Porsche-911-Tour durch Kyōtango und Nord-Hyōgo im luftgekühlten 964

空冷ポルシェ911(964C2) | 車, 道路, 草地, 屋外, PORSCHE, 911, 964
Tourenberichte

Diesmal hat mein Mann von seiner Tour mit dem 964 berichtet. Viel Spaß beim Lesen!

Touren mit dem Porsche 911

Im letzten Beitrag hatte ich berichtet, dass wir das Fahrwerk unseres Porsche 911 Carrera 2 (luftgekühlter 964) komplett überholt hatten. Schon bald wollte ich das neu gewonnene Fahrgefühl auf einer längeren Tour erleben – und so ging es auf eine rund 480 Kilometer lange Tagestour.

Zunächst kamen Ziele in Richtung Wakayama oder Okayama und Tottori infrage. Für einen Tagesausflug entschieden wir uns dann aber für unser Stammrevier zwischen Kyōtango und Hyōgo. In einer Region Kansais, in der es nicht allzu viele schöne Strecken gibt, findet man hier vergleichsweise viele.

Die Gegend rund um das Chūgoku-Gebirge im Norden der Präfektur Hyōgo ist für mich so etwas wie „Nagano im Miniaturformat“: Die Landschaft erinnert an die Präfektur Nagano, nur sind die Straßen kleiner dimensioniert. Außerdem ist die Region ein echter Geheimtipp mit vielen kaum bekannten Traumstraßen.

Zunächst fahren wir auf der Maizuru-Wakasa-Autobahn nach Norden und nehmen Kurs auf die Tango-Halbinsel. Für den frisch überholten 964 ist es die erste richtige Autobahnfahrt – und schon jetzt zeigt sich, wie viel die Überarbeitung des Fahrwerks gebracht hat. Die Spurtreue ist spürbar besser als zuvor, sodass sich der Wagen noch sicherer fahren lässt.

Instabil war der 964 zwar auch vorher nicht. Bei höherem Tempo hatte sich die Front aber manchmal etwas leicht angefühlt. Das hat sich deutlich verbessert: Die Vorderachse vermittelt jetzt viel mehr Grip und Fahrbahnkontakt.

Selbst in engeren Autobahnkurven, die ich etwas zügiger anfahre, bleibt der Wagen sehr stabil. Man spürt deutlich, wie sich das Gewicht auf den kurvenäußeren Vorderreifen verlagert und der 911 souverän durch die Kurve zieht. Ein wirklich neues und tolles Gefühl.

Anschließend wechseln wir auf die Kyōto-Jūkan-Autobahn und fahren in Richtung Amanohashidate. Weil der Ort ein beliebtes Ausflugsziel ist, hoffen wir, nicht im Stau zu landen. Doch der Verkehr fließt überraschend gut – vermutlich sind in diesem Jahr auch coronabedingt weniger Touristen unterwegs.

Nach der Autobahnabfahrt geht es auf der Nationalstraße 178 nach Norden, zunächst zum Kap Kyōga. Schon die Küstenstraße dorthin bietet herrliche Ausblicke und ist wie gemacht für eine Porsche-Tour. Der 964 lenkt sich noch leichtfüßiger als zuvor und schlängelt sich tänzerisch durch die Kurven.

Wir machen eine kurze Pause am Parkplatz beim Leuchtturm von Kap Kyōga und nehmen anschließend Kurs auf Kinosaki.

Luftgekühlter Porsche 911

Wir lassen die Bucht von Kumihama links liegen und cruisen auf der Straße am Ufer entlang. Ich war schon oft hier, aber aus irgendeinem Grund gefällt mir der Blick auf die Bucht so gut, dass ich jedes Mal wieder anhalte.

Nach der Bucht geht es auf die Präfekturstraße 11, die Tajima-Isaribi-Linie. Hinter dem Kinosaki Marine World beginnt die kurvige Bergstrecke. Weit unter uns breitet sich das Japanische Meer aus, während sich die reizvolle Route durch die Berge windet. Wechselnde Steigungen und enge Kurven sorgen für jede Menge Abwechslung und Fahrspaß.

Die Strecke erinnert an die Küstenstraßen am Japanischen Meer in Richtung Fukui und Toyama. Eigentlich wäre ein Boxster für solche Straßen vielleicht die perfekte Wahl.

