Warum Motorsport in Japan noch keine festen Wurzeln geschlagen hat

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Unser Auto‑Leben

Anders als beim Golf oder Tennis

Neulich meinte mein Mann: „Beim Golf und Tennis achten alle auf die richtige Grundhaltung und nehmen sie ernst. Aber sobald es ums Autofahren geht, scheint niemand mehr an Sitzposition oder Fahrtechnik zu denken. Dabei ist es doch im Grunde dasselbe.“

…Hm? Dasselbe?

Ganz sicher bin ich mir da nicht, aber irgendwie kann ich seinen Gedanken nachvollziehen.

Tatsächlich beschäftigen sich viele mit ihrer Golftechnik: „Wie schaffe ich mehr Weite?“ oder „Wo muss ich den Ball treffen, damit er sauber und gerade fliegt?“ Dass RIZAP inzwischen sogar individuelles Golftraining anbietet, zeigt wohl, wie viele Menschen in ganz Japan ihr Handicap verbessern möchten.

Auch beim Tennis hat der Erfolg von Kei Nishikori für zusätzlichen Auftrieb gesorgt. Ich habe gehört, dass seitdem mehr Menschen Tennisschulen besuchen.

Verglichen mit Tennis und Golf steckt die Motorsportkultur in Japan allerdings noch in den Kinderschuhen.

In Europa ist Motorsport offenbar viel stärker im Alltag verankert. Es gibt zahlreiche Rennstrecken, auf denen Formel 1 und andere große Rennen ausgetragen werden, und viele Menschen gehen zu den Veranstaltungen. In Japan dagegen scheint oft das Bild vorzuherrschen:

„Formel 1? Da gehen doch nur Nerds oder reiche Leute hin, die sich ein teures Hobby leisten können, oder?“

Motorsport ist in der breiten Öffentlichkeit jedenfalls noch nicht wirklich angekommen.

Unter Autofans sind Rennfahrer wie Kamui Kobayashi und Kazuki Nakajima sicher bekannt. Doch viele Menschen kennen ihre Namen noch immer nicht. Auch in Sportsendungen im Fernsehen geht es häufig um Baseball, Fußball, Tennis und Golf – Motorsport kommt dagegen nur selten zur Sprache. Vielleicht würde er in Japan bekannter, wenn Kobayashi und andere japanische Fahrer in der Formel 1 oder bei großen Rennen antreten und Siege einfahren würden …

Aber vermutlich hätte selbst das nicht denselben Effekt wie Kei Nishikori im Tennis.

Was unterscheidet Europa und Japan?

Über die Frage „Warum hat Motorsport in Japan keine festen Wurzeln geschlagen?“ habe ich früher einmal mit meinem Mann diskutiert. Dabei kamen wir zu dem Schluss:

„In Europa prägte die Kutsche die Kultur, in Japan der Eilbote.“

In Europa hat die Kutsche eine lange Tradition. Offenbar gab es sie bereits zur Zeit der mesopotamischen und der Indus-Kultur. Auch die vielerorts offene Landschaft machte das Reisen mit der Kutsche einfacher. Unter den Adeligen wetteiferte man um die prächtigste Ausstattung und die höchste Geschwindigkeit – die Kutsche galt als Statussymbol. Das Auto entwickelte sich gewissermaßen aus dieser Kutschentradition heraus.

Japan hingegen ist ein gebirgiges Land mit engen Wegen, auf denen Kutschen kaum fahren konnten. Außerdem soll das Edo-Shogunat den Verkehr mit Fahrzeugen in den meisten Regionen verboten haben. Selbst bei den großen Reisen der Daimyō zwischen ihren Lehen und Edo wurden die Fürsten in Sänften getragen. (Die Eilboten hatten es bestimmt nicht leicht.)

Erst ab der Meiji-Zeit verbreiteten sich Autos in Japan rasch. Während sich das Auto in Europa auf dem Boden einer langen Kutschentradition nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern auch als Ausgangspunkt für den Motorsport entwickelte, fehlte Japan eine vergleichbare kulturelle Grundlage. Bis heute wird das Auto dort vor allem als Transportmittel verstanden.

Kein Wunder also, dass viele Menschen der Sitzposition beim Autofahren kaum Beachtung schenken – schließlich dient das Auto in erster Linie dazu, von A nach B zu kommen. Vielleicht würden mehr Menschen auf ihre Fahrposition achten, wenn Motorsport auch in Japan stärker zum Alltag gehörte, so wie mein Mann es meint.

Allerdings lässt sich eine solche Entwicklung nicht in wenigen Jahren erreichen. Vielleicht dauert es Jahrzehnte – oder sogar noch länger. Je mehr ich darüber nachdenke, desto komplexer erscheint mir das Thema Auto.

 

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