Jaguar XKR: Traumcoupé im Test – sportliche R-Performance und die legendäre Katzenpfote
Veröffentlicht: 2021.03.28
Mein Mann durfte neulich wieder einen automobilen Klassiker aus dem Bekanntenkreis fahren und hat darüber einen Artikel geschrieben. Viel Spaß beim Lesen!
Ein Traum wird wahr: der Jaguar XKR
In meinen Zwanzigern las ich nachts im Bett stundenlang die Zeitschrift CAR GRAPHIC. Ich ließ mir Prospekte von Autos kommen, die ich mir ohnehin niemals hätte leisten können, legte sie unter mein Kopfkissen und hoffte, wenigstens im Traum einmal am Steuer zu sitzen.
Ein Auto faszinierte mich damals ganz besonders: die XK-Baureihe von Jaguar. Ein kraftvoller V8, eine große, elegante Coupé-Karosserie und ein Innenraum, der mit edlem Leder und Holz verziert war – für mich der Inbegriff eines Traumwagens.
„Wie schafft man es, so ein Auto zu fahren?“ „Was muss man dafür arbeiten?“
Tag für Tag gingen mir diese Fragen durch den Kopf, während ich in meiner schlecht beleuchteten Einzimmerwohnung die CAR GRAPHIC immer wieder von vorne bis hinten las.
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Ein Exemplar der CAR GRAPHIC von damals. Grundsätzlich scanne ich alle Zeitschriften, die ich kaufe, und archiviere sie digital.
Jaguar XKR im Test
Und nun war es endlich so weit: Ich durfte den Traumwagen aus meiner Jugend fahren. Vor mir stand der Jaguar XK der ersten Generation – und zwar das 2005 vorgestellte Sondermodell zum Produktionsende, der XKR 4.2-S. In Japan war das Modell selten: Es wurden nur 50 Coupés und zehn Cabriolets angeboten.

Außen wie innen ist der Wagen in hervorragendem Zustand. Der heutige Besitzer hat unter anderem das Fahrwerk überholen lassen und neue Reifen aufziehen lassen. So sei der XKR jetzt wieder richtig gut in Schuss.
Jaguar-Innenräume sind wunderschön. Die elfenbeinfarbenen Sitze von Recaro und die edlen Holzeinlagen, für die Jaguar bekannt ist, schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. Schon beim Einsteigen fühlt man sich wie in Großbritannien.
Anders als in einem Porsche oder einem anderen deutschen Auto, bei denen der Arbeitsplatz hinter dem Lenkrad im Mittelpunkt steht, erwartet einen hier eine Welt voller Eleganz – und die lässt einen sofort zur Ruhe kommen.


Der 4,2-Liter-V8 mit Kompressor erwacht leise zum Leben, und die Sechsgangautomatik von ZF setzt den Wagen ausgesprochen sanft in Bewegung. Mit 406 PS und 56,4 kg·m Drehmoment bei 3.500 U/min fehlt es dem XKR wahrlich nicht an Durchzug.
Für ein Auto aus dem Jahr 2005 bietet er erstaunlich viel Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen und beschleunigt auch im unteren Geschwindigkeitsbereich munter. Die gute Fahrbarkeit erinnert an moderne Downsizing-Turbomotoren und Diesel – im Stadtverkehr dürfte sich der Jaguar daher ebenfalls leicht fahren lassen.

