Mit dem Ferrari 488 Spider auf kleiner Tour – Fahreindruck und Vergleich mit Porsche und McLaren

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Tests & Fahrberichte

Ferrari 488 Spider

Vor einiger Zeit schrieb ich im Blog, dass „mein Schwager offenbar einen Ferrari gekauft hat“. Kürzlich unternahm mein Mann mit dem gerade ausgelieferten Ferrari 488 Spider eine kleine Brüder-Tour. Sein Bruder musste beruflich einen Ort besichtigen, und mein Mann schloss sich kurzerhand an. Gemeinsam fuhren sie die Nationalstraße 29 in Richtung Norden, überquerten den von leichtem Schneefall begleiteten Togura-Pass und fuhren bis in die Gegend von Tottori.

Als mein Mann an diesem Tag nach Hause kam, sagte er: „War ziemlich gut.“ Deshalb möchte ich heute von seinen Eindrücken erzählen. Als ich ihn fragte, ob er als Porsche-Fahrer nun endgültig Ferrari sein Herz geschenkt habe, meinte er nur: „Ach was, natürlich nicht!“ (lacht)

Motor und Getriebe

Motor

Der Motor des Ferrari 488 Spider soll drei Jahre in Folge als „International Engine of the Year“ ausgezeichnet worden sein. Der 3,9-Liter-V8-Biturbo leistet 670 PS und entwickelt bei 3.000/min ein Drehmoment von 760 Nm. Mein Mann meinte:

Der Motor ist wirklich beeindruckend. Obwohl es ein Turbomotor ist, spürt man kaum Turboloch, und er dreht unglaublich frei hoch. Die Drehzahl steigt so rasant, dass man weder Anstrengung noch Reibungsverluste wahrnimmt.
Schon nach kürzester Zeit beginnt die Schaltanzeige am Lenkrad rot zu blinken. Man denkt, der Motor dreht vielleicht gerade mit 4.000/min – schaut auf den Drehzahlmesser und sieht, dass es schon über 6.000/min sind.
Auch der Motor des GT3 dreht schnell hoch, aber der Ferrari ist mindestens genauso schnell, wenn nicht noch schneller.

Subjektiv fühlte es sich dabei offenbar gar nicht so an, als wäre man besonders schnell unterwegs.

Ab etwa 3.000/min sind Drehmoment und Leistung heftig, aber Angst bekommt man trotzdem nicht. Die Nadel klettert im Nu nach oben, doch ein ausgeprägter Turbobums bleibt aus. Man merkt zwar, dass es ein Turbo ist, aber das fühlt sich nicht störend an.
Auch bei niedrigen Drehzahlen lässt er sich gut fahren und wirkt kaum wie ein Auto mit 670 PS. Im Stadtverkehr muss man sich praktisch keine Gedanken machen, und selbst bei sehr niedriger Geschwindigkeit braucht es keine besonders feinfühlige Gaspedalbedienung.

Beeindruckende 670 PS! Ein Punkt fiel meinem Mann allerdings auf:

Wenn man im AUTO-Modus mit etwa 80 bis 100 km/h dahinrollt, liegt die Drehzahl bei rund 2.000/min. Gibt man dann leicht Gas, steigt die Geschwindigkeit nicht entsprechend an.

Ob das am großen Leerweg des Gaspedals oder an der langen Übersetzung liegt, konnte er nicht sagen. Er hätte sich jedenfalls eine linearere Reaktion auf den Gasfuß gewünscht. (Schaltet man herunter, steigt die Geschwindigkeit natürlich.)

Bei Porsche passen Gaspedalstellung und Geschwindigkeit in jedem Gang und bei jedem Modell sauber zusammen. Man hat das starke Gefühl, dass der rechte Fuß direkt mit dem Motor verbunden ist. Das war hier anders. Genau darin liegt ein Unterschied zu Porsche.

Getriebe

Das Getriebe ist ein 7-Gang-F1-Doppelkupplungsgetriebe – also nach demselben Prinzip aufgebaut wie Porsches PDK. Die Schaltwippen neben dem Lenkrad sind groß, hochwertig verarbeitet und leicht zu bedienen. Auch die Reaktionszeit ist sehr kurz: Die Gangwechsel erfolgen knackig und präzise, erzählte mein Mann.

Allerdings meinte er:

Eine Verzögerung spürt man überhaupt nicht. Verglichen mit dem unglaublich schnellen PDK des GT3, bei dem man sich fragt: „Ist das ein Videospiel?“, ist das Getriebe aber eine Spur langsamer.

Handling

Beim Ferrari 488 Spider ist der vordere Überhang lang, und die Vorderräder liegen nah an den Sitzen. Vom Beifahrerfußraum aus sieht man, wie weit die großen Vorderräder in den Innenraum hineinragen. So wird deutlich, dass die Insassen direkt dahinter sitzen.

