3.000 km durch Tōhoku im Porsche Boxster: Die große Tour, Teil 1

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Tourenberichte

Mit dem Boxster nach Tōhoku

Auf Twitter hatte ich schon ab und zu davon erzählt: Am letzten langen Wochenende im Mai, der sogenannten Golden Week, war mein Mann mit dem Boxster auf großer Tour durch Tōhoku unterwegs. Sechs Nächte und sieben Tage lang – ohne Fähre und komplett auf eigener Achse. Wie immer hat er seinen Reisebericht selbst zusammengestellt. Da er mit den Tagen 1 bis 7 ziemlich umfangreich geworden ist, veröffentlichen wir ihn in mehreren Teilen.

Dazu noch eine Nachricht von meinem Mann:

In diesem Jahr bin ich über die Golden Week auf eine lange Tour durch Tōhoku gefahren. Wie immer ging es vor allem ums Fahren; allgemeine Tipps zu Sehenswürdigkeiten gibt es so gut wie keine. Wenn ihr mögt, lest den Bericht einfach so, als wärt ihr selbst mit eurem Boxster unterwegs.

Wenn ihr jetzt denkt: „Das möchte ich lesen!“, dann gehört ihr vermutlich zu den ganz besonderen Porsche-Fans (w) – und könnt gern weiterlesen.

Tōhoku-Tour im Boxster: Tag 1

9 Uhr morgens. Gepäck in den Koffer packen, die Fotoausrüstung zusammenstellen und alles im Boxster verstauen. Sein Stauraum ist selbst bei viel Gepäck erfreulich praktisch. Ich ziehe meine CACAZAN-Fahrerhandschuhe an. Wie immer stecke ich den Schlüssel links ins Zündschloss – eine Porsche-Tradition – und lasse den Motor an. Das Öl ist frisch gewechselt, die Reifen sind noch fast neu.

Fahrersitz im Porsche Boxster GTS

Für diese Tour ist der Boxster in Bestform.

Ich lasse die Kupplung langsam kommen und fahre aus der Garage, um mich erst einmal mit dem Wagen vertraut zu machen. Bis die Öltemperatur den blauen Bereich verlassen hat, fahre ich in höheren Gängen und gebe den beweglichen Teilen Zeit, warm zu werden. Dann geht es über das Rokko-Gebirge – der Auftakt zu einer großen Tour durch Tōhoku, sechs Nächte und sieben Tage lang.

Wie schon in einem früheren Blogbeitrag erwähnt, fahre ich über den „Thunderblec Ring“ von der Nationalstraße 372 auf die Präfekturstraße 54 und weiter Richtung Sonoda. Die Präfekturstraße 54 ist zwar kurz, aber angenehm zu fahren – vor allem, weil nur wenig Verkehr herrscht.

Von Sonoda geht es über die Präfekturstraße 19 auf die Nationalstraße 162 und weiter in Richtung Obama. Das Wetter spielt leider nicht mit: Feiner Regen, fast wie Nebel, zieht über den frisch gewaschenen Boxster. Wenn schon Regen, dann lieber richtiges Schütten. Dieser feine Nieselregen macht das Auto am schmutzigsten.

Porsche Boxster im Regen

Mit einem Auge auf zivile Polizeiautos und Radarfallen schalte ich in den dritten und vierten Gang und nehme den Horikoshi-Pass auf der Nationalstraße 162 in Angriff. Genau solche Straßen machen im Boxster am meisten Spaß. Sein präzises Einlenkverhalten, die starke Bremsanlage, der Motorsound und der geschmeidige Federungskomfort harmonieren perfekt – der Wagen fühlt sich fast wie ein Teil des eigenen Körpers an.

Porsche Boxster auf der Nationalstraße 162

Je näher ich Obama komme, desto besser wird das Wetter. Mein nächstes Ziel ist die Angel Line, die ich schon einmal mit dem Boxster gefahren bin. Die Passstraße hinauf zur Angel Line ist stellenweise ziemlich rau und voller kleiner Steine – wirklich angenehm zu fahren ist sie nicht. Doch die Aussicht vom Gipfel ist einmalig, weshalb ich diesen Ort besonders mag. Oben angekommen, lugt die Sonne durch eine Wolkenlücke – fast, als würde sie den Beginn der langen Reise begrüßen.

Porsche Boxster GTS

Nachdem ich ausgiebig die Landschaft und meinen Boxster fotografiert habe, mache ich mich auf den Weg nach Sabae, wo ich übernachten werde. Über die Autobahn wäre ich schnell dort, doch ich entscheide mich ohne zu zögern für die Landstraße. Über die Nationalstraßen 27, 8 und 305 cruise ich entspannt am Japanischen Meer entlang. Das Wetter bleibt wechselhaft, immer wieder setzt Regen ein – schade, dass ich das Verdeck nicht öffnen kann.

Die schöne Küstenlandschaft wirkt im grauen Wetter gleich viel trister.

