Gehört der 4,0-Liter-Motor des Porsche 718 zur GT3-Motorenfamilie? Ein Blick auf GTS 4.0, Spyder und GT4

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Porsche Boxster

Unter Porsche-Fahrern kommt immer wieder eine Frage auf: Gehört der frei saugende 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor im 718 GTS 4.0, Spyder und GT4 zur selben Motorenfamilie wie der GT3-Motor? In manchen Videos wird diese These vertreten, und auch ich werde gelegentlich danach gefragt. Bei genauer Recherche zeigt sich eine klare Antwort.

Kurz gesagt: Der Motor des 718 GTS 4.0, Spyder und GT4 gehört nicht zur selben Motorenfamilie wie der GT3-Motor. Der 4,0-Liter-Motor des 718 ist vielmehr ein leistungsstarkes Aggregat mit einer eigenen Entwicklungsgeschichte. Sein technischer Hintergrund ist dabei besonders interessant.

Was die Motorkennungen verraten

4,0-Liter-Motor des 718 GTS

Wer Porsche-Motoren verstehen möchte, findet in den Motorkennungen wichtige Hinweise. Der Motor im 718 GTS 4.0, Spyder und GT4 trägt die Kennung 9A2 EVO. Der GT3-Motor hingegen heißt 9A1. Das ist nicht bloß ein Unterschied in der Bezeichnung, sondern weist auf eine grundlegend andere Architektur hin.

Die Wurzeln des 9A2 EVO reichen zurück zum 3,0-Liter-Turbomotor des 911 Carrera (992). Der 4,0-Liter-Motor des 718 ist also ein auf Basis eines Turbomotors neu entwickeltes Aggregat mit Saugmotor-Konzept. Der 9A1 im GT3 dagegen ist ein eigens konstruierter Motor mit Rennsport-DNA. Genau diese unterschiedlichen Entwicklungslinien machen den grundlegenden Unterschied zwischen den beiden Motoren aus.

Technische Daten: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

718 GT4 und 718 Spyder

Bohrung und Hub sind bei beiden Motoren mit 102 × 81,5 mm identisch. Auch der Hubraum ist nahezu gleich: 3.995 cm³ beim 718 und 3.996 cm³ beim GT3. Diese oberflächlichen Gemeinsamkeiten bedeuten jedoch nicht, dass es sich um denselben Motor handelt.

Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied bei der maximalen Drehzahl. Der 718 GTS 4.0 dreht bis 7.800 U/min, Spyder und GT4 bis 8.000 U/min. Beim GT3 sind es bis zu 9.000 U/min. Das ist nicht nur eine Frage der Einstellung, sondern spiegelt grundlegend unterschiedliche Konstruktionsansätze wider. Auch bei der Leistung liegt der GT3 vorn: Der 718 GTS 4.0 leistet 400 PS, Spyder und GT4 kommen auf 420 PS, der GT3 auf über 500 PS. Außerdem verfügt der 718 zur Verbrauchssenkung über eine Zylinderabschaltung, die der GT3 nicht hat.

Die überraschende Verbindung zum 992-Turbomotor

Instrumente im 718 Cayman GTS 4.0

Interessanterweise ist der 4,0-Liter-Motor des 718 eng mit dem Turbomotor des 911 der Generation 992 verwandt. Beide gehören zur Motorenfamilie 9A2 EVO und teilen die grundlegende Architektur. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Porsches modularer Entwicklungsstrategie.

So sind etwa die Grundstruktur des Motorblocks und des Kurbelgehäuses gemeinsam. Der frei saugende 4,0-Liter-Motor des 718 lässt sich im Wesentlichen als ein „Sauger-Geschwistermotor“ des 3,0-Liter-Turbomotors aus dem 992 beschreiben: mit größerem Hubraum und ohne Turbolader. Dank dieser Konstruktion kann Porsche Motoren über verschiedene Modelle hinweg effizient vereinheitlichen und zugleich gezielt an den Charakter des jeweiligen Fahrzeugs anpassen.

Dass die Motoren für die Fertigung auf derselben Produktionslinie ausgelegt sind, unterstreicht diese Verwandtschaft. So profitiert Porsche von geringeren Entwicklungskosten, einheitlicher Qualitätskontrolle und effizienterer Produktion – ohne auf die eigenständigen Qualitäten des 718-Motors zu verzichten.

Was den 4,0-Liter-Motor des 718 besonders macht

Porsche 718 Cayman GT4

Dass der 4,0-Liter-Motor des 718 nicht zur selben Motorenfamilie wie der GT3 gehört, schmälert seinen Wert keineswegs. Im Gegenteil: Er hat seinen ganz eigenen Reiz. Auf Basis des Turbomotors aus dem 911 Carrera wurde er als frei saugender Motor neu entwickelt.

Sein gleichmäßiger Drehzahlanstieg bis 7.800 U/min, die souveräne Leistung von 400 PS und vor allem das für Saugmotoren typische lineare Ansprechverhalten prägen seinen Charakter. Zusammen mit dem Mittelmotor-Konzept entsteht daraus die besondere Fahrdynamik des 718. Ob im Stadtverkehr oder auf kurvigen Landstraßen: Hier kann der Motor seine Qualitäten voll ausspielen. Sein Charakter ist anders als der des GT3, aber nicht weniger reizvoll.

Dank der Zylinderabschaltung ist der Motor zudem auf einen alltagstauglichen Verbrauch ausgelegt. Anders als der eher auf die Rennstrecke zugeschnittene GT3 deckt der 718 ein breites Spektrum vom täglichen Einsatz bis zur sportlichen Fahrt ab. Genau diese Balance aus Alltagstauglichkeit und Sportlichkeit macht den 4,0-Liter-Motor des 718 so besonders.

Hiro

Ich bin Minas Ehemann. Ich fahre Autos nicht als Mode oder Statussymbol. Mir gefallen Wagen, die Spaß machen, als Industrieprodukt überzeugen und in denen man die Absicht der Macher spürt. Lange Touren sind meine Leidenschaft, und ein Auto zählt erst, wenn man es fährt. An freien Tagen reise ich mit unseren Wagen durch Japan. Im Blog schreibe ich vor allem Fahrberichte und Tourenberichte und kümmere mich um die Technik der Seite und ums Tuning.

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