Mein Mann beschrieb das Fahrgefühl so:

Vielleicht, weil sich die Insassen beim Lenken stärker seitlich bewegen: Schon bei kleinen Lenkradbewegungen spürt man deutliche Querkräfte. Das ist ein großer Unterschied zu Porsche. Beim Spurwechsel und sogar in weiten Kurven nimmt man die Querbeschleunigung klar wahr. Man spürt deutlich, dass man in einem agilen Hochleistungsauto sitzt.
Auf kurvigen Straßen fühlt es sich dadurch manchmal so an, als wirkten mehr G-Kräfte auf einen ein als nötig. Das kann sich ein wenig beängstigend anfühlen – aber vielleicht gehört genau diese Spannung zum Reiz eines Ferrari.
Die tatsächlichen Grenzen liegen vermutlich deutlich höher. Doch die Querkräfte waren spürbar, und an diesem Tag war es kalt und die Straße leicht feucht. Da hatte ich nicht das Bedürfnis, immer weiter ans Limit zu gehen.

Bei dieser Tour konnte mein Mann das Handling zwar noch nicht umfassend beurteilen. Er meinte aber, dass es sicher großen Spaß machen würde, sobald man sich an das Auto gewöhnt und es besser beherrscht.

Im Vergleich zu seinem früheren McLaren 650S hatte der McLaren bei Lenkpräzision und Fahrbahnkontakt die Nase vorn. Bei Spurstabilität, Fahrbarkeit und Lenkbarkeit gefiel ihm dagegen der Ferrari besser. Auch längere Touren sollte man damit bequem und ohne große Ermüdung bewältigen können.

Mein Bruder meinte, dass sich das Auto im Vergleich zu deutschen Wagen an manchen Stellen ein wenig heikel anfühlt. Aber vielleicht gehört auch das zu seinem Reiz. Ich glaube, ich kann verstehen, was er meint.


(Wenn man genau hinsieht, fährt mein Schwager in Sandalen! Lacht.)

Heikel – und genau das macht den Reiz aus?

Als ich sagte: „Ich mag es lieber, wenn ein Auto sich nicht heikel anfühlt. Ich möchte mich voll und ganz auf mein Auto verlassen können. Aber ist es mit dem Reiz des Heiklen nicht ein bisschen wie mit Fujiko Mine – einer wunderschönen Frau mit einer gefährlichen Aura, in die man sich verliebt?“, meinte mein Mann: „Ja, ungefähr so könnte man es sagen.“ (lacht)

Fahrkomfort und Alltagstauglichkeit

Fahrkomfort

Der 488 Spider hat offenbar die Fahrmodi WET, SPORT und RACE. Im zurückhaltendsten Modus WET ist der Fahrkomfort überraschend hochwertig. Wenn man die Augen schlösse, könnte man womöglich gar nicht merken, dass man in einem Ferrari sitzt.

Auch im meistgenutzten SPORT-Modus ist der Komfort keineswegs schlecht. Das Auto fährt sich dann etwa wie ein etwas straffer abgestimmtes Sportcoupé und eignet sich durchaus für längere Strecken. Im RACE-Modus wird das Fahrwerk zwar etwas härter, unangenehm wird es aber offenbar nicht.

Auch die Spurstabilität ist hoch, und das Gefühl für die Geschwindigkeit ist ausgesprochen gut gedämpft. Mit der enormen Leistung erreicht man das gewünschte Tempo so schnell, dass man aufpassen muss, nicht plötzlich viel zu schnell zu fahren. Im normalen Stadtverkehr klingen Motor und Auspuff angenehm zurückhaltend. Nichts war störend laut oder unangenehm. Verglichen mit dem McLaren 650S, dessen Leerlauf ständig mit einem tiefen „Wumm“ präsent ist, ist der Ferrari auch im Stau deutlich komfortabler.

Da hat er recht – das Leerlaufgeräusch des McLaren 650S konnte beim Fahren ganz schön anstrengend sein.

Oberhalb von etwa 3.000/min öffnen sich offenbar die Klappen, und der Klang wird plötzlich deutlich lauter. Anfangs war ich überrascht, aber bei einem Ferrari ist der Auspuffsound natürlich ein Genuss. Der Motor dreht so bereitwillig hoch, dass man ihn am liebsten immer weiter ausdrehen und seinem Klang lauschen möchte. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich auch gern einmal den Klang des frei saugenden 458 hören.

An die Bedienung rund ums Lenkrad gewöhnt man sich laut meinem Mann schnell, sofern man sich die Funktionen einmal erklären lässt. Wie bei Lamborghini wird der Blinker über Schalter am Lenkrad bedient. Beim Ferrari gibt es jedoch je einen Blinkerschalter links und rechts am Lenkrad, sodass man beide Hände stets am Lenkrad lassen muss. (Beim Huracán gibt es nur einen Schalter, den man je nach Richtung nach links oder rechts drückt.)