Mit dem luftgekühlten Porsche im Hochsommer unterwegs

An diesem Tag war es allerdings richtig heiß. Die Außentemperaturanzeige im Auto kletterte zeitweise auf 38 °C, und draußen brannte die Sonne unerbittlich. Für einen luftgekühlten Porsche sind das harte Bedingungen. Doch die Öltemperatur des 964 blieb stabil – selbst beim Warten an Ampeln und im Stau, während die Klimaanlage auf voller Leistung lief, stand die Nadel fast genau in der Mitte. Das liegt vermutlich auch daran, dass der 964 einen Lüfter am Ölkühler hat. Solange Lüfter und andere Komponenten in Ordnung sind, muss man sich wohl nicht übermäßig sorgen.

Was die Klimaanlage angeht, hängt die Leistung natürlich vom Zustand des jeweiligen Fahrzeugs und davon ab, wie viel Kältemittel noch im System ist. Bei meinem 964 ist es bis zu einer Außentemperatur von 35 °C noch einigermaßen auszuhalten – auch wenn die Anlage natürlich nicht mit der eines modernen Autos mithalten kann.

Ab etwa 35 °C wird es jedoch anstrengend, wenn der Luftstrom nicht direkt auf den Körper gerichtet ist und das Gebläse nicht auf Stufe drei oder vier von vier läuft. Dann kommt die Kühlleistung merklich nicht mehr gegen die Hitze an, die sich durch die direkte Sonneneinstrahlung im Innenraum staut.

Andererseits ist es ohne direkte Sonne durchaus angenehm kühl. Die Scheiben des damaligen 964 sind vermutlich einfache klare Scheiben ohne Wärmeschutz – direkte Sonneneinstrahlung macht dem Innenraum daher besonders zu schaffen. Für den nächsten Sommer überlege ich, eine transparente Sonnenschutzfolie anbringen zu lassen.

Weiter geht es nach Kasumi, wo wir uns einige der schönsten Straßen Hyōgos vornehmen. Zuerst fahren wir auf die Präfekturstraße 4. Was für eine Traumstraße! Sie ist breit, wenig befahren und führt mit sanften, überwiegend lang gezogenen Kurven durch die Landschaft. Gäbe es eine Liste der 100 schönsten Straßen Hyōgos – die es natürlich nicht gibt –, wäre diese für mich ganz vorne mit dabei.

Auf der Präfekturstraße 4 ist die Klimaanlage des 964 aus, die Fenster sind komplett heruntergelassen und auch das Schiebedach ist offen. Das Tiptronic-Getriebe lasse ich im dritten Gang, während wir ganz entspannt dahinrollen. Die kühle Luft, die in den Bergen immer wieder aufkommt, auf der Haut zu spüren und dabei dem Puls und Klang des luftgekühlten Sechszylinder-Boxers zu lauschen – besser geht es kaum.

Das Fahrgefühl macht einfach unglaublich glücklich.

Von der Präfekturstraße 4 wechseln wir auf die Nationalstraße 9 und nehmen Kurs auf das Skigebiet Hachi Kita. Wir fahren auf die Präfekturstraße 89, die ich schon einmal mit dem GT3 erkundet habe. Sie ist auch Teil der Chronoscalate in Hachi Kita, eines Bergrennens, für das die öffentliche Straße gesperrt wird.

Die Chronoscalate in Hachi Kita bei meinem Besuch mit dem GT3

Auf dieser kurvigen Bergstrecke ist kaum Verkehr, und meistens hat man sie fast für sich allein. Im ersten Abschnitt ist der Belag stellenweise etwas holprig, trotzdem macht die Route richtig Spaß. Der Anstieg im zweiten Gang ist so mitreißend, dass ich gleich zweimal hin und zurück fahre.

Anschließend suchen wir etwas Abkühlung und fahren über das Skigebiet Hachi Kita zurück zur Nationalstraße 9. Als Nächstes nehmen wir Kurs auf das Skigebiet Hachi Kōgen. Auch die Präfekturstraße 87 ist eine tolle Strecke: Es ist kaum Verkehr unterwegs, viele Abschnitte sind schön breit, und man kann entspannt im eigenen Tempo fahren. Am Hachi Kōgen kommt man mit dem Auto bis kurz vor die Skipisten, wo ich ein paar Fotos mache.