Am Japanischen Meer im Porsche Boxster

Tōhoku-Tour im Boxster: Tag 2

Am zweiten Tag schlage ich im Hotel den Tourenatlas auf und prüfe die Route. Entlang der Küste zwischen Kanazawa und Toyama finde ich jedoch keine Strecke, die besonders reizvoll aussieht. Eigentlich hätte ich gern die Noto-Halbinsel und die Chiri-hama-Nagisa-Driveway besucht, aber bei dem schlechten Wetter und dem engen Zeitplan ist das nicht drin.

Also schaue ich noch einmal in den Blog von wata, meinem Touren-Vorbild (Entschuldigung, wir sind uns noch nie begegnet – ich habe ihn einfach kurzerhand dazu erklärt.). Dabei entdecke ich einen Beitrag über eine weiträumige Landstraße zwischen der Anschlussstelle Tateyama und der Stadt Namerikawa. Also beschließe ich, erst einmal dorthin zu fahren.

Allerdings muss ich heute noch bis nach Niigata kommen und kann es mir deshalb nicht leisten, allzu lange gemütlich unterwegs zu sein. Also nehme ich die Hokuriku-Autobahn und lege ein Stück im Schnellgang zurück. Ich bin schon länger nicht mehr auf der Hokuriku-Autobahn gefahren. Der Verkehr ist überschaubar und die Strecke ausgesprochen angenehm. Ich halte den Verkehrsfluss aufrecht, lasse etwas mehr Abstand zum Vordermann und passe auf, dass ich nicht den Eindruck erwecke, ihn zu bedrängen.

Porsche Boxster auf Tour

Die Frontschürze des Boxster GTS ist V-förmig gestaltet. Zusammen mit dem eingeschalteten Tagfahrlicht (DRL) wirkt die Front offenbar ziemlich imposant. Wenn ich zu dicht auffahre, machen mir die Autos vor mir deshalb öfter Platz – obwohl das gar nicht nötig wäre. Ich versuche daher im Alltag, nicht zu nah aufzufahren.

Bei einem Zwischenstopp auf einem Rastplatz fällt mir ein: Heute beginnt ja die Reiwa-Ära. Während ich eine Liveübertragung der morgendlichen Inthronisierungszeremonie auf dem Smartphone anschaue, mache ich eine kurze Pause. Danach verlasse ich die Autobahn an der Anschlussstelle Tateyama und fahre auf die weiträumige Landstraße. Es ist zwar etwas Verkehr, aber ich erwische eine freie Strecke und kann in angenehmem Tempo fahren. Bei besserem Wetter hätte ich vermutlich die Tateyama-Bergkette gesehen. Doch der Regen fällt weiterhin leise vom Himmel.

Zeremonie zum Beginn der Reiwa-Ära

Zurück auf der Hokuriku-Autobahn geht es zügig weiter Richtung Präfektur Niigata. In Kashiwazaki fahre ich auf die Küstenstraße, die Nationalstraße 352, und folge ihr nach Norden. Das Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa, das oft in den Nachrichten zu sehen ist, liegt auf dem Weg. Anschließend geht es auf der Nationalstraße 402 weiter. Anders als in Kansai gibt es hier auch auf den Landstraßen nur wenige Ampeln, und das Tempo ist angenehm. Vor allem die langen Geraden entlang der Küste sind ungewohnt – so etwas gibt es in Kansai kaum.

Nach einer Pause im Park Komuguri-no-Sato setze ich meine Fahrt nach Norden in Richtung Niigata fort. Das Japanische Meer ist nach wie vor bleigrau und wirkt wenig einladend. Auch heute beschließe ich, schon früh zum Hotel zu fahren.

Porsche Boxster GTS

(Fortsetzung im zweiten Teil)

Nächstes Mal: Akita, Aomori …

Beim Lesen musste ich mehrmals denken: „Wollte mein Mann nicht einmal Schriftsteller werden? Nein, das kann doch nicht sein!“ (lacht) In diesem Teil ging es vor allem um die Anreise nach Tōhoku – sozusagen das Vorspiel. Im nächsten Teil folgen dann die eigentliche Tour durch Tōhoku, beeindruckende Landschaften und natürlich jede Menge Fotos vom Boxster.

Hier geht’s weiter → 3.000 km durch Tōhoku im Porsche Boxster: Die große Tour, Teil 2

Hiro

Ich bin Minas Ehemann. Ich fahre Autos nicht als Mode oder Statussymbol. Mir gefallen Wagen, die Spaß machen, als Industrieprodukt überzeugen und in denen man die Absicht der Macher spürt. Lange Touren sind meine Leidenschaft, und ein Auto zählt erst, wenn man es fährt. An freien Tagen reise ich mit unseren Wagen durch Japan. Im Blog schreibe ich vor allem Fahrberichte und Tourenberichte und kümmere mich um die Technik der Seite und ums Tuning.

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