Der 911 Sport Classic kostet das Doppelte des Neupreises – wird Porsche zum Hersteller von Anlageobjekten?

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Porsche 911

Ein Auto, dessen Preis sich in drei Jahren verdoppelt hat

Der Preisanstieg beim Porsche 911 Sport Classic scheint kein Ende zu nehmen.

Auf der US-Auktionsplattform „Bring a Trailer“ wurde ein Exemplar des Modelljahrs 2023 für rund 510.000 US-Dollar (etwa 81 Millionen Yen) versteigert. Da der Neupreis inklusive Sonderausstattung bei ungefähr 45 Millionen Yen lag, ergibt sich in nur drei Jahren ein Wertzuwachs von rund 36 Millionen Yen. Auch in Japan sieht die Lage nicht anders aus: Auf Carsensor wurde ein Exemplar für 71,8 Millionen Yen angeboten, auf einer anderen Website war sogar ein Preis von 80 Millionen Yen zu finden. Bei einem Fahrzeug mit gerade einmal rund 6.500 Kilometern Laufleistung entspricht das einem „Gewinn“ von etwa 5.500 Yen pro gefahrenem Kilometer. Das wirkt weniger wie die Wertentwicklung eines Autos als vielmehr wie der Kursverlauf eines Finanzprodukts.

Der 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit Biturbo aus dem 911 Turbo S, kombiniert mit einem Siebengang-Schaltgetriebe und Hinterradantrieb: Diese einzigartige Konfiguration ist auf weltweit 1.250 Exemplare limitiert. Dazu kommen Ducktail-Heckspoiler, Doppelkuppeldach und Fuchs-Designräder. Dass der Sport Classic ein besonderes Auto ist, steht außer Frage. Doch „besonders“ zu sein und „eine Geldanlage“ zu sein, sind eigentlich zwei völlig verschiedene Dinge.

Pepita-Sitze, braunes Interieur, grüne Instrumente – Déjà-vu bei der Heritage-Strategie

Bei den jüngsten Porsche-Sondermodellen kommt mir immer öfter etwas bekannt vor.

Braune Farbtöne im Innenraum, Sitze mit Pepita-Muster und grüne Instrumente – als müsste Porsche nur diese Kombination zusammenstellen, um einen begehrten Heritage-Look zu erzeugen. 991 Speedster, 911 S/T, Sport Classic: Sie sind zweifellos alle wunderschön. Doch die formelhafte Nostalgie wirkt inzwischen nicht mehr wirklich überraschend. Früher waren selbst Sondermodelle von Porsche ein Experimentierfeld, das den Weg in die nächste Ära wies. Heute wirken sie zunehmend wie Pakete, die vergangene Ikonen neu kombinieren.

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Noch mehr beschäftigt mich der Plan für ein neues Spitzenmodell oberhalb des 911.

Wenn Porsche ein Auto baut, das den 911 übertrifft, dürfte es zugleich zum nächsten Spekulationsobjekt werden. Der Konkurrenzkampf mit den Händlern um die erste Zuteilung würde sich weiter verschärfen – und damit auch das Muster, dass Kunden mehrere Elektroautos oder SUVs kaufen, um überhaupt eine Chance auf ein Sondermodell zu haben. Will Porsche wirklich eine Welt, in der nicht das Fahrerlebnis, sondern der mögliche Wiederverkaufsgewinn den Kauf antreibt?

Sondermodelle als Lockmittel für Elektroautos – ist Porsche schuld oder die EU?

Damit kommen wir zu einem strukturellen Problem.

Dass limitierte Porsche-Modelle als „Köder“ für den Verkauf von Elektroautos dienen, ist in der Branche längst ein offenes Geheimnis. Vielleicht hat auch der eine oder andere Leser beim Händler schon gehört: „Ohne bisherige Käufe eines Taycan oder Macan Electric ist es schwierig, ein GT-Modell zugeteilt zu bekommen.“ Bei uns zu Hause stehen zwar ein Taycan Turbo GT und ein Taycan 4S Cross Turismo, doch wir haben sie wegen ihres elektrischen Fahrerlebnisses gekauft – nicht als Eintrittskarte zu einem Sondermodell. Fakt ist jedoch: Die Hersteller müssen ihre Elektroauto-Verkäufe steigern, um die Vorgaben für den Gesamtausstoß an Emissionen einzuhalten. Limitierte Modelle wirken dabei als Anreiz, Kunden zum Kauf eines Elektroautos zu bewegen.

Allerdings wäre es nicht fair, die Verantwortung dafür allein Porsche zuzuschieben. Das Grundproblem liegt in den EU-Abgasvorschriften. Euro 7 und die Strafzahlungen für CO₂-Emissionen bringen die Hersteller in eine Lage, in der sie enorme Bußgelder riskieren, wenn sie nicht genügend Elektroautos verkaufen. Gleichzeitig können sie bei Elektroautos preislich nicht mit chinesischen Herstellern mithalten und setzen ausgerechnet ihren größten Trumpf – den Benzinmotor – mit immer strengeren Regeln selbst unter Druck. Was genau will die EU eigentlich mit ihrer eigenen Autoindustrie erreichen? Ich befürchte, dass dabei die europäische Automobilkultur selbst auf dem Spiel steht.

Porsche soll ein Auto bleiben, das erst beim Fahren begeistert

Letztlich erwarte ich von Porsche etwas ganz Einfaches:

Bitte baut weiterhin Autos, die beim Fahren Freude machen. Mehr nicht. Das berauschende Gefühl, mit dem 718 Spyder RS auf dem Fuji Speedway den 4,0-Liter-Saugmotor bis auf 9.000 U/min hochzudrehen. Das Kurvenverhalten des Taycan Turbo GT, als ich ihn über Bergstraßen trieb – überlegen sogar dem des GT3. Und das typische Pulsieren des luftgekühlten Motors, wenn ich den Tiptronic-Hebel meines 964 C2 auf D stelle und entspannt durch die Stadt rolle. Die Gründe, warum ich Porsche treu bleibe, liegen allesamt hinter dem Lenkrad.

Dass ein Sport Classic für 80 Millionen Yen gehandelt wird, lässt sich wohl nicht verhindern. So funktioniert der Markt. Doch ich möchte mich dagegenstemmen, dass immer mehr Exemplare mit nur 100 Kilometern auf dem Tacho in klimatisierten Lagerhallen stehen – und dass eine Strategie für Sondermodelle, die genau darauf setzt, weiter an Fahrt gewinnt. Ich bin überzeugt: Der Wert von Porsche liegt nicht darin, dass man die Autos unberührt stehen lassen kann, sondern in ihrem Fahrgefühl, das einen mit jedem Kilometer aufs Neue begeistert. Wann immer ich auf die Preiskurve schaue, möchte ich mich an diese eigentlich selbstverständliche Wahrheit erinnern.

Hiro

Ich bin Minas Ehemann. Ich fahre Autos nicht als Mode oder Statussymbol. Mir gefallen Wagen, die Spaß machen, als Industrieprodukt überzeugen und in denen man die Absicht der Macher spürt. Lange Touren sind meine Leidenschaft, und ein Auto zählt erst, wenn man es fährt. An freien Tagen reise ich mit unseren Wagen durch Japan. Im Blog schreibe ich vor allem Fahrberichte und Tourenberichte und kümmere mich um die Technik der Seite und ums Tuning.

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