. Sie bauen seit jeher Autos, die sich im Alltag ganz normal fahren lassen und zugleich auf der Rennstrecke schnell sind. Spezielle Kühlung, Schmierung und Bremsen gehören ab Werk dazu. Die Voraussetzungen für den Rennstreckeneinsatz sollten nicht erst durch Zubehör geschaffen werden müssen – sie gehören von Anfang an ins Auto. Dieser Gedanke zieht sich konsequent durch.
Auch mit dem kürzlich gefahrenen 718 Spyder RS konnte ich auf dem Fuji Speedway Runde um Runde mit vollem Einsatz fahren, ohne mir wegen der Temperaturen Sorgen zu machen. Und das im Serienzustand. Wer schon Sportwagen anderer Hersteller gefahren ist, weiß besonders gut: Das ist alles andere als selbstverständlich.
Gerade deshalb ist das Manthey-Kit sinnvoll
Warum braucht ein Porsche, der serienmäßig bereits so überzeugend ist, überhaupt ein Manthey-Kit?
Bei vielen Sportwagen bedeutet Tuning, fehlende Eigenschaften auszugleichen: Es mangelt an Kühlung, Steifigkeit oder Bremsleistung – also rüstet man nach. Beim Porsche gibt es diese Defizite grundsätzlich nicht. Tuning muss hier deshalb etwas anderes leisten: ein bereits ausgereiftes Fahrzeug noch weiter verbessern. Genau das macht das Manthey-Kit. Es gleicht keine Schwächen aus, sondern hebt ein bereits hohes Niveau von 100 auf 105 oder 110. Darin unterscheidet sich Porsche-Tuning grundlegend von der Optimierung vieler anderer Autos.
Manthey ist in der Nachbarschaft des Nürburgrings entstanden und hat sich dort bewährt. Genau deshalb kann das Unternehmen das Potenzial eines Porsche noch weiter ausschöpfen. Und Porsche selbst erkennt diese Arbeit offiziell an und bietet die Kits über Tequipment an. Die 9.408.300 Yen sind deshalb nicht einfach der Preis für ein paar Teile. Sie kaufen Zugang zu einer Fahrleistung nahe am GT3 RS – ohne Verbreiterung der Karosserie oder Überrollkäfig und bei Erhalt der Porsche-Neuwagengarantie. Betrachtet man den Preis aus dieser Perspektive, wird er nachvollziehbarer.
Natürlich steigt der Gesamtpreis mit leichten geschmiedeten Rädern, Rennbremsbelägen für die PCCB, Michelin Cup 2 R und Montagekosten auf rund 12 Millionen Yen. Günstig ist das keineswegs. Dafür erhält man einen serienmäßig bereits ausgereiften Porsche, der nochmals geschärft ist – ohne auf Alltagstauglichkeit, Garantie oder Wiederverkaufswert verzichten zu müssen. Und zugleich rückt man ihn noch näher an den Rennstreckeneinsatz heran. Eine solche Kombination lässt sich mit gewöhnlichem Zubehör-Tuning nicht erreichen.

Für wen lohnt sich das Manthey-Kit?
Für welche Porsche-Fahrer ist das Kit also geeignet?
Die Antwort ist ziemlich klar: für Besitzer eines 992.2 GT3, die mehrmals im Jahr auf der Rennstrecke fahren und jede Zehntelsekunde herausholen wollen. Für Fahrer, denen der kompromisslose GT3 RS zu weit geht, die sich aber nach mehr sehnen, als der GT3 serienmäßig bietet. Für alle, die keine breitere Karosserie möchten und weder den Wiederverkaufswert noch die Werksgarantie aufs Spiel setzen wollen. Für diese Gruppe ist das Manthey-Kit die einzige wirklich praxisnahe Antwort.
Wer dagegen hauptsächlich auf kurvigen Landstraßen unterwegs ist und nur selten auf die Rennstrecke fährt, wird das Potenzial des Kits kaum ausschöpfen. Denn schon der serienmäßige GT3 ist außergewöhnlich gut. Entscheidend ist, ehrlich einzuschätzen, wie man das Auto tatsächlich nutzt – und erst dann zu entscheiden, ob man bei Manthey anklopft. Ein Porsche ist schon ab Werk ein großartiges Auto. Das Manthey-Kit ist eine ausgesprochen exklusive Möglichkeit, seine Stärken noch weiter auszubauen.
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