In der Höhe ist es angenehm kühl. Viele junge Leute sind unterwegs – vermutlich Teilnehmende eines Uni-Trainingslagers –, darunter auch einige beim Joggen.

Zurück auf der Nationalstraße 9 fahren wir anschließend auf die Präfekturstraße 6. Sie gehört zu meinen Lieblingsstrecken, allerdings gibt es einige schmale und stellenweise holprige Abschnitte, bei denen Vorsicht geboten ist. Dafür ist wenig Verkehr unterwegs, und Gegenverkehr ist normalerweise kein Problem. Solange man nicht gerade mit einem Supersportwagen unterwegs ist, sollte die Strecke gut zu meistern sein.

Auf dem Weg kommen wir an der bekannten Mine Akenobe vorbei. Bis hinauf zum Futo-no-Pass ist es stellenweise etwas düster. Die Atmosphäre dieser alten Straße gefällt mir ausgesprochen gut.

Wir durchqueren den Ort Ichinomiya und fahren weiter auf die Präfekturstraße 8. Seit mehr als 20 Jahren bin ich regelmäßig auf dieser Strecke unterwegs, und der Straßenzustand hat sich von Jahr zu Jahr verbessert. Trotzdem gibt es auf der westlichen, zu Ichinomiya gehörenden Seite noch schmale und stellenweise holprige Abschnitte, bei denen man aufmerksam fahren sollte. Danach wartet ein anspruchsvoller Pass, der richtig Fahrspaß verspricht.

Besonders schön ist der Abschnitt hinter dem Pass, wenn die Straße ins Tal hinunterführt und weiter nach Kamikawa verläuft. Das ist eine Traumstrecke, wie sie im Buche steht. Auch sie würde es in meiner imaginären Liste der 100 schönsten Straßen Hyōgos weit nach oben schaffen.

Die Straße am Fluss entlang lädt dazu ein, den 964 laufen zu lassen. Sie ist herrlich zu fahren und wenig befahren – genau der richtige Ort, um im dritten Gang mit dem Tiptronic-Getriebe, bei offenem Fenster und mit AM-Radio im Hintergrund unterwegs zu sein.

Man muss dafür nicht einmal den Pass überqueren. Diese Straße ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Schließlich machen wir uns auf den Heimweg. Als wir zu Hause ankommen, sind tatsächlich elf Stunden Fahrzeit zusammengekommen. Insgesamt sind wir 482 Kilometer gefahren. Der Verbrauch lag laut Berechnung über die getankte Kraftstoffmenge bei 8,96 km/l; der Bordcomputer zeigte 10,2 l/100 km an, was etwa 9,8 km/l entspricht. Die Abweichung beträgt also ungefähr zehn Prozent.

Und trotzdem: Auch nach so vielen Kilometern macht der luftgekühlte Porsche noch Freude. Touren mit einem wassergekühlten Porsche sind ebenfalls toll – doch ein luftgekühlter Porsche macht schon bei moderatem Tempo richtig Spaß. Das etwas schwerere Lenkrad in den Händen, der Gasfuß auf dem Pedal und der unverfälschte Klang des Sechszylinder-Boxers im Ohr: Statt einfach nur eine Tour oder Ausfahrt zu machen, fühlt es sich an, als wäre man wirklich auf Reisen. Dieses Gefühl ist bei einem luftgekühlten Porsche noch einmal deutlich intensiver als bei einem wassergekühlten. Genau das macht für mich einen Teil des Reizes dieses Autos aus.

Route der Tour

Hiro

Ich bin Minas Ehemann. Ich fahre Autos nicht als Mode oder Statussymbol. Mir gefallen Wagen, die Spaß machen, als Industrieprodukt überzeugen und in denen man die Absicht der Macher spürt. Lange Touren sind meine Leidenschaft, und ein Auto zählt erst, wenn man es fährt. An freien Tagen reise ich mit unseren Wagen durch Japan. Im Blog schreibe ich vor allem Fahrberichte und Tourenberichte und kümmere mich um die Technik der Seite und ums Tuning.

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