„Vielleicht ist das bei einem derart leistungsstarken Auto absichtlich so gelöst, damit man das Lenkrad immer sicher mit beiden Händen hält“, meinte mein Mann.

Auch die Übersicht aus dem Fahrersitz und das Sichtfeld nach vorn seien gut, sodass sich der Ferrari leicht fahren lasse. Selbst mein 1,78 Meter großer Mann hat ausreichend Kopffreiheit. Da man in Ferrari-Sitzen ohnehin tief sitzt, sollte auch für größere Fahrer genug Platz sein. Kleinere Fahrerinnen könnten dafür möglicherweise Schwierigkeiten haben, nach vorn zu sehen.

Nach rechts hinten sieht man bei geschlossenem Verdeck mit bloßem Auge fast nichts. Das ist bei vielen Autos ähnlich, etwa beim Boxster oder bei offenen Fahrzeugen mit Linkslenkung. Trotzdem muss man beim Auffahren auf die Autobahn und beim Herausfahren aus Parkplätzen besonders gut aufpassen.

Bei einem Ferrari fragt man sich natürlich, wie alltagstauglich das Auto wegen der geringen Bodenfreiheit ist. Mein Schwager sagte jedoch, dass der Ferrari im Vergleich zu seinem früheren Huracán selbst an Stellen nicht aufsetzt, an denen der Lamborghini den Unterboden gestreift hätte. Natürlich muss man wegen der niedrigen Bodenfreiheit weiterhin auf Unebenheiten achten, aber bisher ist er noch nirgends aufgesetzt.

Das leuchtet ein. Als ich hörte, dass mein Schwager seinen Ferrari bekommen hatte, fragte ich neulich seine Frau: „Fährst du im Alltag auch Ferrari?“

Nein, den fahre ich nicht. Ich kann damit einfach nicht fahren. Er ist ziemlich breit, und ich hätte ständig Angst, irgendwo aufzusetzen. In der Stadt fällt er außerdem sehr auf und ist unpraktisch … Am Ende fahre ich doch fast immer den Prius. (lacht)

Das Fazit meines Mannes

Mein Mann zog folgendes Fazit:

Für mich liegt der größte Reiz ganz klar im Motor. Klang, Leistung und Ansprechverhalten – der Ferrari hat mich in jeder Hinsicht beeindruckt. Besonders bemerkenswert ist, wie gut sich dieser Hochleistungsmotor so abstimmen lässt, dass ihn jeder fahren kann.
Auch Alltagstauglichkeit und Komfort sind völlig in Ordnung, sofern man sich nicht an den Blicken anderer oder am Risiko von Beschädigungen und Vandalismus stört. Und dann ist da natürlich noch das wunderschöne Design. Wer den Ferrari auch als Kunstwerk schätzt, bekommt ein außergewöhnliches Auto.

Ein Ferrari ist zwar sehr teuer, verliert aber offenbar nur wenig an Wert. Dadurch kann man ihn unterm Strich vergleichsweise günstig fahren. Betrachtet man es so, bietet der Ferrari für sein Design und seine Leistung ein bemerkenswert gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Zum Schluss fragte ich meinen Mann: „Wenn dir der Ferrari so gut gefallen hat – würdest du dir dann einen kaufen?“

„Nein. Ich mag es grundsätzlich nicht, überall aufzufallen.
Wenn irgendwann einmal ein Ferrari auf den Markt kommt, bei dem man nicht sofort erkennt, dass es ein Ferrari ist, würde ich vielleicht darüber nachdenken. Aber im Moment brauche ich keinen.“

So seine Antwort. (lacht)

Mina

ポルシェブログ「ポルシェがわが家にやってきた」管理人、3児の母。数年前までは、車に全く興味が無かったが、夫がポルシェを買ってきたことをきっかけにポルシェの素晴らしさを知り、ついには自分でMT車を購入するなどし、現在に至る。 ブログでは、クルマオタクの夫と、夫に洗脳されていく妻の日常を書いています。

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Hiro

Ich bin Minas Ehemann. Ich fahre Autos nicht als Mode oder Statussymbol. Mir gefallen Wagen, die Spaß machen, als Industrieprodukt überzeugen und in denen man die Absicht der Macher spürt. Lange Touren sind meine Leidenschaft, und ein Auto zählt erst, wenn man es fährt. An freien Tagen reise ich mit unseren Wagen durch Japan. Im Blog schreibe ich vor allem Fahrberichte und Tourenberichte und kümmere mich um die Technik der Seite und ums Tuning.

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