2.000 km zum Jahresende im Porsche Boxster: Tour nach Kyushu – Tag 1
Veröffentlicht: 2021.01.08
Zum Jahresende machte sich mein Mann allein mit dem Boxster auf eine Tour durch Kyushu. Seine Erlebnisse hat er in mehreren Beiträgen festgehalten. Viel Spaß beim Lesen!
Boxster-Tour zum Jahresende
Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. Die Corona-Pandemie hat die Welt in diesem Jahr kräftig durcheinandergewirbelt. Auch ich habe mich dadurch intensiver mit meiner Arbeit und der Frage beschäftigt, wie ich künftig leben möchte.
Mitten in dieser besonderen Zeit beschloss ich, meinen geliebten Boxster GTS (Baureihe 981) nach längerer Pause wieder auszufahren und die freien Tage zum Jahresende für eine Tour zu nutzen. Natürlich ging es allein los – eine Tour ohne Menschenansammlungen, bei der ich kaum jemandem begegnen würde.
Meine letzte längere Tour im Boxster lag schon eine Weile zurück: Sie führte mich im Frühjahr 2019 nach Tōhoku. Ende Dezember musste ich diesmal natürlich Gegenden meiden, in denen Schnee zu erwarten war. Damit lag das Ziel fast zwangsläufig weiter im Süden. Nach einigem Überlegen stand fest: Über die Chūgoku-Region sollte es bis nach Kagoshima im Süden Kyushus gehen.

Der frisch und gründlich gewaschene Boxster wartete schon auf mich. Ich schlüpfte in die Fahrhandschuhe, trat die Kupplung, steckte den Schlüssel ins Zündschloss und ließ den Motor an.
Mein erstes Ziel: die Mimasaka Yamanami-Straße in der Präfektur Okayama. Shima, bekannt aus dem Blog von wata, nennt sie nicht umsonst die „Himmelsstraße“. Auf der fast leeren Chūgoku-Autobahn fuhr ich nach Westen und verließ sie an der Ausfahrt Tsuyama.

Ich war schon oft hier, und doch begeistert mich diese Straße jedes Mal aufs Neue. Sie zieht sich überwiegend geradlinig durch den Wald und verbindet Nord und Süd. Abwechslung bieten sanfte Steigungen und Gefälle, schnelle und langsame Kurven. Dazu kommen eine großzügige Fahrbahnbreite, ein hervorragender Straßenbelag und kaum Verkehr.
Die Nordschleife des Nürburgrings trägt den Beinamen „Grüne Hölle“. Diese Straße würde ich dagegen am liebsten „Grüner Himmel“ nennen. Für Autofans und alle, die gerne fahren, ist sie ein wahres Paradies. Wer vor allem wegen der Aussicht unterwegs ist, sollte allerdings keine spektakulären Panoramen erwarten – dafür eignet sich die Strecke nicht.
Sie ist ganz auf Menschen zugeschnitten, die sich voll und ganz auf das Fahren konzentrieren möchten.


Ich verzichtete bewusst auf die automatische Zwischengasfunktion und fuhr im Sport-Modus durch die Kurven – mit mehr oder weniger gelungenem Zwischengasgeben per Hacke-und-Spitze-Technik und meist im dritten oder vierten Gang.
Allerdings finde ich die Pedalerie im Porsche auf öffentlichen Straßen fürs Hacke-und-Spitze-Fahren nicht besonders günstig. Der Höhenunterschied zwischen Brems- und Gaspedal ist groß, und die Bremsen packen kräftig zu. So lässt sich das Gas nur schwer geschmeidig antippen.
Auf der Rennstrecke, wo man stärker bremst, funktioniert die Technik dagegen besser. Und wie ich gehört habe, empfiehlt Porsche das Hacke-und-Spitze-Fahren auf öffentlichen Straßen grundsätzlich nicht.
Die Strecke machte so viel Spaß, dass ich sie gleich zweimal hin und zurück fuhr. Anschließend nahm ich Kurs auf eine weitere berühmte Straße in Okayama: die Oku-Kibi-Straße.

Im Vergleich zur Mimasaka Yamanami-Straße geht es hier häufiger bergauf und bergab, und die Kurven sind überwiegend mittelschnell. Auch hier war kaum Verkehr – die Straße fühlte sich an, als hätte ich sie ganz für mich allein. Außerdem ist sie ausgesprochen lang.

Der Boxster der Baureihe 981 reagiert beim ersten Einlenken zwar etwas zurückhaltend. Sobald sich die Richtung ändert, setzt die Drehbewegung jedoch um die Fahrzeugmitte ein, und der Wagen gleitet mit einem wunderbar flüssigen Schwung durch die Kurve. Das Kurvenverhalten unterscheidet sich von dem eines 911 – und hat seinen ganz eigenen Reiz.
Mit dem sonoren Auspuffsound des Boxster GTS, der durch die Berge hallte, fuhr ich immer weiter nach Westen.
Was für großartige Straßen es in der Präfektur Okayama gibt! Neben den hier vorgestellten Strecken locken zahlreiche weitere, kleinere und größere Verbindungsstraßen durch ländliche Gebiete – und auf fast allen ist nur wenig Verkehr. Viele davon sind wahre Geheimtipps für Autofans. Ein Abstecher lohnt sich unbedingt.
Mein Tagesziel war Higashihiroshima. Über die Autobahn wäre ich schnell dort gewesen, aber das wäre ja nicht der Sinn der Tour gewesen. Also erkundete ich lieber die Bergstraßen zwischen Okayama und Hiroshima. Über die etwas schmale Präfekturstraße 85 und die Fukiya-Straße ging es auf der Präfekturstraße 106 weiter, dann auf der Präfekturstraße 27 in Richtung Jōge.
Auch die Straßen in dieser Gegend machen richtig Freude: Es sind ruhige Landstraßen, auf denen man entspannt im eigenen Rhythmus unterwegs sein kann. Während ich den Boxster weiter antrieb, dachte ich: „Mit einem luftgekühlten Porsche wäre das bestimmt ein ganz besonderes Erlebnis.“ Anschließend nahm ich die Nationalstraße 432 zu meiner Unterkunft.

Am ersten Tag wollte ich vor allem die großartigen Straßen Okayamas genießen. Viel besichtigt habe ich daher nicht – ich bin einfach gefahren, und zwar fast den ganzen Tag (wie so oft). Die Straßen rund um Okayama und Hiroshima machen wirklich Spaß. Es gibt noch viele, die ich nicht kenne, also komme ich bei Gelegenheit wieder, um sie zu erkunden.
Für den nächsten Tag hatte ich mir die Strecke von Hiroshima nach Yamaguchi vorgenommen. Mit einem Blick auf die Tourenkarte schlief ich schließlich ein.
Hier geht’s weiter → 2.000 km zum Jahresende im Porsche Boxster: Tour nach Kyushu – Tag 2
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