Der luxuriöse Innenraum und die angenehm ruhige Kabine verleiten auf den kurvigen Straßen des Royu Driveway keineswegs dazu, es eilig zu haben. Der XKR fühlt sich am wohlsten, wenn man elegant und gelassen dahingleitet. Bei diesem Sondermodell sind Fahrwerksfedern und Stabilisatoren straffer ausgelegt als bei der Serienversion. Unkomfortabel wirkt das Fahrwerk trotzdem überhaupt nicht.
Im Gegenteil: Der XKR fährt sich ausgesprochen komfortabel.
Da es sich schließlich um einen R handelt, gebe ich in den Kurven dennoch etwas mehr Gas. Der Wagen neigt sich leicht zur Seite, doch die Karosseriebewegung wird schnell und kontrolliert abgefangen. Die Reifen haben guten Kontakt zur Straße, und mit nahezu neutralem Fahrverhalten zieht der Jaguar mühelos durch die Kurven.
Nach seinem eleganten Äußeren hätte ich mehr Untersteuern erwartet – vielleicht ein Fahrgefühl wie in meinem früheren Honda Legend Coupé. Doch weit gefehlt: Der XKR ist ein echter Sportwagen, mit dem sich auch kurvige Landstraßen genießen lassen.

Das hat mich überrascht. Ich hatte gedacht, dass der XKR trotz des R-Kürzels in Kurven eher weich und schaukelig sein würde. Tatsächlich ist er bei niedriger Geschwindigkeit und auf gerader Strecke ausgesprochen komfortabel abgestimmt. In der Kurve aber spürt man, wie das Fahrwerk innerhalb seines Federwegs zunehmend Halt gibt.
Ja, das ist, wie ich es gern nenne, ein „Sanuki-Udon-Fahrwerk“: weich und zugleich schön bissfest.
Und der XKR hat eines der besten „Sanuki-Udon-Fahrwerke“, die ich je erlebt habe. Vielleicht ist genau das Jaguars berühmte Katzenpfote: Das Fahrwerk spricht weich an, bietet zugleich aber einen festen Kern. Unsicherheit oder ein schwammiges Gefühl kommen nie auf. Ein großartiges Fahrwerk.
Auf der Geraden trete ich etwas stärker aufs Gas. Ohne Verzögerung schaltet das Getriebe zurück, und der Kompressor ist nun auch im Innenraum zu hören. Der Wagen schießt nach vorn und verwandelt sich in eine Raubkatze, die ihre Beute ins Visier nimmt. Mit modernen Hochleistungscoupés oder -limousinen kann er bei der Beschleunigung wahrscheinlich nicht ganz mithalten – schnell genug ist der XKR aber auch heute noch allemal.

Auch die Geradeauslaufstabilität ist tadellos. Mit diesem Wagen auf große Fahrt zu gehen, muss ein Vergnügen sein. Der XKR ist ein Grand Tourer, der lange Strecken komfortabel zurücklegt und bei Bedarf auch sportlich bewegt werden kann.
Der Besitzer fährt mit dem Jaguar gelegentlich von Kansai nach Tokio. Bei diesem Komfort kann man sich gut vorstellen, dass selbst solche Strecken wie im Flug vergehen.
Vor der Fahrt mit meinem Traumwagen war ich ein wenig nervös. Ich hatte schon mehrere Hochleistungsautos gefahren, darunter verschiedene Porsche, und fragte mich, ob mich der XKR überhaupt noch richtig begeistern könnte. Vielleicht, dachte ich, wäre es besser, den Traum einfach ein Traum bleiben zu lassen.


Doch diese Sorge war völlig unbegründet. Ich war ehrlich überrascht, was für ein fantastisches Auto der XKR ist. Mehr noch: Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Erfahrung meine künftige Autowahl nachhaltig beeinflussen wird.
Sportliche Autos sind großartig. Aber mir ist wieder einmal klar geworden, dass ich eigentlich auch eine große Schwäche für luxuriöse Autos habe.
Mit einem SL 500 und einem S 63 Coupé war ich schon zuvor unterwegs gewesen. Ich dachte, meine Vorliebe längst erkannt zu haben – doch nach dieser Fahrt bin ich mir endgültig sicher.
Der Jaguar XK wird nicht mehr gebaut, und ein Exemplar in einem derart guten Zustand zu finden, dürfte schwierig sein. Umso mehr hoffe ich, dass der Besitzer diesen besonderen Wagen weiterhin so sorgfältig pflegt.
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